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10.09.2006

Erster Einsatz einer "künstlichen Lunge" erfolgreich

Einem 61-Jährigen konnte nach schwerem Lungenversagen im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf durch den Einsatz eines Lungenersatzsystems mit Erfolg aus seiner lebensbedrohlichen Situation geholfen werden.

Erstmals im Hamburger Raum ist in der Klinik für Intensivmedizin des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) ein Lungenersatzsystem - eine so genannte "künstliche Lungekünstliche Lunge
Das Gerät entlastet den Patienten von der konventionellen mechanischen Beatmung und sorgt dafür, dass seine Lunge schneller heilen kann. Eine konventionelle mechanische Beatmung ist nämlich für den Patienten nicht ganz unproblematisch: Während beim natürlichen Atemvorgang Luft mit Unterdruck in die Lunge gesaugt wird, muss die Atemluft von der Beatmungsmaschine in die Lungenbläschen gepresst werden und kann dadurch die bereits geschädigte Lunge noch weiter schädigen. Die Chancen einer Wiederherstellung der Lunge können sich dadurch verschlechtern.
Das neuartige, außerhalb des Körpers (extrakorporal) angeschlossene Lungenersatzsystem wird mit Kanülen über die Leistenarterie und -Vene mit dem Blutkreislauf verbunden. Der Brustkorb muss also nicht geöffnet werden. Das Blut wird dann ohne mechanische Pumpen - nur über den Druckunterschied zwischen Arterie und Vene - durch die "künstliche Lunge" getrieben. Spezielle Membranen in dem nur 14 mal 14 Zentimeter großen Kästchen ersetzen die menschlichen Lungenbläschen und entfernen das gesamte Kohlendioxid aus dem Blut. In der Regel benötigen betroffene Patienten für eine Dauer von rund zehn Tagen eine Lungenunterstützung durch das System. Es sind aber auch schon Anwendungen von über einem Monat vorgekommen.
 
 
" - mit Erfolg angewandt worden. Es wurde in der Nacht vom 10. auf den 11. August 2006 bei einem 61-jährigen Patienten aus Nordfriesland eingesetzt, der nach einer Operation ein schweres Lungenversagen erlitten hatte.

Sofort nach dem Anschluss der "künstlichen Lunge" konnte die mechanische Beatmung des Hamburger Patienten um rund 30 bis 40 Prozent reduziert werden; innerhalb von sieben Tagen erholte sich die "ruhig gestellte" Lunge zusehends. Mittlerweile konnte das System abgestellt werden, die Kanülen wurden entfernt. Der Patient ist mit weitgehend wiederhergestellter LungenfunktionLungenfunktion
aus dem "künstlichen Koma" (Narkose) erwacht. Er befindet sich weiterhin auf Intensivstation. Sein Gesundheitszustand ist stabil. Er atmet selbstständig mit geringer mechanischer Unterstützung, die kontinuierlich zurückgefahren wird.

Bisher wurde die neuartige Technologie in Deutschland bei rund 200 Patienten eingesetzt. Das Einmalsystem kostet rund 2500 Euro und wird bei Bedarf innerhalb von sechs Stunden von einer Firma aus Süddeutschland geliefert. Angesichts der bisherigen, viel versprechenden Ergebnisse, soll noch in diesem Jahr in einer groß angelegten, multizentrischen Studie, an der sich auch die Klinik für Intensivmedizin beteiligt, nachgewiesen werden, dass die Therapie mit der "künstlichen Lunge" bei bestimmten Formen des Lungenversagens bessere Aussichten bietet als die klassische Beatmungstherapie und diese womöglich ersetzen kann.

Quelle: idw-online.de