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15.01.2020

Erreger der neuen Lungenkrankheit in China ist mit Sars-Virus verwandt

Das Virus gehört zur selben Art wie ein altbekannter Erreger. Daher ist zu hoffen, dass die neue Lungenkrankheit in China rasch eingedämmt werden kann. Echte Gefahr könnte allerdings aus anderer Richtung drohen.

Der in China kursierende neue Erreger ist dem Berliner Virusforscher Christian Drosten zufolge ein Sars-Virus ähnlich dem bei der Sars-PandemiePandemie
Unter einer Pandemie versteht man eine sich weit verbreitende und dabei ganze Länder oder Kontinente erfassende Krankheit.
Vermischen sich beispielsweise die Erbinformationen von zwei verschiedenen Influenza-Viren in einem Zwischenwirt (z.B. Schwein), tritt ein neuer Virus-Typ mit noch unbekannten Eigenschaften auf. Dieser so genannte Subtyp kann sich schnell ausbreiten, da die Menschen gegen diesen Erreger weder über natürliche noch infolge einer Schutzimpfung aufgebaute Antikörper verfügen. Der jährliche Grippe-Impfschutz erfasst zwar neue Varianten des Influenza-Virus (d.h. leichteVeränderungen in der Oberflächenstruktur), aber keine komplett neuartigen Subtypen. Bricht eine Pandemie aus, muss daher schnell ein Impfstoff gegen den neuen Subtyp entwickelt werden und/oder ein antiviral wirksames Medikament flächendeckend eingesetzt werden.
2002/03. Sars ist die Abkürzung für Severe Acute Respiratory Syndrome, also Schweres Akutes Atemwegssyndrom. „Es ist dieselbe Virusart, nur in einer anderen Variante“, erklärt der Direktor des Instituts für Virologie an der Charité in Berlin. Unterschiede gebe es vor allem bei den Proteinen, mit denen das Virus an menschliche Zellen andocke.

Bei der Sars-Pandemie im Jahr 2002/03 waren ebenfalls von China ausgehend weltweit rund 8000 Fälle erfasst worden, mehr als 800 Menschen starben. Dass ein zuvor unbekanntes Virus so wie das jetzige Ausbrüche beim Menschen verursacht, kommt nach Einschätzung Drostens etwa alle zehn Jahre vor. Für den neuen Erreger haben die chinesischen Behörden bisher 41 nachgewiesene Erkrankungen gemeldet, mehrere Patienten sind demnach in kritischem Zustand. Ein 61-Jähriger mit schweren Vorerkrankungen soll an der Infektion gestorben sein. Zudem gibt es Verdachtsfälle in Thailand, Südkorea und Singapur. Diese seien allerdings mit Vorsicht zu beurteilen, selbst wenn eine vermeintliche Laborbestätigung vorliege, betont Drosten. Die Aussagekraft der eingesetzten Tests sei unterschiedlich, möglicherweise müssten Testergebnisse im Nachhinein revidiert werden. Derzeit arbeitet die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit den Ländern daran, einen einheitlichen diagnostischen Test festzulegen.

Dass aus China seit einigen Tagen keine neuen Erkrankungen gemeldet würden, gebe Anlass zu Hoffnung, so Drosten. Beruhigend sei aber vor allem ein anderer Faktor: „Es gibt bisher keine Ärzte und kein Pflegepersonal mit Symptomen.“ Das sei ein guter Hinweis darauf, dass das Virus nicht leicht übertragbar ist. Nach derzeitigem Wissen sorge es für Fieber und Symptome einer Lungenentzündung. „Die oberen Atemwege sind nicht betroffen, es gibt beispielsweise keinen Schnupfen.“ Von Lunge zu Lunge gelangt ein Erreger schwerer als etwa über Tröpfchen beim Niesen.

Tatsächlich sei eine Übertragung von Mensch zu Mensch bisher noch nicht bekannt geworden - was allerdings nicht bedeute, dass es sie nicht geben kann. „Das Virus könnte zum Beispiel von Menschen übertragen worden sein, die selbst symptomfrei geblieben sind“, gibt Drosten zu bedenken.

Als Ursprungsort der Krankheit gilt derzeit der Huanan-Markt in Wuhan, einer 11-Millionen-Metropole in Zentralchina. „Auf solchen Märkten herrscht oft großes Gedränge, Wildtiere werden dort lebend oder ganz frisch geschlachtet verkauft“, berichtet Drosten. Die chinesischen Behörden haben bereits eine Hypothese, von welcher Tierart der Erreger auf den Menschen übergesprungen sein könnte. „Das wird aber erst offiziell verkündet, wenn es als gesichert gilt“, betont Drosten. Beim Sars-Ausbruch 2002/03 galten Schleichkatzen als wahrscheinlichster Ursprung des Erregers.

Das Sars-Virus der Pandemie sei inzwischen wahrscheinlich nur noch in Tieren unterwegs, so Drosten. Ganz anders sehe die Situation bei Mers (Middle East Respiratory Syndrome) aus, einer Atemwegserkrankung, die durch ein verwandtes Virus hervorgerufen wird. Es gebe nach wie vor immer neue Übertragungen des Erregers vom Kamel auf den Menschen, vor allem in Saudi-Arabien. Bei den darauffolgenden kleineren Krankenhausausbrüchen komme es zu Übertragungsketten von einem Menschen zum nächsten. „Oft stecken sich nacheinander drei oder vier Menschen an“, berichtet Drosten. Das erhöhe das Risiko, dass das Virus sich besser an den „Fehlwirt Mensch“ anpasst und zum Epidemieauslöser reift. „Die Übertragungsketten sind ein Experimentierfeld für das Virus“, erläutert Drosten.

Quelle: dpa vom 14.1.2020 um 5:01 Uhr