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07.08.2008

Ernährungstipps zur Vorbeugung von Lungenerkrankungen

Vielen chronischen Lungenerkrankungen liegt ein krankheitsbedingtes Stoffwechsel-Ungleichgewicht zu Grunde, das sich aber mit einer gesunden, ausgewogenen Ernährung günstig beeinflussen lässt. Die Lungenärzte der Deutschen Gesellschaft für PneumologiePneumologie
Die Atemwegs- und Lungenheilkunde (Pneumologie) ist ein Teilgebiet der Inneren Medizin, das sich mit der Vorbeugung, Erkennung und fachärztlichen Behandlung von Krankheiten der Lunge, der Bronchien, des Mediastinums (Mittelfell) und der Pleura (Rippen- und Lungenfell) befasst.
und Beatmungsmedizin (DGP) empfehlen daher insbesondere Lebensmittel aus der Mittelmeerküche...

Viele Lungenerkrankungen lassen sich durch eine gesunde Ernährung günstig beeinflussen. Darauf machen die Lungenärzte der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) in Werne unter Berufung auf mehrere wissenschaftliche Untersuchungen aufmerksam. Zwei aktuelle Studien weisen zum Beispiel darauf hin, dass eine bewusste Ernährungsweise während der Schwangerschaft die Entwicklung einer asthmatischen Erkrankung beim Kind verhindern kann. „In einer Untersuchung aus Dänemark wurde aufgezeigt, dass Mütter, die am Ende der Schwangerschaft (ab der 30. Schwangerschaftswoche) täglich Fischölkapseln mit Omega-3-Fettsäuren einnehmen, eine Erkrankung ihres Kindes an allergischem Asthma um 87 Prozent verringern“, berichtet Prof. Dieter Köhler vom wissenschaftlichen Beirat der DGP und Leiter der Lungenfachklinik Kloster Grafschaft im nordrheinwestfälischen Schmallenberg. „Demgegenüber kommt eine zweite Untersuchung aus der Niederlande zu dem Schluss, dass Schwangere, die täglich Erdnussprodukte essen, das Asthmarisiko ihres Kindes um 50 Prozent erhöhen. Zwar ist es noch zu früh, um eine offizielle Ernährungsempfehlung für Schwangere auszusprechen. Tendenziell sind dies aber Ergebnisse, die unsere bisherigen Hypothesen über die Entstehung von Asthma und anderen entzündlichen Lungenerkrankungen bestätigen und auf die positiven Effekte einer gesunden Ernährung zur Vorbeugung hinweisen.“

Mediterrane Kost versus „fast food“

Die Vorteile der Mittelmeerküche gegenüber fast food sind nicht nur zur Vorbeugung von Herz- und Gefäß-Erkrankungen längst bekannt, sondern sie gelten auch für Lungenkrankheiten. „So wird das Risiko für chronische Erkrankungen der Atemwege - wie zum Beispiel Raucherbronchitis (COPD), Heuschnupfen oder Asthma - durch eine mediterrane Ernährungsweise glatt halbiert“, betont Köhler. „Ein wichtiger Aspekt dieser Kost sind die so genannten guten Fette: Das heißt bevorzugt ungesättigte Fettsäuren wie Omega-3-Fettsäuren (zum Beispiel enthalten in fetten Fischen wie Makrele, Lachs, Hering) und Olivenöl. Ein weiterer Pluspunkt der Mittelmeerkost spielt aber auch der hohe Gehalt an Vitaminen und Mineralstoffen bzw. Anti-OxidantienAnti-Oxidantien
Stoffe, die eine Oxidation anderer Substanzen hemmen (d.h. deren „Verbrennung“ bzw. – chemisch gesehen – Elektronen-Entzug durch die Abspaltung von Wasserstoff). Führen zur so genannten Reduktion (eine chemische Reaktion, bei der Wasserstoff übertragen wird, so dass dem jeweiligen „Reaktionspartner“ Elektronen übertragen werden). Dadurch entstehen weniger aggressive, Zell schädigende Stoffwechselprodukte im Organismus.
, die insbesondere in Obst und Gemüse, Vollkornprodukten und Nüssen enthalten sind – allerdings nicht in Erdnüssen! Erdnüsse enthalten nämlich nicht die so genannten guten Fettsäuren, um die es uns geht, zumal sie botanisch gesehen auch gar nicht zu den Nüssen gehören. Außerdem enthalten Erdnüsse potenzielle Allergie-Auslöser (AllergeneAllergene
Das sind Stoffe, die vom Immunsystem des Körpers als „fremd" eingestuft und deshalb angegriffen werden, was zu einer übersteigerten Abwehrreaktion (= Allergie mit Überempfindlichkeit des Körpers gegen das jeweilige Allergen) führt.
Man unterscheidet tierische, pflanzliche und chemische Allergene, wobei fast jede Umweltsubstanz eine Allergie auslösen kann. Ein potenzielles Allergen ist eine Substanz, die aufgrund ihrer biochemischen Beschaffenheit häufiger als andere Substanzen eine allergische Reaktion hervorrufen kann.
 
 
 
) , die zu einer SensibilisierungSensibilisierung
Darunter versteht man eine erhöhte Abwehrbereitschaft gegenüber bestimmten Antigenen (Allergenen), die beim ersten Kontakt mit einer Fremdsubstanz ausgelöst wird und zur Bildung von Antikörpern gegen deren Antigene führt (primäre Immunantwort). Beim nächsten Kontakt mit dem Allergen kann dann eine verstärkte Abwehrreaktion erfolgen unter Bildung großer Mengen von passenden Antikörpern gegen die Substanz-Antigene (sekundäre Immunantwort). Hierzu reicht bereits eine geringe Menge des Allergens aus. Eine Sensibilisierung kann vom Arzt mittels Allergietest (Nachweis von Antikörpern) festgestellt werden. Es kommt aber auch vor, dass sich Menschen sensibilisiert haben, ohne allergische Symptome aufzuweisen.
und damit allergischen Reaktion und Verstärkung von entzündlichen Prozessen führen können. Wer anstelle der Mittelmeerkost lieber fast food verspeist und vornehmlich tierische Fette, gepökeltes Fleisch, Fertiggerichte und Süßigkeiten zu sich nimmt, hat demgegenüber etwa doppelt so häufig unter Atemwegsproblemen zu leiden. Dabei ist vor fast food nicht nur wegen des übermäßigen Gehalts an schlechten Fetten dringend abzuraten, sondern auch weil diese Nahrung zu wenig Anti-OxidantienOxidantien
Stoffe, die  andere Substanzen „verbrennen“, indem sie – chemisch gesehen – Wasserstoff abspalten und ihnen damit Elektronen entziehen. Führen zur so genannten Oxidation (eine chemische Reaktion, bei der Wasserstoff abgespalten wird, so dass dem jeweiligen „Reaktionspartner“ Elektronen entzogen werden). Dabei entstehen aggressive, Zell schädigende Stoffwechselprodukte im Organismus.
 
 
enthält.“

Gestörtes Gleichgewicht zwischen Oxidantien und Anti-Oxidantien

Vielen chronischen Lungenerkrankungen liegt ein krankheitsbedingtes Ungleichgewicht zwischen bestimmten Stoffen (Enzymen) zu Grunde, die im Stoffwechsel eine wichtige Rolle spielen. „Dieses Ungleichgewicht lässt sich aber mit einer gesunden, ausgewogenen Ernährung günstig beeinflussen“, erläutert Köhler. „Stehen zum Beispiel zu wenig Anti-Oxidantien zur Verfügung, kann sich der Körper nicht mehr vor Zell schädigenden Verbindungen (Oxidantien bzw. Radikale) schützen, die im Stoffwechsel ständig als Nebenprodukte anfallen. So ist es wissenschaftlich erwiesen, dass Kinder die zu wenig Anti-Oxidantien – die vor allem in frischem Obst und Gemüse stecken - essen, ein größeres Risiko haben, asthmatische und allergische Beschwerden zu entwickeln. Demgegenüber hat die mediterrane Kost den entscheidenden Vorteil, dass sie reich ist an Vitamin A, C und E und vielen Mineralstoffen. Wir wissen, dass Früchte, die reich an Polyphenolen sind – wie zum Beispiel rote Weintrauben - krankheitsbedingte Entzündungsprozesse nicht nur in den Blutgefäßen, sondern auch in den Lungen abmildern können. Aber auch das Beta-CarotinBeta-Carotin
Betacarotin wird auch Provitamin A genannt, da der Körper aus Betacarotin Vitamin A bilden kann, das vor allem für den Sehvorgang, das Gewebewachstum und die Abwehr von Krankheitserregern gebraucht wird. Obst und Gemüse sind die wichtigsten natürlichen Quellen des Betacarotins, da es als Pflanzenfarbstoff zum Schutz vor den schädigenden Auswirkungen des Sonnenlichts in vielen Pflanzen enthalten ist.
in Orangen, Äpfeln und frischen Tomaten vermag die Häufigkeit von Beschwerden bei Asthma und Heuschnupfen oder anderen allergischen Erkrankungen zu verringern. Nüsse enthalten außerdem viel Zell schützendes Vitamin E und Magnesium, welches die LungenfunktionLungenfunktion
ebenfalls zu fördern scheint. Demgegenüber ist Lungenpatienten gerade von Gepökeltem und Geräuchertem dringend abzuraten, da gepökeltes, rotes Fleisch nicht nur keine Anti-Oxidantien liefert, sondern noch dazu auf Grund des verwendeten Nitritpökelsalzes die Bildung von zu vielen Oxidantien vorantreibt – also oxidativen Stress hervorruft, was bei Patienten mit COPD das Fortschreiten ihrer Lungenerkrankung beschleunigen kann“, warnt Köhler. Die Lungenärzte raten daher, sich bevorzugt mit Lebensmitteln aus der Mittelmeerküche zu ernähren. „Denn das ist nachweislich nicht nur gut für Herz, Gefäße und Gehirn, sondern auch für die Lungen!“ - so Köhler.