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27.03.2014

Erkrankungshäufigkeit an Tuberkulose sinkt hierzulande nicht mehr

Das Motto der Weltgesundheitsorganisation für den diesjährigen Welttuberkulosetag am 24. März 2014, lautet ins Deutsche frei übersetzt: „Tuberkulose erkennen, verhindern, heilen: alle erreichen“. Das ist auch für Deutschland von Belang, denn die Fallzahlen mit Tuberkulose sinken hierzulande bereits das vierte Jahr in Folge kaum noch. Darauf weist das Robert Koch-Institut in seinem jährlichen Bericht zur Epidemiologie der Tuberkulose hin.

Die Zahl der Erkrankungen an Tuberkulose sinkt kaum noch, bei multiresistenten Erkrankungen steigen die Fallzahlen sogar geringfügig. Das zeigt der aktuelle jährliche Bericht zur Epidemiologie der Tuberkulose für 2012, mit dem das Robert Koch-Institut die Situation in Deutschland umfassend darstellt. „Die gemeinsamen Anstrengungen in der frühen Erkennung und Prävention von der Tuberkulose müssen daher intensiviert werden“, erklärt Reinhard Burger, Präsident des Robert Koch-Instituts, anlässlich des Welttuberkulosetages am 24. März. „Der öffentliche Gesundheitsdienst braucht für die erforderlichen Maßnahmen auch ausreichende Ressourcen“, unterstreicht Burger.

Für das Jahr 2012 wurden dem Robert Koch-Institut insgesamt 4.220 Tuberkulosen übermittelt (4.317 im Jahr 2011). Damit sinken die Fallzahlen bereits das vierte Jahr in Folge kaum noch. Zuvor waren die Erkrankungszahlen jedes Jahr deutlich zurückgegangen. Im Jahr 2012 starben 146 Patienten an der Tuberkulose (144 im Jahr 2011). Die Zahl der Tuberkulosen bei Kindern, die seit 2009 kontinuierlich angestiegen waren, blieb 2012 mit 178 Fällen unverändert gegenüber 2011. Aufgrund ihrer besonderen Empfänglichkeit und der Gefahr besonders schwerer Verläufe, sowie auch als Indikator für bestehende Infektionsketten bedarf diese Gruppe aber weiterhin einer ganz besonderen Aufmerksamkeit.

Der Anteil von Erkrankungen durch multiresistente Stämme liegt 2012 bei 2,3 % (65 Fälle) und ist damit höher als im Mittel der 5 Jahre zuvor (2007-2011: 1,9%) Bei Multiresistenz sind mindestens die wichtigsten zwei Standardmedikamente Isoniazid und Rifampicin unwirksam.

In Ballungszentren und Großstädten liegt die Inzidenz (Zahl der gemeldeten Fälle pro 100.000 Einwohner) deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 5,2. Zwei aktuelle Veröffentlichungen in der Zeitschrift Eurosurveillance, an denen Wissenschaftler des RKI mitgearbeitet haben, zeigen die Bedeutung dieses Problems im europäischen Kontext. Das Epidemiologische Bulletin vom 17. März 2014 greift dieses Thema mit einem Beitrag zu den besonderen Herausforderungen für Ballungszentren am Beispiel München auf. Hier wird deutlich, welche umfassende soziale, administrative und sprachvermittelnde Unterstützung Gesundheitsämter zunehmend leisten müssen, um eine adäquate medizinische Versorgung von Tuberkulose-kranken und -gefährdeten Menschen zu ermöglichen. Das Motto der Weltgesundheitsorganisation für den Welttuberkulosetag 2014 - ins Deutsche frei übersetzt: „Tuberkulose erkennen, verhindern, heilen: alle erreichen“ - ist somit auch für Deutschland von Belang.

Tuberkulose bleibt eine medizinische, sozialmedizinische und gesellschaftliche Herausforderung insbesondere für die Gesundheitsämter und die behandelnden Ärzte. In der Regel lässt sich die Krankheit mit Antibiotika heilen. Bricht sie aus, so ist in der überwiegenden Zahl der Fälle die Lunge betroffen. Die Krankheit kann aber auch jedes andere Organ befallen, zum Beispiel die Haut. Zu den Symptomen der Tuberkulose gehören Husten, Atemnot, Gewichtsabnahme, Konzentrationsstörungen, Müdigkeit und Schweißausbrüche. Unter einer offenen (infektiösen) Tuberkulose versteht man Erkrankungen, bei denen vom Infektionsherd aus Erreger - etwa über die Luftwege - freigesetzt werden können.

Weltweit sterben jedes Jahr Hunderttausende Menschen an Tuberkulose. 2012 gab es 8,6 Millionen Neuerkrankungen (im Vergleich zu 2011: 8,7 Millionen) und 1,3 Millionen Tote (2011: 1,4 Millionen). Schätzungsweise 450.000 multiresistente Tuberkulose-Fälle (2011: 310.000) traten auf.

Quelle: Robert Koch-Institut