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05.10.2006

Erkältungsviren können Allergietest verfälschen

Ein Hauttest, wie er häufig zur Bestimmung von Allergieauslösern durchgeführt wird, kann durch verschiedene Faktoren beeinträchtigt werden. So kommt es zum Beispiel nach Ansteckung mit einem gewöhnlichen Erkältungsvirus oft zu falsch-positiven Testergebnissen.

Bei einer vorliegenden Allergie wird auf der Suche nach dem verantwortlichen Auslöser häufig ein Hauttest Hauttest durchgeführt. Dabei ist bekannt, dass es eine ganze Reihe von Faktoren gibt, welche die Reaktionsbereitschaft der Haut verändern und damit die Aussagefähigkeit des Hauttestes beeinträchtigen können. Dazu gehören zum Beispiel akute Infektionen oder akute allergische Reaktionen, die bewirken, dass vermehrt AntikörperAntikörper
Antikörper werden auch Immunglobuline (Ig) genannt und sind Eiweißstoffe (Glykoproteine), die der menschliche Körper nach Kontakt mit einem Fremdstoff (Antigen) bildet. Diese Antikörper können dann gezielt (in der sogenannten Antigen-Antikörper-Reaktion) an die Antigene binden. Die so entstehenden Immunkomplexe werden dann unschädlich gemacht. Erhöhte Ig-Mengen weisen allgemein auf eine gesteigerte Immunabwehr hin, wie sie bei akuten oder chronischen Infektionskrankheiten (allergischen und parasitären Krankheiten) häufig auftritt. Man unterteilt die Immunglobuline in vier verschiedene Klassen (Ig A, Ig E, Ig G und Ig M). Je nachdem welcher Typ vermehrt vorliegt, erlaubt dies Rückschlüsse auf die vorliegende Krankheit.
gebildet werden, die sich dann ähnlich wie diejenigen durch eine Allergie bedingten Antikörper im Allergietest niederschlagen (auf Grund der so genannten Antikörper-AntigenAntigen
Antigene sind bestimmte Oberflächenstrukturmerkmale (chemische Moleküle), die für jeden Erreger und jede Substanz charakteristisch sind, vom körpereigenen Abwehrsystem (Immunsystem) als fremd („not self") erkannt werden und eine Abwehrreaktion (Immunreaktion) auslösen.
-Reaktion und darauf folgenden Histaminbildung durch MastzellenMastzellen
Mastzellen sind basophile Granulozyten, die im Gewebe vorkommen und den allergieauslösenden Botenstoff Histamin in einer Speicherform (Granula) enthalten, den sie bei Kontakt mit einem Allergen freisetzen. Auf ihrer Oberfläche sind Antikörper (Immunglobuline der Klasse E) gebunden.
). US-Wissenschaftler von der University of Pittsburgh in Pennsylvania haben jetzt untersucht, ob und wie sich eine Infektion der oberen Atemwege , wie sie recht häufig vom so genannten RS-VirusRS-Virus
Das Respiratorische Syndrom-Virus (RS-Virus) wird durch Kontakt- oder Tröpfcheninfektion übertragen und befällt bevorzugt die Lunge und die Atemwege (den so genannten Respirationstrakt).
(respiratory syncytial virus) hervorgerufen wird, auf einen Allergie-Hauttest auswirkt. „Wenn auch die Stichprobe mit 16 untersuchten Personen klein war und keine Kontrollgruppe zur Verfügung stand, ist das Ergebnis der Studie interessant genug, um darüber zu berichten“, kommentiert Mark O`Hollaren, Direktor einer Allergieklinik in Portland, Oregon. Zum einen verstärkte ein vorheriger Kontakt mit dem Erkältungsvirus RSV die bisherige Reaktion der Probanden auf den Allergietest: Die Betroffenen bildeten mehr Quaddeln und gerötete Hautstellen als zuvor. Vor allem aber stellte sich bei denjenigen Studienteilnehmern, die bisher keine messbare allergische Reaktion gezeigt hatten, infolge des RSV-Kontaktes ein positives Ergebnis beim Hauttest ein.

„Solche falsch-positiven Testergebnisse traten übrigens nicht gleich nach 3 oder 6 Tagen auf, sondern erst 21 Tage nach Kontakt mit dem RSV“, erläutert Erstautor David Skoner. „Das entspricht ungefähr der Zeit, die der Körper benötigt, bis er die volle Abwehrreaktion gegen das Virus aufgefahren hat, die aus einer komplizierten Kaskade aus einer Vielzahl von Entzündungsvermittlern besteht.“ Nun müssten diese Untersuchungsergebnisse aber erst einmal in einer größeren, kontrollierten Studie bestätigt werden. Gleichzeitig könnten sie möglicherweise aber auch schon einen brauchbaren Hinweis darauf liefern, wieso RSV-Infektionen häufig zu Komplikationen führen, wie zum Beispiel zur Auslösung von Anfällen bei allergischem Asthma.

Quelle: Annals of Allergy, Asthma and Immunology (2006), Band 96/6, Seite: 834 - 839
Zusammenfassung (abstract)