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30.06.2022

Entzündungsfaktoren helfen bei der Einschätzung des Lungenkrebsrisikos

Die Berechnung des Lungenkrebsrisikos von Rauchern ist wahrscheinlich präziser, wenn neben dem Zigarettenkonsum auch die jeweiligen Entzündungsmarker im Blut berücksichtigt werden.

Lungenkrebszellen bei der Zellteilung, © Bestvater/DKFZ

Das Lungenkrebsrisiko starker Raucher lässt sich möglicherweise präziser vorhersagen, wenn die gängige Risikoberechnung auf Basis des Zigarettenkonsums mit einer Analyse von Entzündungsmarkern im Blut kombiniert wird. Das zeigen Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrum (siehe Cancers, online seit 26.4.2022).

Ob Lungenkrebs frühzeitig entdeckt wird, ist entscheidend für die Überlebenschance der Betroffenen: Während 55 Prozent der Patienten mit einem Lungenkarzinom im Stadium I die ersten fünf Jahre nach der Diagnose überleben, sind es unter den Erkrankten mit Tumoren im fortgeschrittenen Stadium IV weniger als fünf Prozent.

Besonders starke Raucher haben ein sehr hohes Risiko, an LungenkrebsLungenkrebs
Das ist der im Brustkorb gelegene Raum zwischen den beiden Lungenflügeln, in dem die Brusteingeweide untergebracht sind - also das Herz, zugehörige Nerven, Gefäße und Lymphknoten. Die Pleuren (Rippen- und Lungenfell), welche die beiden Brustfellhöhlen mit den Lungenflügeln auskleiden, bilden eine Trennwand zwischen Mediastinum und Lunge. Nach vorne und hinten wird dieser Raum vom Brustbein und der Brustwirbelsäule begrenzt, von oben und unten erstreckt er sich etwa ab Höhe des Schlüsselbeins bis hinunter zum Zwerchfell. 
zu erkranken. Zahlreiche Studien haben bereits belegt, dass eine Mehrschicht-Computertomographie (CT) mit geringer Strahlendosis geeignet ist, Karzinome in der Lunge in sehr frühen Stadien zu entdecken und damit bei starken Rauchern mit hohem Risiko die Lungenkrebs-Sterblichkeit um bis zu 30 Prozent zu senken.

„Doch solche Untersuchungen können auch schädliche Nebenwirkungen haben, etwa durch die psychische Belastung bei falsch positiven Befunden oder durch die Strahlenexposition“, erklärt Prof. Hermann Brenner, Epidemiologe am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg. „Deshalb wäre es sehr wünschenswert, die CT als Früherkennung noch gezielter bei den Personengruppen mit hohem Risiko einsetzen zu können, die ganz besonders davon profitieren könnten.“
Chronische Entzündungen fördern sowohl die Entstehung bösartiger Tumoren als auch das Fortschreiten von Krebserkrankungen. Ein Team um die Erstautorin Megha Bardwaj aus Brenners Abteilung prüfte nun, ob Entzündungsmarker, die sich im Blut messen lassen, die Vorhersagegenauigkeit des Lungenkrebsrisikos verbessern können. Dazu wählten die Forscher ein Panel von 92 Biomarkern, die Entzündungen signalisieren, darunter zahlreiche ZytokineZytokine
Das sind körpereigene Substanzen (Peptide), die vom Immunsystem (von aktivierten T-Zellen u.a.) freigesetzt werden, um die Bildung von Abwehrzellen und Entzündungszellen anzukurbeln. Zytokine tragen auch zur Reparatur von Gewebeschäden bei und wirken als Wachstumsfaktoren auf viele Zellen ein.
 
und InterleukineInterleukine
Das sind Substanzen, die als Signalstoffe des Immunsystems wirken. Sie gehören zu den so genannten Zytokinen: Körpereigene Substanzen, die von aktivierten T-Zellen und anderen Zellen während der natürlichen und spezifischen Immunantwort freigesetzt werden.
 
 
. Neue Analyseverfahren, die es erlauben, alle 92 Marker in einem winzigen Probevolumen von nur einem Mikroliter Blut zu bestimmen, erleichterten die Untersuchung.

Das Team nutzte für die aktuelle Arbeit Blutproben der Teilnehmer der ESTHER-Studie (Epidemiologische Studie zu Chancen der Verhütung, Früherkennung und optimierten Therapie chronischer Erkrankungen in der älteren Bevölkerung – siehe auch Cancers, online seit 26.4.2022). Diese von Brenner geleitete und gemeinsam mit dem Saarländischen Krebsregister durchgeführte Kohortenstudie läuft bereits seit dem Jahr 2000. Für die aktuelle Studie berücksichtigte das Forscherteam die Blutproben von 172 ESTHER-Probanden mit einer Lungenkrebsdiagnose sowie von 285 weiteren Studienteilnehmern, Raucher oder ehemalige Raucher, die nicht an Lungenkrebs erkrankt waren.

Die Forscher kombinierten die Entzündungsmarker-Analyse mit einer Vielzahl verschiedener gebräuchlicher Risikoberechnungen, die auf den bekannten Risikofaktoren für Lungenkrebs basieren. In allen Fällen kam der kombinierte Ansatz zu präziseren Vorhersagen. Die Berechnungen der Wissenschaftler zeigten, dass die Bestimmung der Entzündungsmarker die Lungenkrebs-Risikovorhersage deutlich verbessern kann.

„Weitere Untersuchungen zur Bestätigung unserer Ergebnisse stehen noch aus, und es sollten zusätzliche Blutmarker einbezogen werden, um die Risikoeinschätzung noch weiter zu verbessern“, erklärt Brenner und ergänzt: „Wir wollen mit dieser Forschung einen Beitrag dazu leisten, die Früherkennung einer der häufigsten und tödlichsten Krebserkrankungen zu verbessern. Dabei könnten kombinierte Analysen von Blut-Biomarkern und lebensstilbedingten Risikofaktoren eine wichtige Rolle spielen.“

Quelle: Deutsches Krebsforschungszentrum