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30.03.2015

E-Zigaretten zur Raucherentwöhnung geeignet?

Wegen Sicherheitsbedenken und aus Mangel eines Wirksamkeitsnachweises können E-Zigaretten nicht für eine Rauchentwöhnung empfohlen werden. Dies ist die Meinung von insgesamt neun Fachgesellschaften der PneumologiePneumologie
Die Atemwegs- und Lungenheilkunde (Pneumologie) ist ein Teilgebiet der Inneren Medizin, das sich mit der Vorbeugung, Erkennung und fachärztlichen Behandlung von Krankheiten der Lunge, der Bronchien, des Mediastinums (Mittelfell) und der Pleura (Rippen- und Lungenfell) befasst.
, Kinder- und Jugendmedizin, Kardiologie, Onkologie und Inneren Medizin, die gemeinsam ein Positionspapier zur E-Zigarette veröffentlicht haben.

Elektronische Zigaretten können aufgrund eines fehlenden Wirksamkeitsnachweises für eine Entwöhnungsbehandlung und gleichzeitig bestehender Sicherheitsbedenken nicht empfohlen werden. So lautet das Fazit eines Positionspapiers, in dem insgesamt neun Fachgesellschaften der Pneumologie, Inneren Medizin, Onkologie, Kardiologie, Kinder- und Jugendmedizin - darunter die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP), der Bundesverband der Pneumologen (BdP), und die Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie (GPP) - zur E-Zigarette Stellung bezogen haben. Das Positionspapier wurde kürzlich auf dem Jahreskongress DGP in Berlin vorgestellt. Mit der Bezeichnung „E-Zigarette“ sind dabei auch andere elektronische Inhalationsprodukte wie E-Shishas (E-Wasserpfeifen), E-Zigarren und E-Pfeifen gemeint (Pneumologie 2015; 69: 131).

Zur Begründung werden die folgenden fünf Gründe angeführt:

  1. Aus medizinischer Sicht sei die völlig unregulierte Verkäuflichkeit von Verdampfungsprodukten einschließlich NikotinNikotin
    Mehrere Gründe sprechen dafür, dass die abhängigkeitserzeugende Substanz in Zigaretten das Nikotin ist:
      * Nikotin dringt ins zentrale Nervensystem (ZNS) ein und ist psychoaktiv.
      * Die physiologischen Effekte von Rauchen und gespritztem Nikotin sind identisch.
      * Nikotin funktioniert als „positiver Verstärker". Menschen (und auch Tiere) fügen sich in Experimenten eigenständig Nikotin zu.
      * Das Ablassen vom Suchtstoff (Tabak-Abstinenz) fällt leichter, wenn Nikotin medikamentös zugeführt (substituiert, also ersetzt) wird.
      * Raucher neigen dazu, ihr Rauchverhalten an die verschiedenen Nikotingehalte von Tabakerzeugnissen anzupassen
    in E-Zigaretten nicht akzeptabel.
  2. Infolge einer zunehmenden Akzeptanz von E-Zigaretten in der Gesellschaft könnte auch das konventionelle Zigarettenrauchen wieder stärker toleriert werden. Damit würden die bisherigen, großen Erfolge konterkariert, Tabak- und Nikotinkonsum als etwas Unnormales, unter medizinischen Gesichtspunkten Behandlungsbedürftiges zu sehen.
  3. Nikotin könne auch kanzerogen wirksam sein – diesen Verdacht legen aktuelle Studien nahe. Selbst wenn die Inhalation von E-Zigaretten-Dampf nach heutigem Wissensstand harmloser als die Inhalation konventionellen Zigarettenrauchs ist, seien Langzeiteffekte viel zu wenig bekannt, um hieraus Entwarnung geben zu dürfen.
  4. Die Beweislage, dass E-Zigaretten eine Raucherentwöhnung unterstützen können, sei gering. Zudem gebe es bereits bewährte qualitätsgesicherte multimodale Entwöhnungsprogramme.
  5. Vor allem auch Jugendliche würden durch spezielle Geschmacksrichtungen und Werbung zu einem vermeintlich harmlosen Konsum animiert. Möglicherweise werde so auch das zweifellos schädliche Tabakrauchen gefördert.

Quelle: Ärztezeitung vom 18.3.15