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18.10.2019

Die Entwicklung einer COPD kann viel früher als bisher gedacht einsetzen und fortschreiten

Bisher ging man davon aus, dass COPD vor allem langjährige Raucher in der zweiten Lebenshälfte betrifft. Die Krankheit kann aber auch schon in einem Alter unter 50 Jahren auftreten, wobei die Betroffenen oft noch keine Beschwerden wie Atemnot bemerken. Darauf weisen Experten der Deutschen Lungenstiftung hin.

Eine chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD) kann viel früher beginnen, als bislang angenommen wurde. Darauf weisen Experten der Deutschen Lungenstiftung hin. „Bisher ging man davon aus, dass COPD vor allem langjährige Raucher in der zweiten Lebenshälfte betrifft. Die Krankheit kann aber auch schon in einem Alter unter 50 Jahren auftreten, wobei die Betroffenen oft noch keine Beschwerden wie Atemnot bemerken“, erklärt Prof. Adrian Gillissen, Stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Lungenstiftung und Direktor der Abteilung für Innere Medizin und PneumologiePneumologie
Die Atemwegs- und Lungenheilkunde (Pneumologie) ist ein Teilgebiet der Inneren Medizin, das sich mit der Vorbeugung, Erkennung und fachärztlichen Behandlung von Krankheiten der Lunge, der Bronchien, des Mediastinums (Mittelfell) und der Pleura (Rippen- und Lungenfell) befasst.
von der Ermstalklinik Reutlingen-Bad Urach.

Zunehmende geschwächte Immunabwehr mit erhöhter Empfindlichkeit gegenüber Rauch

Wie Studien zeigen, sind bei einer frühen COPD im Mikro-CT bereits Schäden an den Endigungen der kleinsten Bronchien (sog. terminale Bronchiolen) nachweisbar, während eine hochauflösende Computertomografie (HRCT) noch einen Normalbefund bekundet und auch eine Lungenfunktionsprüfung unauffällig verläuft. „Zudem liegen in diesem frühen COPD-Stadium bereits molekularbiologische und histologische Veränderungen vor, die offenbar mit der Entwicklung einer lokalen Immunschwäche einhergehen“, erläutert Prof. Gillissen. So hat man festgestellt, dass die Bronchien im frühen Erkrankungsstadium von potenziell pathogenen Mikroorganismen besiedelt werden, wobei gleichzeitig die Artenvielfalt der bakteriellen Lungenflora abnimmt, was ein zusätzliches Zeichen für den Verlust einer intakten ImmunabwehrImmunabwehr
Das körpereigene Abwehrsystem besteht aus drei Funktionskreisen:
(1) Knochenmark als Bildungsort für Immunzellen.
(2) Verschiedene zentrale Immunorgane wie Thymus (Prägung von T-Lymphozyten) und darmnahe Lymphorgane (für die Prägung von B-Lymphozyten).
(3) Sekundäre Lymphorgane wie Milz, Lymphknoten und Mandeln (Tonsillen).
Man unterscheidet die so genannte humorale Abwehr (über die Körperflüssigkeiten mit darin enthaltenen Antikörpern und Faktoren aus dem so genannten Komplementsystem) und die zellvermittelte Abwehr (mit B- und T-Zellen, Makrophagen, Antigen-präsentierenden Zellen, Granulozyten u.a.).
ist. In der Folge können Infektionen mit Streptokokken, wie auch virale Infekte (z. B. mit RSV = respiratory syncytal virus) häufiger auftreten. Gleichzeitig entwickelt sich eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Tabakrauch und anderen Arten von Rauch. „Wer in diesem frühen COPD-Stadium weiterraucht, erleidet daher - selbst wenn er noch keine Beschwerden verspürt – bereits Gewebeschäden und Veränderungen, die auch bei der Entwicklung eines Lungenemphysems eintreten“, warnt Prof. Gillissen. Daher wäre es für die Betroffenen äußerst wichtig, auf das Tabakrauchen zu verzichten.

Rauchstopp ist die wichtigste Therapieintervention

Da es sich bei COPD um eine chronisch-fortschreitende Erkrankung handelt, ist die Tabakentwöhnung die wichtigste Therapieintervention, um die Krankheitsaktivität abzumildern und das Auftreten von Symptomen und Verschlechterungsschüben (Exazerbationen), die im Krankenhaus behandelt werden müssen, zu vermeiden bzw. hinauszuzögern. Denn jede eintretende Exazerbation erhöht das Progressionsrisiko, beschleunigt den Lungenfunktionsverlust und vermindert die Lebensqualität.  „Es gibt auch Medikamente, die das Fortschreiten der Erkrankung abbremsen können, aber der Rauchstopp ist am dringlichsten und ist auch die Voraussetzung für eine gute Wirksamkeit der Medikamente“, betont Prof. Gillissen. 

Einfache Lungendiffusionsmessung kann frühe COPD erkennen

Eine frühe COPD lässt sich bei einem gewöhnlichen Lungenfunktionstest (Lufu) nicht feststellen, da sie sich nicht unbedingt durch ein verringertes Lungenvolumen bemerkbar macht. Ob eine frühe COPD bereits vorliegt, kann nur durch eine Lungendiffusionsmessung erkannt werden, die Aussagen über die Sauerstoffversorgung des Patienten zulässt.

Hintergrund:
Bei der Lungendiffusionsmessung wird die Fähigkeit der Lunge zur Aufnahme von Sauerstoff aus der Atemluft (Diffusionskapazität) untersucht, die davon abhängig ist, wie gut der Sauerstoff aus der Atemluft in die Lunge und dann ins Blut übertritt (diffundiert) und damit von der diffusionswirksamen Gesamtoberfläche der Lungenbläschen (Alveolen) und Gefäße (Kapillaren). Dazu atmet der Patient eine Testluft ein, der eine bestimmte (gesundheitlich unbedenkliche) Menge von Kohlenmonoxid (CO)Kohlenmonoxid (CO)
CO ist ein Atemgift, da es eine mehr als 200-fach stärke Bindungsfähigkeit an das Sauerstofftransportmolekül Hämoglobin hat als Sauerstoff.
beigemischt wurde. Nach dem Einatmen enthält diese Testluft weniger Kohlenmonoxid als vorher. Da sich Kohlenmonoxid bei der Diffusion wie Sauerstoff verhält, kann man von der Kohlenmonoxid–Aufnahme analog auf die Sauerstoff-Aufnahme schließen. Die Untersuchung dauert nur wenige Minuten, die Ergebnisse stehen unmittelbar nach der Messung zur Verfügung. Beim gesunden, ruhenden Erwachsenen beträgt die Diffusionskapazität für Sauerstoff 15–20 ml/mmHg/Min, für CO2 150–250 ml/mmHg/Min.
Demgegenüber wird beim Lungenfunktionstest (Lufu) die sog. Einsekunden-Kapazität (Fev1Fev1
Das so genannte FEV1 (= forciertes expiratorisches Volumen in einer Sekunde) - das ist die Luftmenge, die der Patient mit aller Kraft und möglichst schnell innerhalb einer Sekunde ausatmen kann.
 
 
) bestimmt, also die maximale Luftmenge, die man nach dem Einatmen innerhalb von einer Sekunde ausatmen kann.

Autor: äin-red

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