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19.06.2019

Das Dampfen nikotinhaltiger E-Zigaretten beeinträchtigt die Selbstreinigung der Atemwege

Nikotinhaltige Liquids entziehen dem Schutzfilm in den Atemwegen Wasser und verringern die Schlagfrequenz der Flimmerhärchen, die eigentlich den Abtransport eingedrungener Schadstoffe bwerkstelligen sollen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie aus den USA, auf die die Lungenärzte der Deutschen Lungenstiftung hinweisen.

Der Konsum von E-Zigaretten, die Liquids mit Nikotin enthalten, hemmt einen wichtigen Selbstreinigungsmechanismus in den Bronchien - die sog. mukoziliäre Clearance. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie aus den USA (siehe American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine, Online-Veröffentlichung am 7.6.2019), auf die die Lungenärzte der Deutschen Lungenstiftung hinweisen. „Den Studienautoren zufolge entziehen nikotinhaltige Liquids dem Schutzfilm in den Atemwegen Wasser, so dass er weniger viskos und damit zäher und klebrig wird. Außerdem verlangsamt sich die Schlagfrequenz der Flimmerhärchen (Zilien), die eigentlich den Abtransport der potenziell in die Atemwege eingedrungenen Staubteilchen, Schadstoffe und Krankheitserreger wie auf einem Förderband in Richtung Rachen bewerkstelligen sollen“, berichtet Prof. Dr. Stefan Andreas, Beiratsmitglied der Deutschen Lungenstiftung, Facharzt für PneumologiePneumologie
Die Atemwegs- und Lungenheilkunde (Pneumologie) ist ein Teilgebiet der Inneren Medizin, das sich mit der Vorbeugung, Erkennung und fachärztlichen Behandlung von Krankheiten der Lunge, der Bronchien, des Mediastinums (Mittelfell) und der Pleura (Rippen- und Lungenfell) befasst.
, Innere Medizin und Internistische Intensivmedizin und Leiter der Lungenfachklinik Immenhausen (Kreis Kassel) sowie des Bereiches Pneumologie (F&L) an der Universitätsmedizin Göttingen.

Mangelhafte Clearance macht anfällig

Eine Fehlfunktion der Selbstreinigung in den Bronchien (mukoziliäre Clearancemukoziliäre Clearance
Darunter versteht man die Selbstreinigung der Bronchien, wobei der Begriff lateinischen und englischen Ursprungs ist (lat. mukus = Schleim, cilia = Flimmerhaar; engl.: clearance: Beseitigung, Klärung). Die Schleimbildung in den Bronchien dient der Lösung von Fremdpartikeln und als Medium zum Abtransport. Die Flimmerhäärchen (Zilien) sind mikroskopisch feine Fortsätze von Zellen in der Wand der Bronchien (Bronchialepithelzellen), die diesen Schleim mit den darin gelösten Partikeln in Richtung Mund transportieren, wobei er aus den größeren Bronchien und der Luftröhre abgehustet werden kann.
)
ist auch das Kennzeichen einiger Lungenerkrankungen wie z. B. COPD, Asthma und MukoviszidoseMukoviszidose
Bei der Erbkrankheit Mukosviszidose, an der in Deutschland rund 8.000 Menschen leiden, führt ein fehlerhaftes Gen dazu, dass der Salz- und Wassertransport der Schleimhäute in Lunge, Darm und anderen Organen verändert ist und dadurch ein abnormal zähflüssiger Schleim in Lunge, Bauchspeicheldrüse und Dünndarm gebildet wird, der die Bronchien und Verdauungswege verstopft. Atemnot, chronischer Husten, aber auch eine gestörte Verdauung und Infektanfälligkeit sind die Folgen. 
 
. „Eine mangelhafte Selbstreinigung macht die Lungen anfälliger für Schadstoffwirkungen und Infektionen“, erläutert Prof. Andreas. So lässt sich bei jungen E-Zigaretten-Konsumenten, die bisher keine Tabakzigaretten geraucht haben, beobachten, dass sie - ähnlich wie Tabakraucher - ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer chronischen Bronchitis haben. Bei regelmäßiger Schadstoffexposition produzieren die Schleim produzierenden Becherzellen in der Atemwegschleimhaut zur Schadstoffabwehr immer mehr Schleim, während die Flimmerhärchen zunehmend ausfallen, sodass der Schleim mit den Schadstoffen nicht mehr abtransportiert werden kann. Letztendlich versucht der Organismus sich dann der Schadstoffe durch vermehrtes Husten zu entledigen. Aus einer chronischen Bronchitis kann sich allerdings im Lauf der Zeit auch eine COPD entwickeln, die nicht mehr umkehrbar und mit einem erhöhten Lungenkrebsrisiko verbunden ist. „Ex-Zigarettenraucher, die auf die vermeintlich gesünderen E-Zigaretten umgestiegen sind, verhindern durch das Dampfen die Selbstreinigung ihrer Atemwege und damit die Regeneration ihrer geschädigten Lungen. Auch das durch die in den Lungen verbleibenden Schadstoffe zusätzlich erhöhte Krankheitsrisiko dürfte sich bei E-Zigarettendampfern nicht wesentlich senken lassen. Demgegenüber stehen nachweislich effektivere Methoden zur Verfügung, um sich das Rauchen abzugewöhnen, wie spezielle Tabakentwöhnungsprogramme mit einer Kombination aus psychologischen, ärztlichen und medikamentösen Maßnahmen“, betont Prof. Andreas.

Von wegen sicher und sauber!

Dampfen ist also keine sichere und saubere Alternativmethode zum Rauchen von Zigaretten, wie oft vermeintlich behauptet wird. Darauf weist auch eine weitere aktuelle Studie hin, die nachgewiesen hat, dass einige der in den Liquids enthaltenen Aromastoffen den Blutgefäßen direkt schaden und die Gefäßneubildung wie auch die Wundheilung beeinträchtigen (siehe Journal of the American College of Cardiology, Online-Veröffentlichung im Juni 2019). „Besonders schädlich sollen die künstlichen Aromen Zimt, Menthol, Karamell und Vanille in E-Zigarettenliquids sein“, warnt Prof. Andreas. Im letzten Jahr schon hatte eine andere Studie nachgewiesen, dass durch das Dampfen erhebliche Mengen an Krebs erregenden Stoffen wie z. B. Formaldehyd in die Lungen aufgenommen werden und dann auch dort verbleiben (siehe Toxics 2018, Band 6/3, Seite: 46). Die durchschnittliche Konzentration von Aldehyden im Atem ist laut der Studie nach dem Dampfen etwa zehneinhalb Mal höher als vor dem Dampfen. Zudem ist die Konzentration von Formaldehyd in der Atemluft nach dem Verdampfen um ein Hundertfaches niedriger als in direktem E-Zigaretten-Dampf. „Beides deutet daraufhin, dass beim Dampfen erhebliche Mengen an Karzinogenen in die Atemwege gelangen und auch dort absorbiert werden“, erklärt Prof. Andreas.

Quelle: äin-red

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