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26.08.2008

Cortison - Teufelszeug oder Lebensretter?

Hat CortisonCortison
Dies ist ein Hormon, das der Körper in der Nebenniere auch selber herstellt. Es wird vor allem in Stresssituationen gebildet, reguliert aber auch das Immunsystem und kann überschießende Entzündungsreaktionen abschwächen. Cortison bewirkt ein Abschwellen der Bronchialschleimhaut, verringert die Schleimproduktion, hemmt die allergische Reaktion und vermindert die Überempfindlichkeit (Hyperreagibilität) der Bronchien. Während Cortisontabletten in Abhängigkeit von der Dauer der Einnahme und der Dosis schwere Nebenwirkungen haben können, ist die Inhalation moderner Cortisonsprays auch in der Langzeitanwendung unproblematisch, auch wenn immer wieder in den Medien das Gegenteil behauptet wird.
nur böse Nebenwirkungen oder bietet es im Vergleich zu anderen Medikamenten auch entscheidende Vorteile? Das können Betroffene und Interessierte im September auf dem Patientenkongress „Symposium Lunge 2008“ in Hattingen erfahren.

Über die zahlreichen Nebenwirkungen von Cortison, das gespritzt oder in Tablettenform eingenommen werden muss, hat wohl jeder schon mal etwas gehört. Dazu gehören das so genannte Cushing-Syndrom mit Vollmondgesicht aufgrund von Fettverteilungsstörungen (mit überwiegender Fettverlagerung ins Gesicht, den Nacken und den Rumpf sowie Fettverlusten an den Gliedmaßen), die mögliche Entwicklung einer Impotenz, die Verstärkung einer bereits bestehenden Zuckerkrankheit, Knochenerweichung (Osteoporose), Augenerkrankungen und vieles mehr. Insofern mag man sich als Patient fragen, ob Cortison heutzutage überhaupt noch mit ruhigem Gewissen verordnet werden kann? Und ob es nicht vielleicht bessere, entzündungshemmende Medikamente gibt?

Auf diese Fragen wird Prof. Adrian Gillissen, Direktor der Robert-Koch-Klinik und des Thoraxzentrums am Klinikum St.Georg in Leipzig, auf dem Symposium Lunge 2008 am 13. September 2008 in Hattingen näher eingehen. In seinem Vortrag von 13:30 Uhr bis 13:50 Uhr zum Thema „Cortison – Teufelszeug oder Wundermedizin?“ wird Gillissen darauf hinweisen, dass das Ausmaß der Nebenwirkungen entscheidend davon abhängig ist, in welcher Form das Cortison eingenommen wird, für welche Dauer und in welcher Menge. So treten bei lokaler Cortisonanwendung – in Form von Hautcremes oder durch Inhalation – deutlich weniger Nebenwirkungen auf. Gillissen wird auch Ratschläge geben, wie sich Nebenwirkungen wie Heiserkeit und Pilzbefall im Mund als Folgen des Inhalierens gut verhindern lassen.

Ein entscheidender Nachteil der zur Verfügung stehenden Alternativmedikamente ist, dass sie entweder schwächer wirksam sind als Cortison oder sogar noch schlimmere Nebenwirkungen haben. Die gute und auf vielen Ebenen eingreifende Wirksamkeit von Cortison ist nach wie vor unübertroffen. Cortison vermag bei einem allergischen Schock Menschenleben zu retten und Beschwerden bei vielen, ganz verschiedene Krankheiten effektiv zu lindern – wie z.B. Rheuma, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen oder auch bei Lungenerkrankungen, bei denen das Lungengewebe durch das eigene ImmunsystemImmunsystem
Das körpereigene Abwehrsystem besteht aus drei Funktionskreisen:
(1) Knochenmark als Bildungsort für Immunzellen.
(2) Verschiedene zentrale Immunorgane wie Thymus (Prägung von T-Lymphozyten) und darmnahe Lymphorgane (für die Prägung von B-Lymphozyten).
(3) Sekundäre Lymphorgane wie Milz, Lymphknoten und Mandeln (Tonsillen).
Man unterscheidet die so genannte humorale Abwehr (über die Körperflüssigkeiten mit darin enthaltenen Antikörpern und Faktoren aus dem so genannten Komplementsystem) und die zellvermittelte Abwehr (mit B- und T-Zellen, Makrophagen, Antigen-präsentierenden Zellen, Granulozyten u.a.).
angegriffen wird. Insgesamt konnte das Auftreten von Sterbefällen unter Asthmatikern und von Verschlimmerungen (Exazerbationen) bei COPD-Patienten durch die Inhalation von Cortison deutlich reduziert werden. Insofern muss der Einsatz von Cortison immer im Hinblick auf die vorliegende Erkrankung, die erzielbare Wirksamkeit und den Nutzen für den Patienten, aber auch hinsichtlich möglicher Schäden abgewogen werden.

Welche weiteren Themen auf dem Symposium Lunge 2008 in Vorträgen behandelt werden und wie der Programmablauf der Veranstaltung im Einzelnen ausschaut, können Sie unter anderem im Internet auf der Website des Initiators und Leiters der „Selbsthilfegruppe & Mailingliste Lungenemphysem COPD Deutschland“, Jens Lingemann, nachlesen unter: www.lungenemphysem-copd.com/pages/oeffentlich/pages/symposium-lunge-2008/programmheft/programm-symposium-2008.pdf