LUNGENÄRZTE

im Netz

In Zusammenarbeit mit:

Herausgeber:

06.05.2020

Coronavirus: Welche Lungenpatienten sind besonders gefährdet?

Angesichts der Corona-PandemiePandemie
Unter einer Pandemie versteht man eine sich weit verbreitende und dabei ganze Länder oder Kontinente erfassende Krankheit.
Vermischen sich beispielsweise die Erbinformationen von zwei verschiedenen Influenza-Viren in einem Zwischenwirt (z.B. Schwein), tritt ein neuer Virus-Typ mit noch unbekannten Eigenschaften auf. Dieser so genannte Subtyp kann sich schnell ausbreiten, da die Menschen gegen diesen Erreger weder über natürliche noch infolge einer Schutzimpfung aufgebaute Antikörper verfügen. Der jährliche Grippe-Impfschutz erfasst zwar neue Varianten des Influenza-Virus (d.h. leichteVeränderungen in der Oberflächenstruktur), aber keine komplett neuartigen Subtypen. Bricht eine Pandemie aus, muss daher schnell ein Impfstoff gegen den neuen Subtyp entwickelt werden und/oder ein antiviral wirksames Medikament flächendeckend eingesetzt werden.
fühlen sich viele PatientInnen mit Lungenerkrankungen verunsichert. Wer von ihnen hat tatsächlich ein erhöhtes Risiko, schwer an der Atemwegskrankheit Covid-19 zu erkranken? Und welche speziellen Maßnahmen sollten Betroffene ergreifen?

Wer ist besonders gefährdet?

Zu den Corona-Risikopatienten zählen Menschen mit folgenden Lungenerkrankungen:

  • Chronisch-obstruktive Bronchitis mit/ohne Lungenemphysem (COPD)
  • Bronchiektasen
  • Mukoviszidose
  • Lungenkrebs – insbesondere, wenn diese aktuell eine Chemotherapie machen, welche das ImmunsystemImmunsystem
    Das körpereigene Abwehrsystem besteht aus drei Funktionskreisen:
    (1) Knochenmark als Bildungsort für Immunzellen.
    (2) Verschiedene zentrale Immunorgane wie Thymus (Prägung von T-Lymphozyten) und darmnahe Lymphorgane (für die Prägung von B-Lymphozyten).
    (3) Sekundäre Lymphorgane wie Milz, Lymphknoten und Mandeln (Tonsillen).
    Man unterscheidet die so genannte humorale Abwehr (über die Körperflüssigkeiten mit darin enthaltenen Antikörpern und Faktoren aus dem so genannten Komplementsystem) und die zellvermittelte Abwehr (mit B- und T-Zellen, Makrophagen, Antigen-präsentierenden Zellen, Granulozyten u.a.).
    zusätzlich schwächt.

Aber auch bei anderen gesundheitlichen Einschränkungen der Lunge, beispielsweise nach einer Lungentransplantation oder bei Tuberkulose, ist besondere Vorsicht geboten. Leichte Entwarnung geben Mediziner in Bezug auf Corona hingegen Menschen mit Asthma. Sofern sie gut therapiert und eingestellt sind, ist die Gefahr einer schweren Infektion – laut des Verbands Pneumologischer Kliniken (VPK) – nicht größer als bei Gesunden.

Warum ist das Coronavirus für Risikopatienten gefährlich?

Zunächst einmal ist wichtig: Patienten mit Lungenerkrankungen haben kein größeres Risiko, sich mit dem neuartigen Coronavirus anzustecken, als gesunde Menschen. Es ist jedoch wahrscheinlicher, dass sie nach einer SRAS-CoV-2-Infektion Symptome von Covid-19 zeigen und die Infektion schwer verläuft. Bei einem schweren Verlauf dringen die Coronaviren in die unteren Atemwege vor. Ist die Lungenschleimhaut bereits durch bestehende Erkrankungen geschwächt, können die Viren schlechter vom Immunsystem bekämpft werden. Es kann zu einer schweren oder sogar tödlichen Lungenentzündung kommen. Das muss aber nicht unbedingt sein. Es gibt bisher auch Fälle von Infizierten mit Lungenerkrankungen, welche überhaupt keine Covid-19-Symptome gezeigt haben oder wieder komplett gesund geworden sind.

Sollten Medikamente abgesetzt oder die Dosierung geändert werden?

Nein. Patienten mit Lungenerkrankungen wie Asthma, COPD u.a. sollten auf keinen Fall eigenmächtig ihre Therapie umstellen. Die Medikamente helfen dabei, die Lunge gesund zu halten. Werden sie einfach abgesetzt oder die Dosierung verändert, könnte das Risiko schwerwiegender Infektionen steigen. Das Gesundheitssystem ist aufgrund der vielen Corona-Patienten ohnehin überbelastet, weshalb es umso wichtiger ist, dass jeder möglichst gesund bleibt. Deshalb müssen die Medikamente auch weiterhin – wie vom Arzt verschrieben – eingenommen werden.

Was können Lungenerkrankte tun, um sich zu schützen?

Die Corona-Situation ist im ständigen Wandel. Deshalb ist es wichtig, sich an die aktuellen Anweisungen und Verordnungen der Gesundheitsbehörden zu halten. Diese haben die Entwicklungen stets im Blick und überarbeiten – in enger Zusammenarbeit mit Medizinexperten – auch stetig ihre Empfehlungen für Risikopatienten. Zudem gibt es einige Schutzmaßnahmen, welche grundsätzlich jeder befolgen sollte, um einer Infektion mit Corona vorzubeugen – für Menschen mit Lungenerkrankungen sind diese besonders wichtig. Es gelten folgende Empfehlungen:

  • Der Kontakt zu (möglicherweise) Erkrankten ist zu vermeiden.
  • Mund, Nase oder Augen sollten nicht mit ungewaschenen Händen berührt werden.
  • Es wird empfohlen, die Hände nach dem Berühren möglicherweise kontaminierter Oberflächen stets gründlich und mindestens 20 Sekunden lang mit Seife und warmen Wasser zu waschen.

Lungenerkrankte sollten während der Corona-Krise zudem weitmöglichst zuhause bleiben. Es gibt zwar kein Recht auf Homeoffice, viele Arbeitgeber ermöglichen diese Option aber dennoch. Auch das Einkaufen kann eventuell ein Nachbar oder Freund übernehmen. Kurze Spaziergänge oder Sport an der frischen Luft tun aber dennoch gut.

Ist es ratsam, Masken zu tragen?

Die Schutzwirkung von Masken ist umstritten. Die WHO empfiehlt das Tragen von Masken bisher nur gesunden Menschen, welche Kontakt zu möglicherweise infizierten Covid-19-Patienten haben – also vor allem medizinischem Fachpersonal. Ohnehin gelten nur sogenannte FFP3-Masken mit Filterfunktion als sicher. Sie sind jedoch momentan nur schwer zu bekommen und Mitarbeitern im Krankenhaus vorbehalten. Bei chirurgischen Masken ist die Schutzwirkung wesentlich geringer. Sie schützen weniger den Maskenträger selbst, sondern eher Kontaktpersonen.

Kontaktinfektion vermeiden: So überträgt Coronavirus sich über Oberflächen

Patienten, welche dennoch Masken tragen wollen, um eine Corona-Ansteckung zu vermeiden, sollten außerdem beachten, dass der Mund- und Nasenschutz das Atmen zusätzlich erschweren kann – das gilt vor allem für Menschen mit Asthma oder COPD, die an Atemnot leiden. Wer dennoch Schutzmasken gegen Viren verwenden möchte, sollte vor dem Aufsetzen gründlich die Hände reinigen und darauf achten, dass diese eng anliegt. Es dürfen keine Lücken zwischen Gesicht und Maske bleiben. Bitte außerdem darauf achten, nicht mit undesinfizierten Händen ins Gesicht zu fassen.

Ist eine Pneumokokken-Impfung sinnvoll?

Die Pneumokokken-Impfung schützt nicht vor Covid-19, aber wenn eine Viruserkrankung vorliegt, kann es jederzeit zusätzlich zu einer bakteriellen Lungenentzündung kommen. Die Impfungen sind derzeit in Deutschland nur eingeschränkt verfügbar. Personen mit einer chronischen Atemwegsinfektion (wie Asthma oder COPD) haben aber eine höhere Priorität geimpft zu werden. Wichtig: Risikopatienten sollten vor der Impfung telefonisch Kontakt zu ihrem Hausarzt aufnehmen. Zum einen, um sicher zu stellen, dass der Impfstoff beim Arzt auch verfügbar ist. Und zum anderen, damit die Abläufe bei Aufnahme in der Praxis besprochen werden können. So lässt sich vor Ort eine Übertragung von SARS-CoV-2 möglichst vermeiden.

Quelle: Würzburgerleben.de vom 15.4.2020