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25.10.2021

COPD ist auch in jüngerem Alter keinesfalls harmlos

Jüngere COPD-Patienten in einem Alter von 35-55 Jahren müssen dreimal so häufig im Krankenhaus und doppelt so häufig in der Notfallambulanz behandelt werden wie Gleichaltrige ohne COPD und sie haben ein erheblich höheres (rund fünffach erhöhtes) Sterberisiko als Gleichaltrige ohne COPD. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie, auf die Experten der Deutschen Lungenstiftung anlässlich des Welt-COPD-Tags am 9. November hinweisen.

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Eine COPD – im Volksmund Raucherbronchitis genannt und medizinisch als chronisch-obstruktive Lungenerkrankung bezeichnet – ist auch in jüngeren Jahren keinesfalls harmlos. Davor warnen Experten der Deutschen Lungenstiftung anlässlich des Welt-COPD-Tags am 9. November. Einer aktuellen Studie zufolge, die Register mit knapp 200.000 Patienten aus Kanada ausgewertet hat und Anfang November auf der Jahreskonferenz der American Thoracic Society (ATS) vorgestellt wird, müssen jüngere COPD-Patienten in einem Alter von 35-55 Jahren dreimal so häufig im Krankenhaus und doppelt so häufig in der Notfallambulanz behandelt werden wie Gleichaltrige ohne COPD und sie haben ein erheblich höheres (rund fünffach erhöhtes) Sterberisiko als Gleichaltrige ohne COPD.

COPD trifft zunehmend häufiger auch jüngere Menschen

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO leiden weltweit rund 600 Millionen Menschen an einer chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung. In Europa ist COPD bereits die dritthäufigste Todesursache. Früher waren es überwiegend ältere Menschen über 65 Jahren mit zusätzlichen Begleiterkrankungen, die eine chronisch-obstruktive Bronchitis oder ein Lungenemphysem diagnostiziert bekamen. „Heutzutage trifft die COPD aber längst nicht mehr nur Raucher ab 50 Jahren, sondern zunehmend auch Raucherinnen und Raucher in jüngerem Alter mit 30-40 Jahren, was auf die veränderten Rauchgewohnheiten beider Geschlechter zurückzuführen ist. Außerdem bleiben viele Ex-Raucher und vereinzelt auch Passivraucher nicht von COPD verschont“, berichtet Prof. Dr. med. Christian Taube, Stellv. Vorsitzender der Deutschen Lungenstiftung und Direktor der Klinik für PneumologiePneumologie
Die Atemwegs- und Lungenheilkunde (Pneumologie) ist ein Teilgebiet der Inneren Medizin, das sich mit der Vorbeugung, Erkennung und fachärztlichen Behandlung von Krankheiten der Lunge, der Bronchien, des Mediastinums (Mittelfell) und der Pleura (Rippen- und Lungenfell) befasst.
an der Universitätsmedizin Essen – Ruhrlandklinik, Essen.

Wird oft nicht als eine ernsthafte Bedrohung angesehen

Eine frühe Erkennung der Erkrankung ist eher selten, zumal jüngere Patienten noch keine Begleiterkrankungen haben und somit meist weitgehend gesund erscheinen. Zudem sind anfänglich auftretende Beschwerden einer COPD – wie Atemnot, Husten und Auswurf (sog. AHA-Symptomatik) – oft nur mild ausgeprägt. Darüber hinaus wird eine COPD-Erkrankung, falls sie dennoch in jüngerem Alter diagnostiziert werden sollte, meist nicht als eine ernsthafte Bedrohung angesehen. „Das ist allerdings fatal, da COPD eine chronisch fortschreitende Erkrankung ist, die so früh wie möglich behandelt werden sollte, um dieses leider irreversible Voranschreiten zumindest abzubremsen“, warnt Prof. Taube.

Bei Nicht-Behandlung droht Atemnot auch schon in Ruhestellung

Bei Nicht-Behandlung einer chronisch-obstruktiven Bronchitis droht zunehmende Atemnot, zunächst nur bei Belastung, später auch in Ruhestellung. Aufgrund der ständigen Entzündungen in den Atemwegen kommt es zu einer fortschreitenden Zerstörung vor allem der kleinen Bronchialäste und der Lungenbläschen mit Entwicklung eines Lungenemphysems. Akute Infektionen der Atemwege können dann lebensgefährdend werden. Mit der Zeit entwickelt sich aufgrund des erhöhten Atemwiderstands zusätzlich ein Lungenhochdruck (pulmonale Hypertoniepulmonale Hypertonie
Typisch für das Fortschreiten dieser Erkrankung ist, dass die verschiedenen Zellarten in den Wänden der Lungengefäße zu wuchern beginnen und so die Blutgefäße verengen - ein Vorgang, den die Wissenschaftler Remodeling (struktureller Umbau) nennen. In der Folge muss die rechte Herzkammer das Blut gegen den zunehmenden Widerstand der enger werdenden Gefäße in die Lunge pumpen, was wiederum zu Umbauprozessen des Herzmuskels und schließlich zum Versagen des Herzens führt.
 
), der mit einer Erhöhung des Gefäßwiderstands einhergeht, was dann auch das Herz beeinträchtigt: Es entwickelt sich eine Überbelastung des rechten Herzens (Cor pulmonaleCor pulmonale
Der Begriff stammt aus dem Lateinischen (cor = Herz, pulmo = Lunge). Ein Cor pulmonale entwickelt sich auf Grund einer dauerhaften Erhöhung des Blutdrucks im Lungenkreislauf. Ursache sind chronische Lungenerkrankungen (zum Beispiel Lungenfibrose, Lungenemphysem, COPD). Um den Blutkreislauf dennoch aufrechtzuerhalten, muss das Herz folglich einen noch höheren Druck aufbauen. Dies führt zunächst kompensatorisch zu einer Stärkung der Muskulatur der rechten Herzkammer. In fortgeschrittenen Stadien kann die erforderliche Pumpleistung allerdings nicht mehr ausgeglichen werden, so dass sich eine verminderte Herzleistung (Rechtsherzinsuffizienz) als Ausdruck eines Cor pulmonale einstellt.
), in dessen Folge HerzrhythmusstörungenHerzrhythmusstörungen
Störungen der Herzschlagfolge als Ausdruck einer Störung oder bleibenden Schädigung im Bereich des Reizleitungssystems des Herzens. 
und Wassereinlagerungen auftreten können. Als Spätfolge kann die Atemmuskulatur aufgrund der zunehmenden Behinderung des Atemflusses chronisch überbeansprucht werden und so ermüden, dass der Patient beatmet werden muss.

Atemnot, Husten und Auswurf sind Alarmzeichen

Nur mit einem sofortigen Rauchstopp, bestimmten Medikamenten und Lungensport lässt sich die Erkrankung aufhalten und so gut wie möglich in Schach halten. Den Tabakkonsum lediglich zu reduzieren, bringt hingegen nichts, zumal auch schon wenige Zigaretten am Tag ein Fortschreiten der Erkrankung vorantreiben können. Wer raucht oder geraucht hat und unter den Alarmzeichen Atemnot, Husten und/oder Auswurf leidet, sollte zum Lungenfacharzt gehen und einen Lungenfunktionstest machen. „Mit diesem einfachen Test lässt sich feststellen, wie weit die Lungenfunktion beeinträchtigt ist und ob sich bereits eine COPD entwickelt hat. Das ist wichtig, denn je früher eine COPD erkannt wird, umso eher können wir helfen“, betont Prof. Taube.

Quelle: Excess Healthcare Utilization and Mortality in Younger Adults with COPD Compared to Those Without COPD (Abstract A1131 auf der Tagung der American Thoracic Society (ATS) im November 2021)

Autor: äin-red

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