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28.09.2005

Chronische Entzündungen bei COPD bald besser behandelbar

Ein neuer Arzneimittelwirkstoff zur Behandlung von COPD ist vielversprechend: Roflumilast wirkt entzündungshemmend, verbessert die LungenfunktionLungenfunktion
, verringert das Auftreten von Verschlechterungsschüben und wird recht gut vertragen....

Zur Unterdrückung der Entzündungsvorgänge bei COPD haben sich die bisher verfügbaren Medikamente aus der Gruppe der CorticosteroideCorticosteroide
Dies ist ein Hormon, das der Körper in der Nebenniere auch selber herstellt. Es wird vor allem in Stresssituationen gebildet, reguliert aber auch das Immunsystem und kann überschießende Entzündungsreaktionen abschwächen. Cortison bewirkt ein Abschwellen der Bronchialschleimhaut, verringert die Schleimproduktion, hemmt die allergische Reaktion und vermindert die Überempfindlichkeit (Hyperreagibilität) der Bronchien. Während Cortisontabletten in Abhängigkeit von der Dauer der Einnahme und der Dosis schwere Nebenwirkungen haben können, ist die Inhalation moderner Cortisonsprays auch in der Langzeitanwendung unproblematisch, auch wenn immer wieder in den Medien das Gegenteil behauptet wird.
als nicht besonders wirksam erwiesen. Demgegenüber führt ein neuer Wirkstoff namens Roflumilast, der sich zur Zeit noch im Zulassungsverfahren der EU-Zulassungsbehörde EMEA befindet, zu einer deutlichen Verbesserung der Lungenfunktion und zu einer Eindämmung der Verschlechterungsschübe bei COPD-Patienten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Forschergruppe des University Medical Centers im niederländischen Leiden, die den neuen Arzneistoff über sechs Monate an knapp 1800 COPD-Patienten in zwei verschiedene Dosen erprobt hat.

Erfüllt ein logisch-strategisches Behandlungskonzept
Roflumilast gehört zur Gruppe der so genannten Phosphodieseterase-Hemmer (PDE4-Hemmer) und bewirkt eine Anreicherung des antientzündlichen Botenstoffes cAMP, der die Bildung von Entzündungsvermittlern hemmt. Auf diese Weise können chronisch entzündliche Prozesse, wie sie bei COPD auftreten, abgebremst werden. Wie regelmäßige Messungen der Lungenfunktion ergaben, konnte mit Roflumilast ein Anstieg der so genannten EinsekundenkapazitätEinsekundenkapazität
Beim Lungenfunktionstest pustet der Patient über ein Mundstück in ein Gerät namens Spirometer, das die Menge der ausgeatmeten Luft (Volumen) misst. Hier interessiert vor allem der Wert der so genannten Einsekundenkapazität (FEV1 = forciertes expiratorisches Volumen in einer Sekunde). Je stärker die Bronchien verengt sind, umso weniger Luft kann der Betroffene in einer Sekunde ausatmen. 
(„Sekundenluft“ bzw. FEV1FEV1
Das so genannte FEV1 (= forciertes expiratorisches Volumen in einer Sekunde) - das ist die Luftmenge, die der Patient mit aller Kraft und möglichst schnell innerhalb einer Sekunde ausatmen kann.
 
 
) um bis zu 100 ml erreicht werden, während diese bei Patienten, die ein Scheinmedikament erhielten, fortschreitend schlechter wurde. Außerdem traten insbesondere unter der höheren Dosierung mit Roflumilast seltener Verschlechterungsschübe (Exazerbationen) auf.

Das Medikament wurde im Allgemeinen gut vertragen, wobei manche Patienten Kopfschmerzen, Durchfall oder Übelkeit als Nebenwirkung meldeten. Diese Beschwerden waren aber milde ausgeprägt und meist von vorübergehender Natur. Insgesamt ist der neue Arzneistoff sehr vielversprechend, da er sowohl Bronchien erweiternd als auch entzündungshemmend wirkt und damit ein logisch-strategisches Behandlungskonzept bei COPD erfüllt.

Quellen:
www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140673605671000/abstract
www.aerztezeitung.de/docs/2004/03/15/048a1403.asp