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19.08.2016

Bei zu schnellem Aufstieg im Hochgebirge droht die Höhenkrankheit

Auch gut trainierte Bergsteiger können höhenkrank werden und sollten daher auf Hochtouren unbedingt die empfohlenen Ruhezeiten einhalten. Darauf weisen die Lungenärzte der Deutschen Gesellschaft für PneumologiePneumologie
Die Atemwegs- und Lungenheilkunde (Pneumologie) ist ein Teilgebiet der Inneren Medizin, das sich mit der Vorbeugung, Erkennung und fachärztlichen Behandlung von Krankheiten der Lunge, der Bronchien, des Mediastinums (Mittelfell) und der Pleura (Rippen- und Lungenfell) befasst.
und Beatmungsmedizin (DGP) hin. „Die HöhenkrankheitHöhenkrankheit
Sieben Prozent aller Bergsteiger erleiden ab rund 4.500 Meter ein Höhenlungenödem, da in zunehmender Höhe der Luftdruck sinkt und dadurch weniger Sauerstoff in der Atemluft enthalten ist. Die roten Blutkörperchen (bzw. das im Blut enthaltene Transportmolekül  Hämoglobin) können den Körper dann nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgen. Symptome der akuten Bergkrankheit wie Kopfschmerz, Übelkeit und Schwindel sind Ausdruck des Sauerstoffmangels im Gehirn. Außerdem ziehen sich unter Sauerstoffmangel die Blutgefässe der Lunge zusammen. Dadurch kommt es zum Austritt von Flüssigkeit in die Lungenbläschen und damit zu einem Lungenödem, was tödliche Folgen haben kann.
 
 
ist meistens auf einen zu schnellen Aufstieg in große Höhen und eine mangelnde Höhenanpassung zurückzuführen“, warnt Prof. Dr. med. Berthold Jany, Präsident der DGP und Chefarzt der Abteilung Innere Medizin der Missionsärztlichen Klinik in Würzburg. In zunehmender Höhe sinkt der Luftdruck, daher ist in der Atemluft weniger Sauerstoff enthalten. Um den Bedarf an Sauerstoff auszugleichen, bildet der Körper mehr rote Blutkörperchen mit Sauerstoff beladenem HämoglobinHämoglobin
Ein eisenhaltiges Transportprotein, an das 4 molekulare Sauerstoffteilchen (O2) binden können.
 
, - aber das braucht seine Zeit. „Deshalb sollten Bergsteiger ab 2500 Metern, die als Schwellenhöhe für das Auftreten der akuten Bergkrankheit gelten, täglich nicht mehr als 300 bis 500 Meter erklimmen. Und Bergsteiger, die eine Höhe von 3000 bis 4000 Meter anstreben, sollten am besten eine ein- bis zwei tägige Pause einlegen, um sich zu akklimatisieren und an die dünnere Luft zu gewöhnen. Sonst können Kopfschmerzen, Erbrechen, Bewusstseins- und Gleichgewichtsstörungen auftreten. Solche, durch höhebedingten Sauerstoffmangel ausgelösten Beschwerden können jeden treffen - auch junge Sportler, die sich häufig nur auf ihre Fitness verlassen. Wegen der wachsenden Zahl an Blutkörperchen wird das Blut zudem dichter und verdickt. Deshalb sollte man in dünner Höhenluft immer viel trinken, sonst drohen Thrombosen oder gar eine Lungenembolie“, rät Prof. Jany.

Wer Warnzeichen ignoriert, riskiert ein Lungen- oder Hirnödem
Wird trotz Anzeichen von Höhenkrankheit weiter in höhere Lagen aufgestiegen, verstärken sich die Symptome. „In schweren Fällen droht ein Lungenödem, da sich unter Sauerstoffmangel die Blutgefäße der Lunge zusammenziehen, so dass es zum Austritt von Flüssigkeit in die Lungenbläschen kommt“, erklärt Prof. Jany. Kennzeichen eines Lungenödems sind plötzlicher Leistungsabfall, Atemnot, erhöhte Atemfrequenz, Herzrasen und ein trockener Husten, der später von blauschaumigem Auswurf begleitet wird. „Darüber hinaus kann der Sauerstoffmangel in großer Höhe auch zu einem Hirnödem führen, da der Druck im Gehirn ansteigt. Dies kann innerhalb von 24 Stunden zu Koma und Tod führen“, warnt Prof. Jany.

Absteigen lindert die Beschwerden
Bei ersten Anzeichen der Höhenkrankheit wie Unwohlsein, leichten Kopfschmerzen und Übelkeit sollten Betroffene in niedrigere Höhen absteigen, dort die Symptome abklingen lassen und sich ausruhen. Unter Umständen können sie dann wieder versuchen, weiter aufzusteigen. Werden allerdings die Beschwerden auch nach einer Nacht Pause nicht besser, ist ein zügiger Abstieg auf Höhen unter 2.500 Metern erforderlich. „Auf keinen Fall sollten Bergsteiger Warnzeichen ignorieren oder mithilfe von Medikamenten behandeln, um den Aufstieg fortzusetzen“, betont Prof. Jany.

Quelle: äin-red

Dies ist eine Pressemeldung der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP). Der Abdruck dieser Pressemeldung oder von Teilen des Artikels ist unter folgender Quellenangabe möglich: www.lungenaerzte-im-netz.de. Bei Veröffentlichung in Online-Medien muss die Quellenangabe auf diese Startseite oder auf eine Unterseite des Patienteninformationsportals der Lungenärzte-im-Netz verlinken.