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26.10.2005

Bei Rauchern können Vitaminpräparate das Krebsrisiko auch erhöhen

Eigentlich sagt man Vitaminen nach, dass sie gesund seien und vor Krebs schützen können. Für Nicht-Raucherinnen scheint das auch Gültigkeit zu haben. Raucherinnen hingegen sollten keine Nahrungsergänzungsmittel oder Vitaminpräparate mit Beta-CarotinBeta-Carotin
Betacarotin wird auch Provitamin A genannt, da der Körper aus Betacarotin Vitamin A bilden kann, das vor allem für den Sehvorgang, das Gewebewachstum und die Abwehr von Krankheitserregern gebraucht wird. Obst und Gemüse sind die wichtigsten natürlichen Quellen des Betacarotins, da es als Pflanzenfarbstoff zum Schutz vor den schädigenden Auswirkungen des Sonnenlichts in vielen Pflanzen enthalten ist.
einnehmen, da diese ihr Krebsrisiko nicht zu senken scheinen, sondern sogar verdoppeln können.

Vitamine haben den guten Ruf, vor Krebs zu schützen. Tatsächlich können Nicht-Raucherinnen ihr Risiko, an Tabak bedingtem Krebs (zum Beispiel durch Passivrauchen ) zu erkranken, mit hoch-dosierten Beta-Carotin-Vitamin-Präparaten deutlich senken. Wer aber raucht und gleichzeitig große Mengen an Beta-Carotin in Form von Präparaten oder Nahrungsergänzungsmitteln einnimmt, läuft Gefahr, sein Krebsrisiko sogar zu steigern. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Dr. Marie-Christine Boutron-Ruault vom INSERM-Institut in Villejuif, Frankreich, die kürzlich im Journal of the National Cancer Institute veröffentlicht wurde.

An der Untersuchung nahmen knapp 60.000 Frauen teil. Die einzunehmenden Vitaminpräparat-Mengen an Beta-Carotin wurden als „gering“, „mittel“ und „hoch“ eingestuft. 700 der Studienteilnehmerinnen erkrankten innerhalb der Beobachtungszeit von rund sieben Jahren an Tabak bedingtem Krebs. Nicht-Raucherinnen konnten wie erwartet ihr Krebsrisiko senken, und zwar um 28% durch die Einnahme von mittleren Vitaminpräparat-Mengen und um 56% durch hochdosierte Mengen. Demgegenüber war bei Raucherinnen genau der entgegengesetzte Effekt zu beobachten: Sie erhöhten ihr Risiko, an Tabak bedingtem Krebs zu erkranken, um 43%, wenn sie mittlere Mengen an Beta-Carotin zu sich nahmen und verdoppelten es sogar, wenn sie hochdosierte Vitaminersatzpräparate einnahmen.

Rauchern ist von Vitamin-Präparaten abzuraten
Diese völlig gegensätzliche Auswirkung von Beta-Carotin auf das Krebsrisiko bei Raucherinnen und Nicht-Raucherinnen sei schon sehr überraschend gewesen, kommentiert Boutron-Ruault das Ergebnis ihrer Untersuchung. Aktiven Rauchern und Ex-Rauchern würde sie jedenfalls davon abraten, Beta-Carotin-Vitaminpräparate einzunehmen. Was die Ernährung mit Beta-Carotin-reichen Lebensmitteln wie Spinat, Karotten oder Fenchel angeht, könne sie allerdings keine Aussage machen, da diese Nahrungsmittel weitere Vitamine enthalten, die das negative Zusammenwirken von Beta-Carotin und NikotinNikotin
Mehrere Gründe sprechen dafür, dass die abhängigkeitserzeugende Substanz in Zigaretten das Nikotin ist:
  * Nikotin dringt ins zentrale Nervensystem (ZNS) ein und ist psychoaktiv.
  * Die physiologischen Effekte von Rauchen und gespritztem Nikotin sind identisch.
  * Nikotin funktioniert als „positiver Verstärker". Menschen (und auch Tiere) fügen sich in Experimenten eigenständig Nikotin zu.
  * Das Ablassen vom Suchtstoff (Tabak-Abstinenz) fällt leichter, wenn Nikotin medikamentös zugeführt (substituiert, also ersetzt) wird.
  * Raucher neigen dazu, ihr Rauchverhalten an die verschiedenen Nikotingehalte von Tabakerzeugnissen anzupassen
bzw. anderen Tabakinhaltsstoffen auch wieder aufheben könnten. Um die bisherigen Ergebnisse in einem größeren Rahmen bestätigen zu können, beabsichtigen Boutron-Ruault und ihre Kollegen eine umfassendere Folgestudie an Männern und Frauen durchzuführen, bei der auch eine feiner abgestimmte Variationsbreite von Vitamin- und Tabakmengen berücksichtigt werden soll.

Quelle: Journal of the National Cancer Institute 97: 1338-1344 (2005)