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03.03.2011

Behandlung bei COPD mit Blick in die Zukunft

Welche medizinischen Möglichkeiten aktuell zur Behandlung der COPD und des Emphysems zur Verfügung stehen, wird Prof. Dr. med. Adrian Gillissen von der Klinik für Lungen- und Bronchialmedizin am Klinikum Kassel auf dem Symposium Lunge 2011 am 7.5.2011 in Hattingen näher erläutern.

Die wichtigste therapeutische Maßnahme bei der COPD ist die Vermeidung des krankmachenden Auslösers. In der Regel heißt das, nicht mehr zu rauchen. Alle medikamentösen Ansätze wirken schlechter als ein Rauchstopp! Bronchialerweiternde Medikamente - die so genannten langwirksamen ß2-Mimetika, Tiotropiumbromid und TheophyllinTheophyllin
Dieser Wirkstoff entspannt die Bronchialmuskulatur, wirkt aber nur mäßig bronchienerweiternd. Andererseits hat er auch entzündungshemmende und abwehrdämpfende Effekte (schwächt die asthmatische Spätreaktion ab) und schützt die Bronchien vor Reizen, die zu einer Verkrampfung führen.
- bilden die Basis der medikamentösen Langzeittherapie. Bei einer akuten Zunahme der Luftnot stehen so genannte kurzwirksame Medikamente zur Verfügung. Evtl. können die Medikamente langfristig auch kombiniert eingesetzt werden.

Wenn gehäuft starke Verschlechterungen der gesundheitlichen Verfassung (so genannte Exazerbationen) auftreten, kann zusätzlich zu einem bronchialerweiternden Medikament auch ein inhalierbares Kortison verordnet werden. Von einer dauerhaften Gabe von Kortisontabletten wird – von Ausnahmen abgesehen - wegen des fehlenden Wirksamkeitsnachweises abgeraten. Ergänzt werden die therapeutischen Möglichkeiten durch die Gabe von Sauerstoff, sofern eine Sauerstoffunterversorgung vorliegt. Zudem sollte eine medikamentöse Therapie durch Rehabilitation, Lungensport, Ernährungsoptimierung sowie Physio- inkl. Atemtherapie flankiert werden.

Therapieziele
Die Therapie soll das Fortschreiten der Krankheit und die Symptome verringern, die Mobilität und die Lebensqualität steigern sowie Komplikationen und Exazerbationen vermeiden helfen. Inwieweit dies gelingt, ist abhängig vom Schweregrad der Erkrankung.

Therapieempfehlungen in Abhängigkeit vom Erkrankungsstadium
Die COPD wird in Abhängigkeit von der Einschränkung der Lungenfunktion definiert und mit den folgenden Medikamenten behandelt:
1) Stufe I: Patienten mit einer milden Erkrankung werden nur inhalativ mit einem bedarfsweise anzuwendenden kurzwirksamen Bronchodilatator therapiert.
2) Stufe II: Mittelschwer erkrankte Patienten werden mit einem oder mehreren BronchodilatatorenBronchodilatatoren
Diese Medikamente erweitern die Bronchien.
 
 
behandelt. In Bezug auf die Lungenfunktionsverbesserung sind ß2-Mimetika und Tiotropium-/Ipratropiumbromid wirkungsäquivalent. Die Kombination beider Medikamentengruppen führt zu einer größeren Verbesserung der LungenfunktionLungenfunktion
. Theophyllin ist wegen der vielen Nebenwirkungen (s.u.) Medikament der letzten Wahl.
3) Stufe III: Die Patienten sind deutlich eingeschränkt und werden ergänzend zur Dauertherapie der Stufe II mit einem inhalativen Kortisonpräparat behandelt, sofern eine erhöhte Exazerbationsrate vorliegt. Ein solches Präparat eignet sich gut als Kombinationspartner mit einem Bronchodilatator.
4) Stufe IV: Mit der Stufe III sind die pharmakologischen Möglichkeiten weitgehend ausgeschöpft. Es bleiben daher nur noch unterstützende Therapiemaßnahmen. Bei einer Sauerstoffunterversorgung könnte evtl. eine Langzeit-Sauerstofftherapie (LOTLOT
Eine Sauerstofflangzeittherapie (LTOT - abgekürzt aus dem Englischen long time oxygen therapy) ist der Ansicht von Spezialisten zufolge nur dann angezeigt und sinnvoll, wenn bereits mehrmals eine Sauerstoffmessung (meist anhand einer Blutprobe aus dem Ohrläppchen) durchgeführt wurde und die Sauerstoffwerte dabei immer wieder zu niedrig ausgefallen sind. Dann allerdings muss die Anwendung des Naturstoffes Sauerstoff (O2) über einen längeren Zeitraum, evtl. sogar dauernd erfolgen. Eine kurzzeitige Anwendung für lediglich ein paar Minuten pro Tag, ist zwar im Allgemeinen nicht schädlich, medizinisch gesehen aber sinnlos.
 
 
) helfen. Evtl.
muss die Atmung zu Hause mit einem Maskenbeatmungsgerät unterstützt werden.

Unerwünschte Medikamentenwirkungen
Alle eingesetzten Medikamente haben dosisabhängig unerwünschte Nebenwirkungen. Tiotropium-/Ipratropiumbromid kann einen trockenen Mund verursachen. ß2-Mimetika führen bei einer Überdosierung zu einem schnellen Herzschlag, Theophyllin kann neben dem schnellen und/oder unregelmäßigen Herzschlag auch eine allgemeine Unruhe und/oder Händezittern verursachen. Inhalatives Kortison kann zu einem Pilzbefall im Mundrachenbereich und zu Heiserkeit führen. Als Tablette eingenommenes Kortison hat die meisten Nebenwirkungen, z.B. Stiernacken, Pergamenthaut, Osteoporose, Gewichtszunahme (durch Wassereinlagerung) und Hunger, Depression oder Verschlimmerung bzw. Ausbruch eines Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit).

Sonstige Medikamente
Nicht empfohlen sind wegen fehlendem Effektivitätsnachweis: nur beim Asthma bronchiale eingesetzte Medikamente, homöopathische Verfahren, Atemstimulanzien, AkupunkturAkupunktur
Der Begriff Akupunktur stammt aus dem Lateinischen (acus = Nadel; pungere = stechen) und bezeichnet eine Methode der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), bei der mit dünnen Nadeln in genau festgelegte Punkte der Körperoberfläche eingestochen wird. So sollen Krankheiten geheilt, Schmerzen gelindert oder das Wohlbefinden gesteigert werden. Die Behandlung wird bei uns häufig bei Schmerz- und Suchtpatienten eingesetzt. Bislang kann die Wirkungsweise der Akupunktur mit naturwissenschaftlichen Prinzipien nicht erklärt werden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat eine Indikationsliste mit etwa 100 Beschwerdebildern veröffentlicht, die sich für eine Akupunkturbehandlung eignen. 
und Immunmodulatoren (Bakterienextrakt). Bei einem Husten ohne Auswurf kann - bei einer gestörten Nachruhe - eine 2-3-wöchige Therapie mit einem Hustenblocker sinnvoll sein. Medikamente, die den Bronchialschleim verflüssigen sollen, sind in der Langzeittherapie nicht empfohlen.

Medikamente im Notfall
Die akute, häufig infektbedingte Exazerbation kann zu einer lebensbedrohlichen Situation und daher einer Krankenhausaufnahme und sogar zu einer intensivmedizinischen Betreuung führen. Die medikamentöse Behandlung basiert zunächst auf den schon besprochenen Substanzgruppen. Im Notfall muss die Dosis jedoch erhöht und auch hochdosiertes Kortison gegeben werden; es kann nach 14 Tagen abgesetzt oder mit absteigender Dosis ausgeschlichen werden.

Ein eitriger Auswurf weist zusammen mit erhöhten Entzündungswerten auf einen Infekt mit Bakterien hin; dann ist die Therapie mit einem Antibiotikum gerechtfertigt. ABER: Nicht jeder banale Infekt muss gleich mit Antibiotika therapiert werden, denn häufig werden Exazerbationen durch Viren ausgelöst, gegen die Antibiotika machtlos sind.

Ein Sauerstoffabfall macht eine Sauerstoffsubstitution erforderlich. Helfen alle Maßnahmen nicht, verbleibt nur noch eine Beatmung über eine nicht-invasive Mund-/Nasenmaske oder über eine Intubation (d.h. über einen invasiven Luftröhrenschlauch) auf einer Intensivstation.

Blick in die Zukunft: Neue Substanzen und Kombinationstherapien
In der pharmazeutischen Industrie wird in zweierlei Richtungen geforscht:
a) Kombination verfügbarer oder in der späten Entwicklungsphase befindlicher Substanzen vor allem durch Schaffung neuer Fixkombinationsprodukte
b) Entwicklung völlig neuer Substanzen oder Substanzgruppen.
Derzeit wird an der Kombination eines langwirksamen ß2-Mimetikums und eines langwirksamen Anticholinergikums (Tiotropumbromid oder ähnliche Präparate) und an einer inhalativen Trippeltherapie bestehend aus einem langwirksamen ß2-Mimetikum, einem modernen Kortison und einem Anticholinergikum gearbeitet. Seit 12/2009 steht Indacaterol, das erste 24-Stunden-wirksame ß2-Mimetikum zur Verfügung, das nur 1x täglich inhaliert wird. Neu zugelassen ist Roflumilast, ein als Tablette einzunehmendes antientzündlich wirksames Präparat.

Quelle: Prof. Dr. med. Adrian Gillissen von der Klinik für Lungen- und Bronchialmedizin am Klinikum Kassel, der auf dem Symposium Lunge 2011 am 7.5.2011 in Hattingen zum Thema Inhalationstherapie einen Vortrag halten wird.

4. Symposium Lunge
"COPD und Lungenemphysem" - Von der Diagnose bis zur Lungentransplantation. Welche Behandlungsmöglichkeiten stehen den Betroffenen heutzutage zur Verfügung?“ am Samstag, 7. Mai 2011 09.00 Uhr bis 18.00 Uhr Westfälisches Industriemuseum Henrichshütte - Gebläsehalle - Werksstraße 31-33
45527 Hattingen/Ruhr

Anfragen bezüglich des Symposiums Lunge 2011 richten Sie bitte an die Organisationsleitung Jens Lingemann
Lindstockstraße 30
45527 Hattingen
Telefon: 02324 - 999 959
symposium-org@lungenemphysem-copd.de
www.lungenemphysem-copd.de/pages/oeffentlich/pages/symposium-lunge-2011/symposium-lunge-2011.php