LUNGENÄRZTE

im Netz

In Zusammenarbeit mit:

Herausgeber:

05.10.2009

Aus dem Alltag eines Patienten mit COPD-Lungenemphysem

Vielfältige Informationen über die Lungenerkrankungen COPD und Lungenemphysem haben Interessierte und Betroffene am 3. Oktober auf dem Symposium Lunge in Hattingen erhalten. Im Vorfeld des Symposiums schilderte dessen Organisator und selbst COPD-Betroffener, Jens Lingemann, wie sich dieses Krankheitsbild im Alltag der Patienten auswirkt.

Ein Leben mit chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) gelingt am besten, wenn sich Betroffene und Angehörige über die Krankheit ausreichend informieren und Maßnahmen der Selbsthilfe ausschöpfen. Das betont Jens Lingemann, Leiter der Koordinationsstelle Lungenemphysem-COPD Deutschland und Organisator des Symposiums Lunge 2009, das am 3. Oktober in Hattingen veranstaltet wird. Mehr Informationen über das Symposium Lunge unter www.lungenemphysem-copd.de/pages/oeffentlich/pages/symposium-lunge-2009/symposium-lunge-2009.php

Die im Volksmund oft als Raucherlunge bezeichneten Lungenkrankheiten COPD und Lungenemphysem werden von häufigem Schleimauswurf, Husten und Atemnot begleitet. Betroffen sind laut WHO-Schätzungen fünf Mio. Menschen in Deutschland, eine Mio. in Österreich und 350.000 in der Schweiz. „Die Dunkelziffer dürfte höher liegen, da viele Fälle zu spät erkannt werden und Hausärzte oft erst dann an den Lungenfacharzt überweisen, wenn der Patient ins Endstadium gelangt ist“, erklärt Lingemann. „In diesem Stadium befindet sich etwa ein Viertel der Erkrankten. Die Krankheit, deren Hauptursache das Rauchen ist, gilt als unheilbar, wobei die fortschreitende Verschlechterung (insbesondere der Lungenfunktionsverlust) bei optimaler Behandlung und günstigstem Verlauf stagnieren kann.

Der Alltag eines Patienten mit schwerem COPD-Lungenemphysem ist in hohem Ausmaß von der Erkrankung bestimmt. „Schon das Aufwachen ist von Atemnot begleitet, woraufhin man Medikamente einnimmt und erstmals zu Luft kommt“, berichtet Lingemann, der selbst von der Krankheit betroffen ist. „Alle Vorgänge wie etwa die Morgentoilette können nur langsam durchgeführt werden. Medikamente, Hinsetzen und Atemholen begleiten auch die meisten restlichen Aktivitäten des Tages, wobei ein Gehwagen jeden Schritt begleitet. Einmal pro Woche steht Atemphysiotherapie auf dem Programm, einmal im Jahr der Klinikaufenthalt zur Rehabilitation."

Unverzichtbar ist für viele Betroffenen auch eine Langzeit-Sauerstofftherapie, bei der über eine Nasenbrille permanent Sauerstoff aus einem Tank in die Lunge befördert wird. Von hier aus gelangt er über die Lungenbläschen ins Blut. „Da der Körper Sauerstoff nicht speichern kann, ist das Sauerstoffniveau im Blut schon wenige Minuten nach Ende einer zusätzlichen Zufuhr so niedrig, als hätte die zusätzliche Zufuhr nie stattgefunden. Das Herz muss folglich schneller pumpen, was für COPD-Patienten ein besonderes Risiko darstellt, da bereits ihre Medikamente zur Bronchial-Erweiterung für einen erhöhten Puls sorgen. Die Dauer des Trainings am Ergometer, das zur besseren Belüftung der Lunge und Aufrechterhaltung der Muskulatur wichtig ist, richtet sich nach dem Grad der Erkrankung. Im schweren Stadium können fünf Minuten schon die Obergrenze sein.“

Das Leiden führt Lungenkranke oft in die soziale Isolation. „Der Besuch von Theater, Konzert, Fußballspiel oder vieler sonstiger Veranstaltungen sind für viele COPD-Patienten undenkbar“, betont Lingemann. COPD und Lungenemphysem beeinträchtigen zudem oft auch psychisch. „Viele Betroffene meiden Menschenansammlungen, da sie glauben, hier keine Luft zu bekommen. Gefährlich sind jedoch besonders die unnötigen Fragen – Warum ich? Wie kam es dazu? - die bei vielen immer wieder im Kopf kreisen. Sie machen die Betroffenen traurig oder verbittert, was sich auch auf ihr familiäres Umfeld negativ auswirkt.“ Im schlimmsten Fall entwickeln sich daraus Depressionen, die den Patienten mitunter den subjektiven Eindruck eines viel schlechteren Allgemeinzustands vermitteln, als tatsächlich der Fall ist.

Den wichtigsten Schritt im Umgang mit der Krankheit sieht Lingemann darin, mit ihr anstatt gegen sie zu leben. „Das Leben endet nicht mit der Diagnose COPD-Lungenemphysem, sondern beginnt neu, nur auf eine andere Art und Weise als bisher. Das gelingt allerdings nur, wenn Patienten die medikamentösen und physikalischen Therapien auch tatsächlich durchführen und nicht selbst verändern oder gar absetzen.“ Die ständigen Verbesserungen der Hilfsmittel - wozu Lingemann etwa mobile Sauerstoffgeräte zählt, die heute durch ihre längere Einsatzdauer bei gleichzeitig kleinerem Volumen und Gewicht die Mobilität der Patienten erhöhen - stellen eine wesentliche Erleichterung dar. Patienten und ihren Angehörigen empfiehlt Lingemann vor allem, sich mit anderen Betroffenen über die Krankheit auszutauchen. „Mailinglisten und Selbsthilfegruppen geben wichtigen sozialen Rückhalt und halten über alle neuen Therapieformen am Laufenden“, so der COPD-Experte.

Quelle: www.pressetext.de