LUNGENÄRZTE

im Netz

In Zusammenarbeit mit:

Herausgeber:

17.04.2019

Auch psychische Aspekte von Lungenerkrankungen mehr berücksichtigen

Die mit vielen Lungenerkrankungen einhergehende Atemnot ist häufig auch mit Ängsten und Depressionen verbunden, was zu einem schnellen Verlust der körperlichen Belastbarkeit der Patienten und gleichzeitig zu einer zunehmenden sozialen Isolation führen kann. Was Ärzte aber auch die betroffenen Patienten selbst dagegen tun können, erklären Experten der Deutschen Gesellschaft für PneumologiePneumologie
Die Atemwegs- und Lungenheilkunde (Pneumologie) ist ein Teilgebiet der Inneren Medizin, das sich mit der Vorbeugung, Erkennung und fachärztlichen Behandlung von Krankheiten der Lunge, der Bronchien, des Mediastinums (Mittelfell) und der Pleura (Rippen- und Lungenfell) befasst.
und Beatmungsmedizin (DGP).

© bilderstoeckchen_Fotolia.com

Chronische Lungenerkrankungen gehen mit zunehmender Atemnot einher - zunächst nur bei körperlicher Belastung, später auch in der Ruheposition. Dabei ist Atemnot häufig auch mit Ängsten und Depressionen verbunden. Zum Beispiel entwickelt jeder vierte Patient mit einer Lungenfibrose eine behandlungsbedürftige Depression. Allein schon die Angst vor Atemnot kann die Situation erheblich verschlechtern, weil sie häufig auf eine Vermeidung jeglicher körperlicher Anstrengung hinausläuft, was zu einem schnellen Verlust der körperlichen Belastbarkeit und gleichzeitig zu einer zunehmenden sozialen Isolation führen kann. Das bedeutet auch: Je mehr ein Patient unter Ängsten und Depressionen leidet, umso mehr sinkt seine Lebensqualität. „Angesichts dieser Auswirkungen sollten psychische Aspekte bei der Behandlung von chronischen Lungenerkrankungen mehr berücksichtigt werden - und zwar nicht nur im Rahmen einer Reha“, betont Prof. Dr. med. Michael Pfeifer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) und Medizinischer Direktor der Klinik Donaustauf sowie Chefarzt der Klinik für Pneumologie und konservative Intensivmedizin im Krankenhaus Barmherzige Brüder in Regensburg.

Was Ärzte tun können

Ärzte sollten das Gespräch mit den Patienten über ihre möglichen Ängste und depressiven Beschwerden und deren Auswirkungen auf Alltag und Lebensqualität suchen, um ihnen zu einer besseren Krankheitsbewältigung zu verhelfen; mit dem Ziel, ihre Ängste abzubauen, Depressionen zu verringern, das gesamte Krankheitsverhalten günstig zu beeinflussen und die Lebensqualität der Betroffenen zu erhöhen. Viele Patienten mit COPD wissen z. B. nicht, dass Ängste und Depressionen bei dieser Erkrankung häufig auftreten und dass man etwas dagegen tun kann. Empfehlenswert ist beispielsweise die Teilnahme an Patientenschulungen und der Kontakt mit Selbsthilfegruppen, auch eine psychotherapeutische Unterstützung kann sinnvoll sein. „Ein Vermeidungsverhalten aus Angst vor Atemnot lässt sich therapeutisch z. B. durch eine schrittweise, begleitete Konfrontation mit dem unangenehmen Stimulus Atemnot oder durch eine kognitive Verhaltenstherapie effektiv abbauen“, erläutert Prof. Pfeifer. „Patienten, die unter Angst vor sozialer Ausgrenzung leiden, weil sie sich z. B. für ihre mangelnde Leistungsfähigkeit oder äußerliche Krankheitsmerkmale - wie Sauerstoffbrille oder mobiler Sauerstofftank - schämen, kann ein Kommunikationstraining und der Austausch mit ebenfalls Betroffenen in Selbsthilfegruppen helfen.“ Auch der Angst vor dem Fortschreiten der Erkrankung (sog. Progredienzangst) kann begegnet werden durch Aufklärung über die realistischen Folgen der Erkrankung und Korrektur unrealistischer Vorstellungen im Rahmen einer Psychoedukation.

Was Patienten tun können

Hilfreich gegen Progredienzangst können auch konkrete Vorbereitungen der letzten Lebensphase sein, z. B. durch das Formulieren einer Patientenverfügung oder eines Testaments und durch die Entwicklung persönlicher Vorstellungen vom Sterben. Hierzu gibt es auch palliativmedizinische Unterstützung. „Besonders wichtig erscheint es, auch protektive Faktoren wie individuelle Stärken und Ressourcen der Patienten zu fördern, um ihre Fähigkeiten zum Selbstmanagement zu stärken und weitere Quellen zu erschließen, die ihre Lebensqualität erhöhen. „Das kann ein neues Hobby sein“, erklärt Prof. Pfeifer. „Menschen, die einen starken Kohärenzsinn haben - d.h. ihre Umwelt und ihr Erleben als verstehbar und handhabbar sehen - scheinen beispielsweise über eine besonders gute Voraussetzung zur Krankheitsbewältigung zu verfügen, so dass sie sich besser vor psychischen Begleitsymptomen wie Ängsten oder Depression schützen können und somit ihre mentale Gesundheit und Lebensqualität erhalten. Offenbar sind Menschen mit Kohärenzsinn in der Lage, sich darauf zu konzentrieren, was sie trotz ihrer Krankheit noch alles im Alltag realisieren können - und zwar eher als Patienten, die sich von den körperlichen Beschwerden ihrer Lungenerkrankung und den damit einhergehenden Ängsten vereinnahmen lassen, und die dadurch ihr eigentlich noch vorhandenes Verhaltenspotenzial blockieren, anstatt dieses so gut wie möglich auszunutzen.“

Literatur:
Symposium „Lunge und Psyche“ am 15.3.2019 von 11-12.30 Uhr auf dem DGP-Kongress in München
Dissertation von Daniel Christian Keil (2015): Der Einfluss psychischer Faktoren auf die Bewältigung der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD)

Quelle: äin-red

Dies ist eine Pressemeldung der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP). Der Abdruck dieser Pressemeldung oder von Teilen des Artikels ist unter folgender Quellenangabe möglich: www.lungenaerzte-im-netz.de. Bei Veröffentlichung in Online-Medien ist diese Quellenangabe (in Form eines aktiven Links entweder auf die Startseite oder auf eine Unterseite der Webseite der Lungenärzte-im-Netz) erforderlich, bei Veröffentlichung in Printmedien ist ebenfalls ein Hinweis auf diese Webadresse notwendig.