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21.11.2007

Auch im Auto lauern Allergieauslöser

Nicht nur Teppiche und Vorhänge in der Wohnung sind Staubfänger. Auch die Polster im Auto können Staub und Milben anziehen und somit für Allergiker ein Problem darstellen.

Während regelmäßiges Staubsaugen und Putzen im Haushalt für die meisten Menschen selbstverständlich ist, verhält es sich im Auto offenbar ganz anders: Nach Angaben der Gesellschaft für Umwelt- und Innenraumanalytik (GUI) in Mönchengladbach, die Autopolster stichprobenartig auf Milben untersucht hat, sind auf den Straßen unzählige Fahrzeuge unterwegs, deren Innenräume schon seit Monaten von keinem Staubsauger oder Wischlappen mehr gereinigt worden sind. Auch aktuelle Studien aus den USA und Brasilien, die den Milbenbefall von Sitzen in Privat-Pkws, Bussen und Taxis untersucht und die Menge der von den Tierchen gebildeten Allergene ermittelt hatten, weisen auf eine hohe Belastung mit Allergie auslösenden Stoffen im Auto hin, berichtet Jörg-Thomas Franz aus Paderborn. Eine mangelnde Sauberkeit im Auto dürfte sich allerdings rächen, zumal sich in ungepflegten Autopolstern und -teppichen neben Millionen von Staubpartikeln auch Milben und Schimmelsporen tummeln, die Allergien auslösen können. „Es hat sich herausgestellt, dass man in Autos ein ähnliches Bild findet wie in Sitzpolstern oder Bürostühlen von Innenräumen“, sagt Umweltingenieur Andreas Winkens. Er spricht von einer hohen Konzentration von Staub und AllergenenAllergenen
Das sind Stoffe, die vom Immunsystem des Körpers als „fremd" eingestuft und deshalb angegriffen werden, was zu einer übersteigerten Abwehrreaktion (= Allergie mit Überempfindlichkeit des Körpers gegen das jeweilige Allergen) führt.
Man unterscheidet tierische, pflanzliche und chemische Allergene, wobei fast jede Umweltsubstanz eine Allergie auslösen kann. Ein potenzielles Allergen ist eine Substanz, die aufgrund ihrer biochemischen Beschaffenheit häufiger als andere Substanzen eine allergische Reaktion hervorrufen kann.
 
 
 
. „Sie müssen im Auto nur mal auf ein Velourpolster klopfen. Da sehen Sie, was da rauskommt.“

Ein nahezu ideales Milieu

Im Auto finden Milben, die zu den Spinnentieren gehören, ein nahezu ideales Milieu, sagt Winkens: Es ist im Polster feuchtwarm, und die Tierchen finden reichlich Futter. „Milben ernähren sich unter anderem von Hautschuppen, die von Schimmelpilzen anverdaut wurden“, erklärt der GUI-Chef. Beides wird von den mit bloßem Augen nicht erkennbaren Lebewesen - sie sind nur 0,1 bis 0,5 Millimeter groß - gefressen. Der ausgeschiedene Kot wiederum ist das eigentliche Allergen - er zerfällt zu mikroskopisch kleinen Bestandteilen, die von den Autoinsassen eingeatmet werden und je nach Empfindlichkeit Allergien auslösen können. Solche allergischen Reaktionen können sich nach Angaben von Anja Schwalfenberg vom Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB) in Mönchengladbach zum Beispiel durch Reizungen der Atemwege bemerkbar machen. Juckreiz und Symptome einer Hausstaubmilbenallergie - etwa Dauerschnupfen, Niesanfälle, Augenjucken oder Anschwellen der Nasen - oder Rachenschleimhaut - sind ebenfalls möglich. Außerdem können sich bestehende Atemwegserkrankungen laut Schwalfenberg verstärken und schlimmstenfalls auch Asthma bronchiale hervorrufen.

Was man tun kann

Vor den Tierchen gefeit sind Autofahrer kaum. „Die Besiedlung durch Milben erfolgt innerhalb weniger Monate“, sagt Schwalfenberg. Begünstigt werde das durch die Körperwärme und hohe Luftfeuchtigkeit im Autositz. Wird das Auto häufiger genutzt, könne die Belastung höher sein als bei nur sporadisch bewegten Wagen. „Milben haben Sie auf jeden Fall irgendwann drin“, sagt die Allergieexpertin. Schutzmöglichkeiten, wie sie Allergiker von Matratzen her kennen, - zum Beispiel sogenannte Encavings, die über die Matratze gezogen werden und ein Eindringen der Milben verhindern sollen - gebe es für Autositze leider nicht. Eine Alternative seien lediglich Lederpolster. Durch die feste Kuhhaut kämen die Tierchen nicht durch. Bedingt Abhilfe schafft laut Schwalfenberg daher nur eine regelmäßige Reinigung des Wagens. „Staubsaugen bringt schon etwas. Aber Milben bekommen Sie damit nie ganz weg.“ Denn die Tierchen krallen sich tief in den Polstern fest, wo man mit dem Staubsauger nicht hinkommt. Ihnen kann man nach Angaben von Jörg-Thomas Franz mit Milben-abtötenden Mitteln zu Leibe rücken, die etwa in Apotheken erhältlich sind. Allerdings sei deren Wirksamkeit wissenschaftlich noch nicht abschließend beurteilt, wendet Schwalfenberg ein. Diese Mittel könnten außerdem Stoffe enthalten, die bei empfindlichen Personen ihrerseits Allergien auslösen.

Feuchtigkeit vermeiden

Für sinnvoll hält es die DAAB-Expertin dagegen, die Umgebung im Auto und auf den Polstern so zu verändern, dass sich Milben dort nicht mehr wohl fühlen. Dazu gehört neben dem Staubsaugen die Vermeidung von Schimmelpilzen, die Milben zur Ernährung benötigen. Schimmelpilze bilden sich vor allem bei feuchtem Klima. Autofahrer sollten also dafür sorgen, dass ihr Wageninnenraum nicht feucht wird - oder dass im Innenraum befindliche Feuchtigkeit wieder hinausgelangt. Man kann zum Beispiel darauf achten, in Herbst und Winter nicht mit triefnassen Schuhen einzusteigen oder sich vorher den Schnee von den Sohlen zu klopfen. Feuchtigkeit aus Teppich und Polstern lässt sich laut Schwalfenberg mit einem einfachen Trick beseitigen: Auf längeren Strecken sollte die Heizung voll aufgedreht werden, damit sich die Innenraumluft erwärmt. Warme Luft kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen, so dass die Stoffe trocknen. Anschließend muss der Wagen ordentlich durchgelüftet werden, um für einen möglichst vollständigen Luftwechsel zu sorgen und die feuchte Luft hinauszubefördern. Über Nacht kann dazu auch eine Schüssel mit Feuchtigkeit aufnehmendem Granulat - etwa Katzenstreu - in den Wagen gestellt werden, ergänzt Umweltingenieur Winkens von der GUI. Zum Glück muss Milbenbefall nicht für jeden eine gesundheitliche Relevanz besitzen: „Wer nicht darauf reagiert, für den ist das auch kein Problem“, bestätigt Franz.