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19.05.2022

Auch E-Zigaretten können Potenzstörungen verursachen

E-Zigaretten-User leiden im Vergleich zu Nie-Dampfern mehr als doppelt so häufig unter Erektionsstörungen (erektiler Dysfunktion). Darauf weisen Experten der Deutschen Lungenstiftung unter Berufung auf eine aktuelle Studie der New York University Medical School hin.

Fotos: Thermografische Bilder der Hand einer Raucherin, die zeigen, wie durch das Rauchen die Temperatur in den Fingern stetig abnimmt, als Folge der verminderten Durchblutung.

Dass Tabakkonsum unter anderem auch zu Problemen mit der Potenz führen kann, dürfte allgemein bekannt sein. Doch auch E-Zigaretten-User leiden im Vergleich zu Nie-Dampfern mehr als doppelt so häufig unter Erektionsstörungen (erektiler Dysfunktion). Das geht aus einer Studie der New York University Medical School hervor, in der 13.711 Männer zu ihren Rauchgewohnheiten und auftretenden Erektionsproblemen befragt wurden (siehe American Journal of Preventive Medicine, online seit 30.11.2021). „Die meisten E-Zigaretten enthalten wie Tabakzigaretten Nikotin. Diese Substanz stimuliert das zentrale Nervensystem, sodass das Nebennierenmark u.a. Vasopressin freisetzt, woraufhin die Blutgefäße enger gestellt werden. Außerdem führt NikotinNikotin
Mehrere Gründe sprechen dafür, dass die abhängigkeitserzeugende Substanz in Zigaretten das Nikotin ist:
  * Nikotin dringt ins zentrale Nervensystem (ZNS) ein und ist psychoaktiv.
  * Die physiologischen Effekte von Rauchen und gespritztem Nikotin sind identisch.
  * Nikotin funktioniert als „positiver Verstärker". Menschen (und auch Tiere) fügen sich in Experimenten eigenständig Nikotin zu.
  * Das Ablassen vom Suchtstoff (Tabak-Abstinenz) fällt leichter, wenn Nikotin medikamentös zugeführt (substituiert, also ersetzt) wird.
  * Raucher neigen dazu, ihr Rauchverhalten an die verschiedenen Nikotingehalte von Tabakerzeugnissen anzupassen
zu höheren Fettsäure- und Cholesterinspiegeln im Blut und fördert damit die Tendenz zu einer Verkalkung und Verstopfung der Gefäße“, erläutert Prof. Dr. med. Christian Taube, Stellv. Vorsitzender der Deutschen Lungenstiftung und Direktor der Klinik für PneumologiePneumologie
Die Atemwegs- und Lungenheilkunde (Pneumologie) ist ein Teilgebiet der Inneren Medizin, das sich mit der Vorbeugung, Erkennung und fachärztlichen Behandlung von Krankheiten der Lunge, der Bronchien, des Mediastinums (Mittelfell) und der Pleura (Rippen- und Lungenfell) befasst.
an der Universitätsmedizin Essen – Ruhrlandklinik in Essen. Die Folgen sind bekannt: Chronische Durchblutungsstörungen in Armen und Beinen verursachen Gefäßverschlüsse (Thrombosen), die dann z.B. zu Herzinfarkt, SchlaganfallSchlaganfall
Schlaganfälle ereignen sich gehäuft während des Blutdrucktiefs gegen 3 Uhr nachts (midnight stroke) oder während des zweiten Blutdrucktiefs am Nachmittag. Die Krankheitsanzeichen setzen meist plötzlich ein und hängen vom Ort des Infarktes ab. Erste Anzeichen können heftige Kopfschmerzen, ausgeprägte Bewusstseinstrübung bis hin zu Bewusstlosigkeit sein. Es entwickelt sich eine meist im Arm- und Gesichtsbereich betonte einseitige Lähmung. Zunächst ist die gelähmte Seite erschlafft (im Gesicht z.B. als hängender Mundwinkel und Aufblähung der Wange auf der gelähmten Seite beim Ausatmen = "Tabakblasen"), später können auch unkontrollierte Zuckungen hinzu kommen. Eine Hirndurchblutungsstörung ist entweder Folge eines thrombotischen oder embolischen Gefäßverschlusses (ischämischer Hirninfarkt) oder eines spontanen Gefäßrisses mit nachfolgender Einblutung (hämorraghischer Hirninfarkt).
Ischämischer Schlaganfall: Hirninfarkt, der durch eine Blutstauung aufgrund verstopfter Gefäße verursacht wird und deshalb zu einer Unterversorgung der Hirnzellen mit Sauerstoff führt. Ein ischämischer Hirninfarkt auf Grund von Minderdurchblutung eines Endarterienareals bei plötzlichem Gefäßverschluss der Arterie ist mit 80-85% die häufigste Ursache eines Schlaganfalls. 
Hämorraghischer Schlaganfall: Verkalkte Blutgefäße im Gehirn brechen auf, was zu Gehirnblutungen führt. Dabei wird die Blutzufuhr und damit Sauerstoffversorgung der betroffenen Gehirnzellen unterbrochen bzw. abgebrochen und sie sterben ab.
 
 
, Herzschwäche, Raucherbein oder Erektionsproblemen führen können.

Senkung der Gesundheitsrisiken durch E-Zigaretten fraglich

Viele Raucher versuchen ihren Tabakkonsum zu verringern, indem sie auf E-Zigaretten umsteigen. Allerdings schaffen über 90 Prozent der E-Zigaretten-User keinen endgültigen Ausstieg und 60-80 % der Umsteiger rauchen weiterhin auch Tabakprodukte. Gerade dieser duale Konsum könnte zusätzliche Gesundheitsrisiken beinhalten, auf die die Lungenärzte der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin gemeinsam mit 14 weiteren medizinischen Fachgesellschaften in einem kürzlich veröffentlichten Empfehlungspapier zum Umgang mit der elektronischen Zigarette hingewiesen haben. Eine Studie mit mehr als 24.000 Teilnehmern aus den USA hat gezeigt, dass ein dualer Konsum von E-Zigaretten und Tabakprodukten das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen nicht senkt und im Vergleich zu ausschließlichem Tabakkonsum die Häufigkeit von Atembeschwerden, COPD, Herzbeschwerden und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sogar noch erhöht. Außerdem werden beim Erhitzen des Liquids von E-Zigaretten Karzinogene freigesetzt - wie z.B. Formaldehyde und Acetaldehyde, ultrafeine Partikel, NitrosamineNitrosamine
Von den bisher genauer untersuchten Nitrosaminen erwiesen sich etwa 90% als Krebs erregend. In der Stärke der karzinogenen Wirkung gibt es zwischen den einzelnen Nitrosaminen jedoch starke Unterschiede.
, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe und Schwermetalle (wie die von der Heizspirale freigesetzten Metalle Nickel und Kobalt). „Trotzdem werden E-Zigaretten als Konsumprodukte nicht den toxikologischen Untersuchungen unterzogen, die für Medikamente im Hinblick auf Gesundheitsrisiken üblich sind. Und das obwohl es neben Krebs verursachenden Verbindungen außerdem Hinweise auf zelltoxische und entzündungsfördernde Wirkungen (z.B. der den E-Zigaretten zugesetzten Geschmacksstoffe) gibt“, betont Prof. Taube.

Gefahr droht, ungewollt nikotinsüchtig zu werden

Aufgrund des Marketings für die angeblich reduzierten Gesundheitsrisiken durch E-Zigaretten könnten vor allem Jugendliche, die noch nie geraucht haben, fälschlicherweise davon ausgehen, dass Dampfen völlig harmlos sei. E-Zigaretten enthalten meistens auch Nikotin, das stark Sucht erregend ist. „Der ausgewiesene Nikotingehalt der E-Zigaretten kann aber so stark variieren, dass deren Konsumenten Gefahr laufen, unwissentlich nikotinsüchtig zu werden“, warnt Prof. Taube.

Zur Tabakentwöhnung nicht empfohlen

Gesundheitsrisiken reduzieren kann nur ein Rauchstopp bzw. ein konsequenter Verzicht auf Rauchen und Dampfen. Daher sollten aufhörwillige Tabakkonsumenten, wenn überhaupt nur für einen begrenzten Zeitraum auf E-Zigaretten umsteigen und diese anschließend endgültig absetzen. Andernfalls wird die Nikotinabhängigkeit aufrechterhalten und ein Rückfall begünstigt. Am erfolgreichsten gelingt ein Rauchstopp mit der Schlusspunktmethode durch Teilnahme an einem Raucherentwöhnungskurs in Kombination mit einer Verhaltensänderung (evtl. in Verbindung mit einer Verhaltenstherapie), falls erforderlich können auch Nikotinersatzprodukte oder bestimmte Medikamente zusätzliche Unterstützung bieten.