LUNGENÄRZTE

im Netz

In Zusammenarbeit mit:

Herausgeber:

23.07.2008

Auch die Gene bestimmen das Risiko

Die Gefahr, als Raucher an einer COPD zu erkranken, wird offenbar auch von veränderten Genen beeinflusst. Ob solche Genvariationen angeboren sind oder erst durch das Rauchen erworben werden, muss aber noch geklärt werden.

Rauchen bedeutet oxidativer Stress, denn Zigarettenrauch ist reich an so genannten OxidantienOxidantien
Stoffe, die  andere Substanzen „verbrennen“, indem sie – chemisch gesehen – Wasserstoff abspalten und ihnen damit Elektronen entziehen. Führen zur so genannten Oxidation (eine chemische Reaktion, bei der Wasserstoff abgespalten wird, so dass dem jeweiligen „Reaktionspartner“ Elektronen entzogen werden). Dabei entstehen aggressive, Zell schädigende Stoffwechselprodukte im Organismus.
 
 
, die im Zusammenspiel mit Sauerstoff zur Bildung aggressiver Sauerstoffradikale führen. Diese überfordern irgendwann die antioxidativen Abwehrmechnismen der Lunge und verursachen dadurch direkten Schaden im Lungengewebe, was Entzündungsprozesse in der Lunge antreibt und dadurch das Risiko erhöht, an einer COPD zu erkranken. Unter anderem können diese Prozesse auch zu einem Ungleichgewicht zwischen auf- und abbauenden Enzymen im Proteinstoffwechsel und damit Muskelabbau führen (siehe ältere Meldung auf www.lungenaerzte-im-netz.de zum Thema Muskelabbau). Jetzt haben US-Forscher um Patricia Cassano von der Cornell University in New York herausgefunden, dass auch die individuelle Ausstattung mit Genen, die für die Bildung antioxidativer EnzymeEnzyme
Das sind (für den Stoffwechsel aller Lebewesen) unentbehrliche Eiweißkörper, die als Biokatalysatoren biochemische Vorgänge ermöglichen, sie beschleunigen und in eine gewünschte Richtung ablaufen lassen, ohne selbst dabei verändert zu werden. Es gibt eine große Anzahl verschiedener Enzyme, jedes ist für einen bestimmten Vorgang zuständig. Enzyme funktionieren nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip, das heißt jedes Enzym hat eine spezielle Eiweißstruktur, die es befähigt, den Stoff, dessen Reaktion es steuern soll, gezielt zu erkennen (Substratspezifität). So sind im Organismus gleichzeitig eine Vielfalt von unterschiedlichen Stoffwechselvorgängen möglich. 
verantwortlich sind, entscheidend zum COPD-Risiko beiträgt. Dazu haben die Wissenschaftler die Daten von insgesamt 44 genetischen Studien ausgewertet.

Wie die Forscher in der Fachzeitschrift Thorax (Online-Vorabveröffentlichung am 19.Juni 2008) berichten, ist bei COPD-Patienten die Aktivität bestimmter Gene, welche die Bildung antioxidativer Enzyme steuern, deutlich verändert. Dazu gehören die Enzyme Glutamat-Cystein-Ligase, zwei Glutathion-S-Transferasen (GST: GST-M1 und GST-P1) und die Superoxid-Dismutase. „Diese Untersuchung ist ein guter Beleg für die Hypothese, dass auch die Gene das individuelle Risiko mitbestimmen, als Raucher an einer COPD zu erkranken“, kommentiert Prof. Dieter Köhler vom wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Gesellschaft für PneumologiePneumologie
Die Atemwegs- und Lungenheilkunde (Pneumologie) ist ein Teilgebiet der Inneren Medizin, das sich mit der Vorbeugung, Erkennung und fachärztlichen Behandlung von Krankheiten der Lunge, der Bronchien, des Mediastinums (Mittelfell) und der Pleura (Rippen- und Lungenfell) befasst.
und Beatmungsmedizin (DGP). „So ist das Risiko für eine COPD erhöht, wenn es zu Veränderungen in denjenigen Genen kommt, die über die Bildung von bestimmten Enzymen den Oxidationsstatus in den Lungen und damit das Redox-SystemRedox-System
Zusammenwirken von Oxidation und Reduktion – in diesem Fall das Gleichgewicht zwischen Oxidantien und Anti-Oxidantien betreffend.
beeinflussen. Jetzt bleibt noch die Frage zu klären, ob solche Genveränderungen angeboren sind oder aber durch bestimmte Umwelteinflüsse wie das Rauchen hervorgerufen werden.“