LUNGENÄRZTE

im Netz

In Zusammenarbeit mit:

Herausgeber:

11.02.2007

Atemwegsinfekte können Thrombosen begünstigen

Mit einem Infekt der Atemwege sollte man möglichst keine längere Reise antreten - allein schon wegen der Ansteckungsgefahr für die lieben Mitmenschen. Aber auch, weil sich vorübergehend das persönliche Risiko verdoppelt, eine tiefe Beinthrombose zu entwickeln.

Patienten mit Infektionen der Atemwege und Harnwege haben zeitweise ein doppelt so hohes Risiko, an einer tiefen Beinvenenthrombose zu erkranken. Das berichten Wissenschafter um Liam Smeeth von der „London School of Hygiene and Tropical Medicine“ in der Zeitung The Lancet. Die tiefe Beinvenenthrombose ist eine potenziell tödliche Erkrankung, bei der Blutgerinnsel die Durchblutung und damit den Austausch der Atemgase in den großen Venen blockieren. Ein solches Blutgerinnsel in der Vene kann sich auch wieder lösen und dann zum Beispiel in die Lunge, ins Herz oder ins Gehirn abwandern, falls es vom Körper nicht schrittweise abgebaut wird. Dann kann es zu Lungenembolien, Herz – oder Hirninfarkten kommen. Frühere Studien hatten bereits aufgezeigt, dass ein Zusammenhang zwischen akuten Infektionen und Herzanfällen besteht.

Für die aktuelle Untersuchung hat das Forscherteam Aufzeichnungen einer britischen Datenbank analysiert, die während der letzten zwei Jahrzehnte gemacht worden sind. Dabei identifizierten sie mehr als 7.000 Patienten mit einer tiefen Beinvenenthrombose und ermittelten zusätzlich fast 4.000 Patienten, die an einer Lungenembolie erkrankt waren.
Daraufhin wurde überprüft, ob die Patienten wegen einer akuten Infektion der Harn- oder Atemwege in Behandlung gewesen waren. Die retrospektive Analyse ergab, dass Infektionen der Harnwege das Risiko zeitweise verdoppeln, an einer tiefen Beinvenenthrombose oder einer Lungenembolie zu erkranken. Akute Infektionen der Atemwege erhöhten das Risiko einer tiefen Beinvenenthrombose ebenfalls deutlich. Dabei sei das Risiko zwei Wochen nach der Infektion am größten und nehme danach wieder rasch ab. Insofern steige und falle das persönliche Risiko innerhalb von sehr kurzen Zeitabständen, erläutert Patrick Vallance, ein Mitautor der Studie. Die Forscher gehen davon aus, dass nicht die Infekterreger an sich für das vermehrte Entstehen von Blutgerinnseln in der Lunge und den Venen verantwortlich sind, sondern vielmehr die entzündlichen Reaktionen des Körpers, die nach einer Infektion zur Abwehr der Erreger ablaufen. Diese Theorie erscheint auch dem Thrombose-Experten Joseph Caprini von der US-amerikanischen Northwestern University plausibel, zumal an der Abwehr von bakteriellen und viralen Erregern bekanntlich viele Gerinnungsfaktoren beteiligt sind: „Menschen mit akuten Infektionen wird ja grundsätzlich angeraten, das Reisen zu unterlassen, um niemanden anzustecken. Ihnen darüber hinaus zu empfehlen, eine Flugreise erst einige Wochen nach der Infektionskrankheit anzutreten, um das Risiko einer tiefen Beinvenenthrombose zu verringern, ist angesichts dieses Untersuchungsergebnisses nur nahe liegend.“

Quelle:
The Lancet (2006), Band 367, Seite 1075-79. Zusammenfassung (abstract)