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23.07.2009

Atemaussetzer im Schlaf können auch Erektionsstörungen verursachen

Eine so genannte Schlafapnoe kann auch zu Erektionsproblemen (erektiler Dysfunktion) führen. Davor warnen die die Lungenärzte der Deutschen Gesellschaft für PneumologiePneumologie
Die Atemwegs- und Lungenheilkunde (Pneumologie) ist ein Teilgebiet der Inneren Medizin, das sich mit der Vorbeugung, Erkennung und fachärztlichen Behandlung von Krankheiten der Lunge, der Bronchien, des Mediastinums (Mittelfell) und der Pleura (Rippen- und Lungenfell) befasst.
und Beatmungsmedizin (DGP) in Werne und raten zur fachärztlichen Behandlung.

Patienten, die unter dem so genannten Schlafapnoe-Syndrom leiden - das heißt lautem Schnarchen mit nächtlichen Atemaussetzern während des Schlafens – haben ein erhöhtes Risiko, eine erektile Dysfunktion zu entwickeln. Davor warnen die Lungenärzte der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) in Werne. Sie berufen sich dabei auf eine Untersuchung von Regensburger und Münchener Wissenschaftlern mit über 400 Patienten, die sich wegen eines vermuteten Schlafapnoe-Syndroms einer detaillierten schlafmedizinischen Diagnostik (Polysomnographie) unterzogen haben und parallel dazu hinsichtlich erektiler und sexueller Störungen umfassend evaluiert wurden. „Bei 69% der Patienten mit gesichertem Schlafapnoe-Syndrom haben wir eine manifeste erektile Dysfunktion festgestellt“, berichtet Priv.-Doz. Dr. Stephan Budweiser, der die Untersuchungen im Zentrum für Pneumologie und Schlafmedizin an der Klinik Donaustauf, kooperative Lehr- und Forschungseinrichtung der Universität Regensburg durchgeführt hat. „Sicherlich erhöhen auch das Alter und viele Begleiterkrankungen wie Herz- bzw. Gefäßerkrankungen, BluthochdruckBluthochdruck
Laut Hochdruckliga liegt der ideale Blutdruck bei 120/80 mmHg. Bluthochdruck ist eine krankhafte Steigerung des Blutdruckes in den Arterien auf einen systolischen Wert von über 140 mmHg und einen diastolischen Wert von über 90 mmHg. Bluthochdruck ist ein wichtiger Risikofaktor für Gefäßerkrankungen, Nierenschwäche und Herzschwäche.
und Diabetes mellitus das Risiko für Erektionsstörungen. Dabei stellt nächtlicher Sauerstoffmangel aufgrund einer Schlafapnoe allerdings einen eigenen, zusätzlichen Risikofaktor dar, der auch alleingenommen eine erektile Dysfunktion verursachen kann. Neuere epidemiologische Studien weisen darauf hin, dass bis zu 20% der Männer über dem 20. Lebensjahr unter Erektionsstörungen leiden. Kommen weitere Krankheiten – wie Herzkreislauf-Erkrankungen oder Zuckerkrankheit - hinzu, ist sogar jeder zweite Mann betroffen, und bei älteren Männern bis zu 70%.“

Gefährlichkeit nach wie vor unterschätzt

Patienten mit Schlafapnoe finden keinen erholsamen Nachtschlaf, weil ihre Atemwege während des Schlafens immer wieder zu Verschluss neigen, was zu wiederholten Atemstillständen und physiologisch erzwungenen Weckreaktionen führt. „Die Gefährlichkeit des Schlafapnoe-Syndroms wird noch immer unterschätzt“, betont Prof. Michael Pfeifer, Vorstandsmitglied der DGP und Medizinischer Direktor der Klinik Donaustauf. „In erster Linie verursachen die nächtlichen Atemaussetzer eine ausgeprägte Tagesschläfrigkeit und Leistungsminderung. Gleichzeitig führt der Sauerstoffmangel aufgrund einer Schlafapnoe allerdings auch zu einer Beeinträchtigung der Herztätigkeit verbunden mit arteriosklerotischen Veränderungen, die zunächst unbemerkt bleiben mögen, aber die Entwicklung eines Gefäßverschlusses vorantreiben. Die Folgen können Herzerkrankungen, Bluthochdruck, Herzinfarkt und SchlaganfälleSchlaganfälle
Schlaganfälle ereignen sich gehäuft während des Blutdrucktiefs gegen 3 Uhr nachts (midnight stroke) oder während des zweiten Blutdrucktiefs am Nachmittag. Die Krankheitsanzeichen setzen meist plötzlich ein und hängen vom Ort des Infarktes ab. Erste Anzeichen können heftige Kopfschmerzen, ausgeprägte Bewusstseinstrübung bis hin zu Bewusstlosigkeit sein. Es entwickelt sich eine meist im Arm- und Gesichtsbereich betonte einseitige Lähmung. Zunächst ist die gelähmte Seite erschlafft (im Gesicht z.B. als hängender Mundwinkel und Aufblähung der Wange auf der gelähmten Seite beim Ausatmen = "Tabakblasen"), später können auch unkontrollierte Zuckungen hinzu kommen. Eine Hirndurchblutungsstörung ist entweder Folge eines thrombotischen oder embolischen Gefäßverschlusses (ischämischer Hirninfarkt) oder eines spontanen Gefäßrisses mit nachfolgender Einblutung (hämorraghischer Hirninfarkt).
Ischämischer Schlaganfall: Hirninfarkt, der durch eine Blutstauung aufgrund verstopfter Gefäße verursacht wird und deshalb zu einer Unterversorgung der Hirnzellen mit Sauerstoff führt. Ein ischämischer Hirninfarkt auf Grund von Minderdurchblutung eines Endarterienareals bei plötzlichem Gefäßverschluss der Arterie ist mit 80-85% die häufigste Ursache eines Schlaganfalls. 
Hämorraghischer Schlaganfall: Verkalkte Blutgefäße im Gehirn brechen auf, was zu Gehirnblutungen führt. Dabei wird die Blutzufuhr und damit Sauerstoffversorgung der betroffenen Gehirnzellen unterbrochen bzw. abgebrochen und sie sterben ab.
 
 
sein. Das Schlafapnoe-Syndrom, unter dem etwa zwei bis drei Prozent der erwachsenen Deutschen leiden, ist insofern eine ernst zu nehmende Krankheit, die unbedingt fachärztlich behandelt werden sollte.“

Erfolgreiche Behandlung mit Atemmaske

Die effektivste Methode zur Behandlung einer Schlafapnoe ist eine Atemwegs-Überdruckbehandlung, die so genannte CPAP-TherapieCPAP-Therapie
Über eine Nasen- oder Mund-Nasen-Maske wird dem Patienten während des Schlafes stetig Raumluft mit geringem Überdruck zugeführt. Das bewirkt eine Schienung der oberen Atemwege - das heißt der obere Atemtrakt, der dazu neigt, in sich zusammenzufallen (zu kollabieren), wird auf diese Weise von Innen „Druck-geschient" und bleibt somit beim Ein- und Ausatmen stets offen. So wird die normale Atmung unterstützt und ein normaler Schlafablauf wieder ermöglicht.
(continuous positive airway pressure). „Für mindestens 70 Prozent der Patienten, die nachts eine CPAP-Atemmaske tragen, kann die Lebensqualität deutlich verbessert werden“, erläutert Pfeifer. „Sie fühlen sich beim morgendlichen Aufwachen frisch und ausgeschlafen, neigen tagsüber weniger zu Schläfrigkeit und können gleichzeitig ihr Risiko für teils lebensbedrohliche Begleiterkrankungen senken.“

Quelle: The Journal of Sexual Medicine, Online-Vorabveröffentlichung am 29.6.2009. Zusammenfassung (abstract)