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11.12.2007

Asthmatiker sollten Diesel-Abgase meiden

Vor einem Weihnachtseinkaufsbummel in Gebieten mit hoher Verkehrsbelastung ist chronisch Lungenkranken dringend abzuraten, da sich Diesel-Abgase negativ auf ihre Atemfunktion auswirken. Davor warnen die Lungenärzte der Deutschen Lungenstiftung e.V. in Hannover.

Vor einem ausgedehnten Weihnachtseinkaufsbummel in Gebieten mit hoher Verkehrsbelastung ist vor allem chronisch Lungenkranken, die unter Asthma bronchiale leiden, dringend abzuraten, da eine hohe Feinstaubbelastung durch Dieselabgase sich messbar negativ auf ihre Atemfunktion auswirkt. Davor warnen die Lungenärzte der Deutschen Lungenstiftung e.V. in Hannover. Sie berufen sich dabei auf eine aktuelle wissenschaftliche Untersuchung, die Anfang Dezember in der Fachzeitschrift New England Journal of Medicine (2007, Band 357, Seite 2348-2358) veröffentlicht wurde und erstmals unter real-life Bedingungen aufgezeigt hat, welche Auswirkungen das Einatmen von Dieselabgasen auf Asthmatiker hat. „In dieser Studie wurde verglichen, welche Effekte ein zweistündiger Stadtbummel entlang der von Bussen und Taxis stark frequentierten Londoner Einkaufsmeile Oxford Street gegenüber einem zweistündigen Spaziergang im vom Straßenverkehr weitgehend abgeschirmten Londoner Hyde-Park auf Asthmatiker hat“, erläutert Prof. Harald Morr, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Lungenstiftung und Leiter der Pneumologischen Klinik Waldhof Elgershausen in Greifenstein. „Da die Oxford Street für alle Verkehrsfahrzeuge außer Diesel betriebener Busse und Taxis schon seit längerem gesperrt ist, lässt sich hier der Effekt von Dieselabgasen besonders gut untersuchen.“

Drohender Verlust der Lungenfunktion und Entzündungsreaktionen
An der Studie nahmen 60 Asthmatiker mit mildem bis mittlerem Schweregrad der Erkrankung teil. Die von den Wissenschaftlern gemessene Feinstaubbelastung auf der Oxford Street war im Vergleich zum Hyde Park mehr als doppelt so hoch (28 μg pro Kubikmeter Luft gegenüber 12 μg/m³ für Teilchen kleiner als 2,5 µg) bzw. mehr als dreifach so hoch (64.000 gegenüber 18.000/cm³ für Ultrafeinstpartikel), was folgende Auswirkungen auf die Lungen der Patienten hatte: Nach einem zweistündigen Bummel auf der Oxford Street waren zwar noch keine akuten Atemwegsprobleme bei den Studienteilnehmern zu beobachten, dafür hatte ihre LungenfunktionLungenfunktion
deutlich messbar abgenommen. Diese Beeinträchtigung der Lungenfunktion fiel umso ausgeprägter aus, je schwerer die Patienten an Asthma erkrankt waren. Außerdem wurden bei den Probanden nach dem Stadtbummel entlang der Oxford Street bestimmte physiologische Veränderungen gemessen (Anstieg des Biomarkers Myeloperoxidase im Sputum und Abfall des ph-Wertes des Blutes), die auf eine gesteigerte Entzündungsreaktion in den Lungen in Folge der Feinstaubbelastung hinweisen. Bis sich diese Befunde wieder bei Normalwerten eingependelt hatten, vergingen einige Stunden. Demgegenüber ließen sich bei denselben Probanden nach einem zweistündigen Spaziergang im Hyde Park keine deutlichen Veränderungen der Lungenfunktion feststellen.

Dieselabgase besonders gefährlich
FeinstaubFeinstaub
Feinstaub gilt als giftig und kostet nach Schätzungen der EU-Kommission jährlich zahlreichen  Europäern das Leben. Mit einer Größe von weniger als 10 µm können Feinstäube in der Luft schweben (sog. Schwebstäube) und vom Menschen eingeatmet werden, so dass die Feinstaubteilchen in die Lunge gelangen und über die Lungenbläschen (Alveolen) in den Körper übergehen können. So stoßen sie u.a. bis in die Leber vor.
 
 
in Innenstädten entsteht vor allem aus dem Hausbrand (> 60%) und den Industrieabgasen, demgegenüber trägt der Fahrzeugverkehr weitaus weniger (< als 25%) dazu bei. „Dabei muss man aber betonen, dass dieser Fahrzeug bedingte Feinstaub vor allem (fast zu 90%) aus den Abgasen moderner Dieselfahrzeuge und durch Reifenabrieb entsteht“, betont Morr. „Da die Größe der Teilchen, die bei der Verbrennung von Dieseltreibstoff entstehen, sehr viel geringer ist als bei Benzinern, sind Dieselabgase für Lebewesen besonders schädlich. Denn die aus Ruß, Schmutz, Staub oder Rauch bestehenden Partikel, die kleiner als 2,5 µg sind (PM 2,5PM 2,5
PM ist die Abkürzung für das englische „particulate matter“ und bezeichnet Teilchen mit einer Größe kleiner als 2,5 µm im Durchmesser.
 
), können besonders tief in die Lunge eindringen. Dann sind sie vom Selbstreinigungssystem der Atemwegsschleimaut nicht mehr zu mobilisieren und können so das Lungengewebe dauerhaft schädigen. Noch kleinere Teilchen wie die Ultrafeinstaubpartikel können sogar bis in die Blutbahn vordringen und die Gefäße in Herz und Gehirn verstopfen, so dass sie dann womöglich zu Herzinfarkten und Schlaganfällen führen. Daher raten wir allen Lungenkranken, deren Atemwege bereits vorgeschädigt sind und auf Schadstoffe jeder Art überempfindlich reagieren, sich nicht länger als nötig in stark verkehrsbelasteten Gegenden aufzuhalten, weil das möglicherweise dazu führen kann, dass sich ihre Atemwegsprobleme verschlimmern. Lieber sollten sie Freunde oder Bekannte bitten, Einkäufe zu übernehmen, oder aber in weniger verkehrsbelasteten Gebieten einkaufen gehen“, empfiehlt Morr.