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24.02.2020

Asthma kann auch mit Beschwerden des Reizdarmsyndroms einhergehen

Dass Asthmatiker oft auch unter Verdauungsproblemen wie Symptomen der Refluxkrankheit oder einer Speiseröhrenentzündung leiden, ist schon länger bekannt. Dies scheint auch für Beschwerden des Reizdarmssyndroms zu gelten, berichten Forscher aus den USA.

Asthma geht oft auch mit gastrointestinalen Beschwerden wie der Refluxkrankheit oder einer Speiseröhrenentzündung (eosinophilen Ösophagitis) einher. Das wird schon seit einigen Jahren beobachtet. Ähnliches könnte auch für das Reizdarmsyndrom gelten, wie eine Studie aus den USA nun belegt (siehe Annals of Gastroenterology, Online-Veröffentlichung am 21.10.2019).

Reizdarmsymptome gehören zu den häufigsten Gründen, warum Patienten in die Ambulanz kommen. Doch eine Diagnose gestaltet sich oft schwierig. Häufig machen den Betroffenen gleichzeitig auch komplizierte rheumatologische oder psychiatrische Krankheiten zu schaffen.

Da sich unter den gastrointestinal Betroffenen auch immer wieder solche mit erhöhten IgE-Werten finden, vermutete das Team um Dr. Farah Deshmukh vom Bassett Medical Center und dem Columbia University College of Physicians and Surgeons, dass das Reizdarmsyndrom (RDS) auch mit Asthma zusammenhängen kann. Daraufhin haben die Wissenschaftler in einer Metaanalyse zehn (aus insgesamt 634 Untersuchungen selektierten) Studien ausgewertet. Dabei zeigte sich, dass Asthmakranke verglichen mit der Allgemeinbevölkerung doppelt so häufig ein Reizdarmsyndrom entwickeln. Dasselbe gelte auch umgekehrt: Bei Patienten mit einem Reizdarmsyndrom ist es doppelt so wahrscheinlich, dass auch eine asthmatische Erkrankung vorliegt.

Wenn bei einem Patienten zugleich pulmonale und gastrointestinale Symptome auftreten, könnten theoretisch Histamin, InterleukineInterleukine
Das sind Substanzen, die als Signalstoffe des Immunsystems wirken. Sie gehören zu den so genannten Zytokinen: Körpereigene Substanzen, die von aktivierten T-Zellen und anderen Zellen während der natürlichen und spezifischen Immunantwort freigesetzt werden.
 
 
und andere Immunmediatoren für die HyperreagibilitätHyperreagibilität
Darunter versteht man eine gesteigerte Reaktionsbereitschaft oder Überempfindlichkeit, zum Beispiel der Bronchien gegenüber äußeren Einflüssen wie Kälte, Änderung des Luftdrucks oder der Luftfeuchtigkeit sowie chemischen Reizstoffen (u.a. Senföl, ätherische Öle, Kampfer, Zigarettenrauch). 
verantwortlich sein. Auch könnten Asthmatiker eine erhöhte Darmpermeabilität aufweisen, so dass diese immunologisch aktiven Substanzen auch leichter in den bzw. vom Magen-Darm-Trakt übertreten. Über die genaue Ursache des offenbar vorliegenden Zusammenhangs zwischen Asthma und Reizdarmsyndrom lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt allerdings nur spekulieren. Wenn aber bei einem Reizdarmsyndrom Atembeschwerden auftreten, raten die Autoren, das Vorliegen einer Asthmaerkrankung in Erwägung zu ziehen und mit einem Lungenfunktionstest zu überprüfen. Umgekehrt sollte man bei Asthmatikern, die gastrointestinale Beschwerden aufweisen, überprüfen, ob möglicherweise ein Reiszdarmsyndrom vorliegt.

Quelle: Medical Tribune vom 29.1.2020