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19.08.2019

Asthma-Antikörper kann COPD-Exazerbationen nicht verhindern

An der Entzündungsreaktion in den Atemwegen bei Asthma und in manchen Fällen von COPD sind eosinophile Granulozyteneosinophile Granulozyten
Zellen des Immunsystems (weiße Blutkörperchen), die Immunkomplexe (Komplexe aus der Antigen-Antikörper-Reaktion) verdauen und somit die darin gebundenen Antigene unschädlich machen. Diese Zelltypen enthalten Körnchen (so genannte Granula) die sich mit dem Farbstoff Eosin (u.a. sauren Farbstoffen) anfärben lassen. Ihr Anteil steigt bei allergischen Reaktionen an (normal sind 2-4% im Blut). 
beteiligt. Deshalb wurde untersucht, ob der AntikörperAntikörper
Antikörper werden auch Immunglobuline (Ig) genannt und sind Eiweißstoffe (Glykoproteine), die der menschliche Körper nach Kontakt mit einem Fremdstoff (Antigen) bildet. Diese Antikörper können dann gezielt (in der sogenannten Antigen-Antikörper-Reaktion) an die Antigene binden. Die so entstehenden Immunkomplexe werden dann unschädlich gemacht. Erhöhte Ig-Mengen weisen allgemein auf eine gesteigerte Immunabwehr hin, wie sie bei akuten oder chronischen Infektionskrankheiten (allergischen und parasitären Krankheiten) häufig auftritt. Man unterteilt die Immunglobuline in vier verschiedene Klassen (Ig A, Ig E, Ig G und Ig M). Je nachdem welcher Typ vermehrt vorliegt, erlaubt dies Rückschlüsse auf die vorliegende Krankheit.
Benralizumab, der bereits erfolgreich gegen schweres eosinophiles Asthma eingesetzt wird, auch bei COPD eine Therapieoption sein könnte.

Eosinophile Granulozyten sind eine spezielle Art von Immunzellen, die an bestimmten Entzündungsreaktionen in der Lunge beteiligt sind, so zum Beispiel bei schwerem eosinophilem Asthma.  Auch bei etwa vier von zehn Betroffenen mit COPD tritt diese Art der Entzündungsreaktion auf und erhöht hier das Risiko für akute Exazerbationen. Zur Behandlung des schweren Asthmas ist der monoklonale Antikörpermonoklonale Antikörper
Diese Antikörper-Zellen (AK) sind Nachkommen von so genannten Zellhybriden, die durch künstliche Verschmelzung von B-Lymphozyten mit geeigneten Tumorzellen entstanden sind, wobei die B-Lymphozyten zuvor gegen ein ganz bestimmtes Antigen sensibilisiert wurden. Monoklonale AK sind gegen ausschließlich eine einzige der zahlreichen unterschiedlichen Andockstellen eines gegebenen Antigens gerichtet. Demgegenüber sind an der Immunantwort gegen ein herkömmliches Antigen meist viele verschiedene B-Lymphozyten und entsprechend viele AK beteiligt.
 
 
Benralizumab zugelassen. Er bindet an spezielle Strukturen der eosinophilen Granulozyten, wodurch diese zerstört und damit inaktiviert werden. Deshalb wurde jetzt untersucht, ob Benralizumab auch bei COPD eine Therapieoption sein könnte (siehe New England Journal of Medicine, Online-Veröffentlichung am 20.5.2019).

In die Studien wurden insgesamt 3910 Betroffene zwischen 40 und 85 Jahren mit mittelschwerer bis schwerer COPD aufgenommen. Alle litten trotz leitliniengerechter Inhalationstherapie häufig unter akuten Krankheitsverschlechterungen, sogenannten Exazerbationen. Bei 2665 der Teilnehmenden lag die Zahl von eosinophilen Granulozyten im Blut außerdem über 220 pro Mikroliter. Dieser Wert deutet darauf hin, dass diese speziellen Immunzellen an der Entzündung in der Lunge beteiligt sind.  

Nach dem Zufallsprinzip erhielten die Probanden über 56 Wochen hinweg zusätzlich entweder eine Therapie mit verschieden hohen Dosen Benralizumab oder ein wirkstofffreies Placebo. Um einen möglichen Effekt des Antikörpers zu messen, wurde überprüft, wie oft es in den verschiedenen Gruppen zu akuten Exazerbationen kam.

Das Ergebnis: In keiner Benralizumab-Dosierung ging die Zahl an Exazerbationen signifikant zurück, verglichen mit dem Placebo. Art und Häufigkeit von Nebenwirkungen waren bei Antikörper und Placebo ähnlich.

Die Ergebnisse zu Benralizumab stehen im Gegensatz zu Studien mit dem Antikörper Mepolizumab. Dieser greift ebenfalls in die eosinophile Entzündungsreaktion ein, jedoch an anderer Stelle. Erste Untersuchungen ergaben, dass Mepolizumab die Zahl an COPD-Exazerbationen senken kann (siehe New England Journal of Medicine, 2017, Band 377, Seite: 1613-1629). Noch ist der Wirkstoff aber nicht für COPD zugelassen.

Quellen: Deutsches Ärzteblatt vom 24.5.19 & Lungeninformationsdienst vom 3.6.19