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13.01.2011

Allergisch auf Bakteriengift?

Schweres Asthma ist möglicherweise häufig die Folge einer Besiedelung von StaphylokokkenStaphylokokken
Dazu gehören zum Beispiel Methycillin-resistente Bakterien der Art Staphylococcus aureus.
 
, auf die der menschliche Körper mit der Bildung von Antikörpern reagiert. Von diesem bisher nicht bekannten Auslösemechanismus für besonders schwere Asthmaformen gehen Wissenschaftler aus Belgien und Polen aufgrund ihrer Forschungserkenntnisse aus.

Besonders schweres Asthma wird möglicherweise durch einen bisher nicht bekannten Auslösemechanismus verursacht, der mit einer Besiedlung durch bestimmte Bakterien (Staphylokokken) zusammenhängt, auf die der menschliche Organismus mit der Bildung von allergietypischen IgE-AntikörperAntikörper
Antikörper werden auch Immunglobuline (Ig) genannt und sind Eiweißstoffe (Glykoproteine), die der menschliche Körper nach Kontakt mit einem Fremdstoff (Antigen) bildet. Diese Antikörper können dann gezielt (in der sogenannten Antigen-Antikörper-Reaktion) an die Antigene binden. Die so entstehenden Immunkomplexe werden dann unschädlich gemacht. Erhöhte Ig-Mengen weisen allgemein auf eine gesteigerte Immunabwehr hin, wie sie bei akuten oder chronischen Infektionskrankheiten (allergischen und parasitären Krankheiten) häufig auftritt. Man unterteilt die Immunglobuline in vier verschiedene Klassen (Ig A, Ig E, Ig G und Ig M). Je nachdem welcher Typ vermehrt vorliegt, erlaubt dies Rückschlüsse auf die vorliegende Krankheit.
reagiert.

Schon lange wird grundsätzlich zwischen allergischem und nichtallergischem Asthma unterschieden. Als ein Prototyp des allergischen Asthmas kann der von Pollen oder Hausstaubmilben ausgelöste, allergische Schnupfen gelten, der mit den Jahren die Atemwege abwärts wandert (Etagenwechsel) und sich mit asthmatypischen Beschwerden - Giemen, Husten, Atemnot - in der Lunge festsetzt. Als nichtallergisch galt bisher ein Asthma, das in der Folge wiederholter Infektionen auftritt. Von dieser nicht-allergischen Asthmaform sind viele Patienten mit schwerster Atemnot betroffen sind, die therapeutisch nur mühsam zu beherrschen ist. Neuerdings gibt es allerdings auch Hinweise, dass unter diesen Patienten ebenfalls einige sind, deren Erkrankung durch allergie-typisches ImmunglobulinImmunglobulin
Das sind Antikörper in Form von Eiweißstoffen (Glykoproteine), die der menschliche Körper nach Kontakt mit einem Fremdstoff (Antigen) bildet. Diese Antikörper können dann gezielt (in der so genannten Antigen-Antikörper-Reaktion) an die Antigene binden und die so entstehenden Immunkomplexe unschädlich gemacht werden.
Erhöhte Ig-Mengen weisen auf eine gesteigerte Immunabwehr hin, wie sie bei akuten oder chronischen Infektionskrankheiten (allergischen und parasitären Krankheiten) häufig auftritt. Man unterteilt die Immunglobuline in vier verschiedene Klassen (Ig A, Ig E, Ig G und Ig M). Je nachdem welcher Typ vermehrt vorliegt, erlaubt dies Rückschlüsse auf die vorliegende Krankheit.
der Klasse E (IgE) bedingt sein dürfte. Dieses IgE ist nicht nur gegen einzelne, sondern gegen tausende AllergeneAllergene
Das sind Stoffe, die vom Immunsystem des Körpers als „fremd" eingestuft und deshalb angegriffen werden, was zu einer übersteigerten Abwehrreaktion (= Allergie mit Überempfindlichkeit des Körpers gegen das jeweilige Allergen) führt.
Man unterscheidet tierische, pflanzliche und chemische Allergene, wobei fast jede Umweltsubstanz eine Allergie auslösen kann. Ein potenzielles Allergen ist eine Substanz, die aufgrund ihrer biochemischen Beschaffenheit häufiger als andere Substanzen eine allergische Reaktion hervorrufen kann.
 
 
 
gerichtet (ein so genannter polyklonaler Antikörper). Das erklärt, warum manchen Asthma-Patienten mit Standardmedikamenten nur ungenügend geholfen werden kann.

Wissenschaftler aus Lodzs (Polen) und Gent (Belgien) konnten nun in einer Studie (siehe Allergy 2011, Band 66/1, Seite 32–38) nachweisen, dass Patienten mit schwerem Asthma, das nur mühsam therapierbar ist (severe refractory asthma = SRA), häufig hohe Titer von IgE-AntikörpernIgE-Antikörpern
Das sind Antikörper der Klasse E, die gezielt (in der sogenannten Antigen-Antikörper-Reaktion) an bestimmte Antigene andocken können und dann durch eine Brückenbindung an so genannte Mastzellen zu einer Ausschüttung von Histamin führen (siehe auch Allergie vom Soforttyp, Allergietyp I). Dies verursacht eine Entzündungsreaktion. Erhöhte Ig E-Spiegel im Blut treten vor allem bei allergischen und parasitären Krankheiten auf. 
gegen Staphylokokken-Toxine im Blut haben. Sie müssen also eine Infektion mit den Eitererregern (Staphylococcus aureus) durchgemacht und auf deren Giftstoffe (Enterotoxine) mit der Bildung von IgE-Antikörpern reagiert haben, die als die typischen Allergie-Marker gelten. Besonders deutlich war das Zusammentreffen von SRA und polyklonalem IgE bei Frauen ausgeprägt sowie bei Menschen, die schon als Kinder eine typische Asthma-Atemnot zeigten, und bei Patienten, die überempfindlich auf Aspirin reagieren.

Damit ist zwar der ursächliche Zusammenhang einer Staphylokokken-Infektion mit einem späteren, schweren Asthma noch nicht bewiesen. Die Indizien seien allerdings bedeutsam, meint Prof. Claus Bachert, in Gent an der Studie beteiligt und Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI): „Wir können die Wirkung der Staphylokokken im Tiermodell nachahmen, und wir können die Freisetzung der Bakteriengifte (Toxine) im Gewebe aufzeigen - allerdings müssen wir noch zeigen, dass mit dem Wegfangen der Toxine die Krankheit verschwindet.“

In einer früheren Arbeit hatte Bachert von Patienten mit schwerem Asthma berichtet, die mit Staphylokokken besiedelte Polypen und hohe IgE-Titer aufwiesen. Ihnen half schließlich eine Therapie mit monoklonalen Antikörpern gegen IgE - wie sie bei schweren Allergien ebenfalls angewendet wird. Diese - sehr teuren - Antikörper binden das IgE und verhindern dadurch, dass im Körper eine biochemische Kaskade ausgelöst wird, die zu einem Asthma-Anfall führt. Eine therapeutische Alternative für SRA-Patienten sind ansonsten Glukokortikoide (Kortison) und im akuten Anfall Beta-2-Mimetika, die eine Erweiterung der Bronchien erreichen. Diese Therapie stößt bei manchen Patienten dennoch an Grenzen. Das Ausmaß ihrer Atemnot dürfte zu den quälendsten Krankheitsformen überhaupt gehören. Bachert sieht aufgrund der neuen Erkenntnisse Chancen, diesen Menschen in Zukunft besser helfen zu können: „Bei Patienten mit besonders schweren Atemwegserkrankungen können die Anti-IgE-Antikörper möglicherweise auch dann angewendet werden, wenn keine herkömmliche Allergie vorliegt, sondern das durch Staphylokokken verursachte Krankheitsbild, wie wir es in unserer Studie gesehen haben.“

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI)