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25.10.2010

Aktuelle Daten zu den Volkskrankheiten Asthma und COPD

Anlässlich der 100-jährigen Jubiläumsfeier der DGP in Berlin nannte Prof. Worth aus Fürth aktuelle Zahlen zu Asthma und COPD – insbesondere im Hinblick auf die gegenwärtigen und zu erwartenden Häufigkeiten dieser Lungenerkrankungen, die Behandlungsmöglichkeiten für die betroffenen Patienten und die Kosten für das Gesundheitssystem.

Anlässlich der 100-jährigen Jubiläumsfeier der DGP in Berlin am 6.10.10 im Langenbeck-Virchow-Haus gab Prof. Dr. med. Heinrich Worth, Chefarzt der Med. Klinik I am Klinikum Fürth einen Überblick über die Volkskrankheiten Asthma und COPD (chronisch obstruktive Lungenkrankheit) – einschließlich aktueller Zahlen zu ihren Häufigkeiten und Kosten für das Gesundheitssystem: „Asthma und die obstruktiven Atemwegserkrankungen Asthma und COPD gehören zu den häufigsten chronischen Erkrankungen. Schätzungsweise sind 4 – 5 % der Erwachsenen und mehr als 10 % der Kinder in Deutschland asthmakrank. Die sozioökonomischen Folgen sind beträchtlich. Trotz der gesunkenen Zahl an Asthmatodesfällen liegen die Krankheitskosten bei 2 Milliarden Euro pro Jahr.“

Weniger Notfälle dank moderner Medikamente

Asthma ist durch eine Entzündung im Bereich der Atemwege gekennzeichnet, bei der insbesondere eosinophile Zellen bzw. regulierende T-ZellenT-Zellen
T-Lymphozyten oder T-Zellen kommen hauptsächlich in der Lymphflüssigkeit vor und reifen im Thymus (daher das T) heran. Sie sorgen (wie die B-Lymphozyten auch) für die Immunabwehr und sind sogenannte „immunkompetente Zellen", weil sie die Fähigkeit besitzen, diejenigen Fremdstoffe (bzw. deren Antigene), mit denen sie in Kontakt kommen, individuell zu erkennen und speziell zu bekämpfen.
beteiligt sind und zum Beschwerdebild mit anfallsartiger Atemnot, Husten und Auswurf beitragen. „Während Asthma vor ca. 30 Jahren noch als Anfallskrankheit häufig, vor allem in der Nacht, ärztlicher Interventionen bedurfte, hat sich dies durch den Einsatz moderner Asthmamedikamente deutlich gewandelt“, berichtete Prof. Worth. „Hierzu haben insbesondere inhalative Kortikosteroide zur Unterdrückung der asthmatischen Entzündung in der Dauertherapie sowie langwirksame Beta-2-Sympathomimetika beigetragen. Die stark wechselnde Symptomatik bedarf einer intensiven Selbstkontrolle der Erkrankung anhand der Beschwerden und des Ausmaßes der funktionellen Beeinträchtigung durch den Patienten. Mit Hilfe einer strukturierten Schulung gelingt es den geschulten Patienten häufig, Änderungen des Beschwerdebildes zu erfassen und eine adäquate zeitnahe Therapieanpassung zu durchzuführen.“

Auch heute noch hohe Sterblichkeit bei Asthma

Welche Schwierigkeiten auch weiterhin noch bei der Behandlung von Asthmatikern auftreten erläuterte Prof. Worth folgendermaßen: „Probleme im Management der Erkrankung bestehen in der Diagnostik des Asthmas älterer Patienten, bei denen infolge von zusätzlichen Begleiterkrankungen (Komorbiditäten) andere Krankheitsbilder mit ähnlicher Symptomatik zu unzureichenden Diagnosestellungen beitragen, ferner im unzureichenden Einsatz inhalativer Kortikosteroide als dem wesentlichen Basismedikament sowie in der unzureichenden Nutzung nicht medikamentöser Maßnahmen wie der Bewegungstherapie. Selbst unter wirksamer Therapie ist Asthma auch heute noch mit einer erheblichen Morbidität verbunden, die durch Charakterisierung verschiedener Phänotypen mit der Möglichkeit einer individuell optimierten Therapie, Einbeziehung des Patienten in das Management seiner chronischen Krankheit und noch effektiverer medikamentöser Therapieoptionen verringert werden kann.“

Extreme Zunahme der COPD zu erwarten

Die COPD, die chronisch obstruktive Bronchitis und das Lungenemphysem umfasst, ist durch eine nicht vollständige, reversible Atemwegsobstruktion gekennzeichnet. Weltweit ist die COPD gegenwärtig die vierthäufigste Todesursache. „Nach einer aktuellen Morbiditätsprognose häufiger Erkrankungen in Deutschland wird die COPD von 6,4 Millionen im Jahre 2007 um 23% im Jahre 2030 zunehmen“, betonte Prof. Worth. Charakteristische Symptome sind Atemnot unter Belastung, chronischer Husten und Auswurf. Wichtigster Risikofaktor und Hauptursache der Erkrankung ist das Zigarettenrauchen. Die Diagnostik der COPD erfolgt oft erst relativ spät im Verlauf der Erkrankung, da das Beschwerdebild von den betroffenen Patienten häufig nicht einer Krankheit, sondern dem höheren Lebensalter oder dem Tabakkonsum zugeordnet wird.

Was COPD-Patienten tun können

„Das Management der Erkrankung umfasst präventive Maßnahmen, insbesondere die Aufgabe des Tabakkonsums und eine medikamentöse Therapie, insbesondere mit Bronchodilatatoren“, erklärte Prof. Worth. „Zur Besserung der körperlichen Belastbarkeit und Steigerung der Lebensqualität tragen auch nicht medikamentöse Maßnahmen, insbesondere körperliches Training bei, welches in Deutschland leider bisher nicht flächendeckend verfügbar ist. Bei schwer erkrankten Patienten mit schwerer Atemnot und Sauerstoffmangel können apparative Hilfen wie die LangzeitsauerstofftherapieLangzeitsauerstofftherapie
Eine Sauerstofflangzeittherapie (LTOT - abgekürzt aus dem Englischen long time oxygen therapy) ist der Ansicht von Spezialisten zufolge nur dann angezeigt und sinnvoll, wenn bereits mehrmals eine Sauerstoffmessung (meist anhand einer Blutprobe aus dem Ohrläppchen) durchgeführt wurde und die Sauerstoffwerte dabei immer wieder zu niedrig ausgefallen sind. Dann allerdings muss die Anwendung des Naturstoffes Sauerstoff (O2) über einen längeren Zeitraum, evtl. sogar dauernd erfolgen. Eine kurzzeitige Anwendung für lediglich ein paar Minuten pro Tag, ist zwar im Allgemeinen nicht schädlich, medizinisch gesehen aber sinnlos.
 
 
und die Heimbeatmung Linderung der Atemnot verschaffen. Besonders wichtig sind die Prävention und die rasche Beherrschung von akuten Verschlechterungen (Exazerbationen), die den Krankheitsverlauf ungünstig beeinflussen. Das optimierte Management der COPD muss den Patienten und die Auswirkungen der COPD auf andere Organsysteme mit Beeinträchtigung der Psyche (Depression), des Herz-Kreislaufsystems, der Muskulatur, des Ernährungszustandes und des Skelettsystems berücksichtigen. Zur Optimierung des Behandlungserfolges ist ein Netzwerk kompetenter Betreuer anzustreben. Hierzu gehören Hausarzt wie Facharzt, Akutkrankenhaus und Rehabilitationsklinik, Physiotherapeut, Übungsleiter ambulanter Lungensportgruppen, Apotheker sowie gelegentlich auch Sozialpädagogen und Psychologen.“

Aufbau von Netzwerken zur Erforschung der COPD

Die Zukunft der COPD ist darauf ausgerichtet, neue Medikamente zu entwickeln, die den Krankheitsverlauf elementar modifizieren. „Hierzu ist ein besseres Verständnis der Pathogenese der Erkrankung erforderlich, das nur durch eine systematische Analyse genau charakterisierter Patientenkollektive gewonnen werden kann“, bekräftigte Prof. Worth. „Dazu werden auch in Deutschland große Netzwerke aufgebaut mit dem Ziel, COPD-Patienten aller Schweregrade zu charakterisieren und die pulmonalen und systemischen (extrapulmonalen) Auswirkungen der Erkrankung zu erfassen.“