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17.07.2020

Warum auch Nichtraucher an COPD erkranken können

Wer engere Atemwege (schmalere bronchiale Verästelungen) im Vergleich zum gesamten Lungenvolumen aufweist, hat ein höheres Risiko an COPD zu erkranken. Darauf machen die Lungenärzte der Deutschen Lungenstiftung aufmerksam unter Berufung auf aktuelle Studienergebnisse aus den USA.

Die chronisch-obstruktive Lungenerkrankung COPD (sog. Raucherbronchitis) wird bekanntlich vor allem durch Tabakkonsum verursacht und geht typischerweise mit starkem Husten (mit oder ohne Auswurf) sowie Atemnot (zunächst bei körperlicher Belastung, später auch in Ruhestellung) einher. Dennoch geben etwa ein Drittel der COPD-Patienten an, niemals geraucht zu haben. Forscher aus den USA liefern jetzt eine mögliche Erklärung dafür, warum auch Nichtraucher an COPD erkranken können: Die Betroffenen haben offenbar erheblich engere Atemwege (schmalere bronchiale Verästelungen) im Vergleich zum gesamten Lungenvolumen als Nichtraucher, die keine COPD bekommen. Darauf machen die Lungenärzte der Deutschen Lungenstiftung aufmerksam unter Berufung auf die aktuellen Studienergebnisse aus den USA (siehe JAMA Network, Online-Veröffentlichung am 9.6.2020).

Je schmäler die Verästelungen in den Bronchien, umso enger die Atemwege

Forscher um Benjamin M. Smith vom Columbia University Medical Center in New York haben die Daten von drei verschiedenen Studien (MESA, CanCOLD und SPIROMICS) über Raucher und Nichtraucher mit und ohne COPD analysiert, in denen die sog. „airway to lung ratio“ der Studienteilnehmer bestimmt wurde. Hierzu wird in Computertomographie-Aufnahmen die Weite der bronchialen Verästelungen an 19 anatomischen Regionen ausgemessen und in Beziehung zum Gesamtvolumen der Lunge gesetzt. Je kleiner dieses Verhältnis ausfällt, umso engere Atemwege liegen vor.

Je enger die Atemwege, umso eher kann sich eine COPD entwickeln

Alle drei Studien zeigten auf: Studienteilnehmer mit engeren Atemwegen entwickelten deutlich häufiger eine COPD als solche mit weiteren Atemwegen. Nichtraucher, die an COPD erkrankten, hatten weitaus schmälere Atemwegsverästelungen als diejenigen Raucher, die trotz ihres hohen Tabakkonsums keine COPD entwickelten. „Je enger die Atemwege sind, umso eher kann es zu Behinderungen des Atemflusses und gerade bei zusätzlicher Schadstoffeinwirkung wie Rauchen auch zur Entwicklung einer COPD kommen – das ist an sich gut nachvollziehbar“, erklärt Prof. Adrian Gillissen, Stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Lungenstiftung und Direktor der Abteilung für Innere Medizin und PneumologiePneumologie
Die Atemwegs- und Lungenheilkunde (Pneumologie) ist ein Teilgebiet der Inneren Medizin, das sich mit der Vorbeugung, Erkennung und fachärztlichen Behandlung von Krankheiten der Lunge, der Bronchien, des Mediastinums (Mittelfell) und der Pleura (Rippen- und Lungenfell) befasst.
von der Ermstalklinik Reutlingen-Bad Urach.

Frauen haben engere Atemwege als Männer und damit ein größeres Erkrankungsrisiko

Die Studienergebnisse können auch erklären, warum Frauen bei vergleichbarem Tabakkonsum wie Männer, häufiger an COPD erkranken: „Die meisten Frauen sind anlagebedingt mit einem tendenziell engeren Bronchialsystem im Vergleich zu Männern ausgestattet - man spricht auch von Dysanapsis“, erläutert Prof. Gillsissen. „Eine solche Dysanapsis weisen auch schon manche Heranwachsenden auf, die bereits in der Kindheit eine schlechtere Lungenfunktion haben als gesunde Gleichaltrige. Hier kann man neben dem unbedingten Verzicht auf das Rauchen versuchen, mit Lungensport und körperlicher Aktivität entgegenzuwirken, um eine Verbesserung der LungenfunktionLungenfunktion
zu erreichen“, rät Prof. Gillissen.

Autor: äin-red

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