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22.07.2021

Atemschutzmasken beeinträchtigen die Atmung auch bei Asthma nicht

Auch Patienten und Patientinnen mit Asthma, die eine Mund-Nasen-Maske tragen, können genügend Sauerstoff aufnehmen und ausreichend Kohlendioxid abatmen. Das belegt eine US-Studie.

© candy1812_AdobeStock

Das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung ist ein wichtiger Pfeiler bei der Bekämpfung der COVID-19-Pandemie. Doch einige Menschen weigern sich beharrlich, entsprechende Masken zu tragen. Zum einen, weil sie sie als unbequem empfinden. Zum anderen, weil sie gesundheitliche Beeinträchtigungen oder gar Schäden befürchten. „Ich krieg keine Luft mit dem Ding“ lautet häufig die Begründung. Objektivieren lässt sich diese Atemnot aber nicht, wie eine aktuelle Studie zeigt (siehe PLoSOne, Online-Veröffentlichung am 24.2.2021).

In kleineren Studien mit nur wenigen Teilnehmern wurde bereits gezeigt, dass die Atemschutzmasken die Funktion des Herz-Kreislauf-Systems kaum beeinträchtigen. Jetzt haben Dr. Steven Shein und seine Kollegen vom Rainbow Babies and Children’s Hospital in Cleveland mit einer größeren Gruppe Erwachsener die Auswirkungen der Masken auf Herzfrequenz, transkutanen Kohlendioxidpartialdruck und die Sauerstoffsättigung des BlutesSauerstoffsättigung des Blutes
Die Pulsoximetrie ist ein nicht-invasives Verfahren (d.h. für den Patienten schmerzlos, völlig ungefährlich und unblutig), mit dem die Sauerstoffsättigung des arteriellen Blutes (Oximetrie) und die Herzfrequenz (Puls) ermittelt werden, ohne dabei ein Blutgefäß punktieren zu müssen.   
Die Sättigung des Blutes mit Sauerstoff wird durch die Beladung des Hämoglobins mit Sauerstoff wiedergegegebn. Um die Sauerstoffsättigung zu ermitteln, macht man sich zunutze, dass das Hämoglobin in Abhängigkeit von der Beladung mit Sauerstoff das Licht bestimmter Wellenlängen unterschiedlich absorbiert.
Das Pulsoximeter ist ein kleines Gerät in Form eines Clips, der an einen Finger (Finger-Pulsoximeter) des Patienten oder an sein Ohrläppchen geklippt wird. Es rechnet die unterschiedlichen Abschwächungsgrade der Lichtabsorption in einen Wert um, der in Prozent angegeben wird. Zusätzlich kann es den Herzschlag bzw. peripheren Puls messen und die Frequenz über ein Display oder akustisch über einen Piep-Ton ausgeben.
untersucht.

Die 50 Probanden waren zwischen 29 und 45 Jahren alt. Der Durchschnitt lag bei 33 Jahren. Fast jeder dritte Teilnehmer (32 %) litt an einer relevanten Erkrankung wie Asthma oder BluthochdruckBluthochdruck
Laut Hochdruckliga liegt der ideale Blutdruck bei 120/80 mmHg. Bluthochdruck ist eine krankhafte Steigerung des Blutdruckes in den Arterien auf einen systolischen Wert von über 140 mmHg und einen diastolischen Wert von über 90 mmHg. Bluthochdruck ist ein wichtiger Risikofaktor für Gefäßerkrankungen, Nierenschwäche und Herzschwäche.
(Hypertonie). Die Messungen erfolgten über einen Zeitraum von zehn Minuten, und zwar sowohl in Ruhe als auch beim flotten Gehen, jeweils ohne Mund-Nasen-Bedeckung, mit einem entsprechenden Schutz aus Stoff oder mit einer chirurgischen Maske.

Im Sitzen hatten die verschiedenen Maskenmodelle keinerlei Auswirkungen auf die untersuchten Parameter. Erwartungsgemäß stieg die Herzfrequenz beim Laufen ohne Maske um etwa 30 Schläge pro Minute an, wobei Kohlendioxidpartialdruck und Sauerstoffsättigung weitgehend unverändert blieben. Beim flotten Gehen mit der chirurgischen Maske war die Herzfrequenz im Mittel zweieinhalb Schläge pro Minute höher als bei gleicher Belastung ohne Gesichtsbedeckung – ein Unterschied, der nach Einschätzung der Wissenschaftler klinisch nicht relevant sein dürfte.

Auswirkungen auf den Gasaustausch ließen sich nicht beobachten und kein einziger der Probanden entwickelte beim Tragen von Stoff- oder OP-Maske einen Sauerstoffmangel (Hypoxämie) oder einen Überschuss an Kohlendioxid (Hyperkapnie). Man kann besorgte Menschen also guten Gewissens beruhigen: Auch unter den Masken bekommt man genug Sauerstoff und kann ausreichend Kohlendioxid abatmen. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Gasaustausch durch den Mund-Nasen-Schutz gestört wird, geht gegen Null, betonen die Forscher. Und das gilt gleichermaßen für Gesunde und Menschen mit Asthma oder Bluthochdruck.

Quelle: Medical Tribune vom 25.3.2021