LUNGENÄRZTE

im Netz

In Zusammenarbeit mit:

Herausgeber:

12.12.2018

Erreger von Lungenentzündungen werden nicht nur über den Luftweg übertragen

Bisher wurde angenommen, dass PneumokokkenPneumokokken
Das sind kugelförmige Bakterien, die (im Gegensatz zu Legionellen) mit dem Antibiotikum Penicillin meistens gut in den Griff zu bekommen sind. Gegen die von Pneumokokken verursachte Lungenentzündung gibt es auch eine vorbeugende Impfung.
nur durch Husten und Niesen übertragen werden. Jetzt zeigt eine aktuelle Studie, dass man sich auch durch direkten Kontakt mit Hand oder Nase infizieren kann. Somit ist auch angetrocknetes Nasensekret potenziell infektiös. Den besten Schutz bietet eine Impfung. Darauf machen die Lungenärzte der Deutschen Gesellschaft für PneumologiePneumologie
Die Atemwegs- und Lungenheilkunde (Pneumologie) ist ein Teilgebiet der Inneren Medizin, das sich mit der Vorbeugung, Erkennung und fachärztlichen Behandlung von Krankheiten der Lunge, der Bronchien, des Mediastinums (Mittelfell) und der Pleura (Rippen- und Lungenfell) befasst.
und Beatmungsmedizin (DGP) aufmerksam.

© psdesign1_Fotolia.com

Bisher wurde angenommen, dass die häufigsten Erreger von Lungenentzündungen (sog. Pneumokokken) nur durch Husten und Niesen – also durch eine Tröpfcheninfektion über den Luftweg beim Einatmen – übertragen werden. Jetzt zeigt eine aktuelle Studie, dass man sich mit Pneumokokken auch durch direkten Kontakt mit Hand oder Nase infizieren kann (siehe European Respiratory Journal 2018, Band 52, Seite: 1800599). „Das zeigt, wie wichtig eine gute Handhygiene ist, um eine Ansteckung und Verbreitung dieser Bakterien möglichst zu unterbinden“, betont Prof. Dr. Klaus F. Rabe, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) und Ärztlicher Direktor der LungenClinic Grosshansdorf. Für Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen sowie weitere Risikogruppen – wie Ältere über 60 Jahren, Patienten mit einer Immunschwäche oder immununterdrückender Medikation, mit einer chronischen Herzerkrankung, behandlungsbedürftigem Diabetes oder bestimmten neurologischen Erkrankungen – ist außerdem  eine Impfung gegen Pneumokokken anzuraten. Darauf weisen die Lungenärzte der DGP hin.

Auch angetrocknetes Nasensekret ist potenziell infektiös

Pneumokokken besiedeln bei vielen Menschen die Schleimhäute der oberen Atemwege (d.h. den Nasen-Rachenraum), meist ohne dass die Betroffenen erkranken. So sind 40-90 Prozent der Kinder unter fünf Jahren und circa 10 Prozent der Erwachsenen Träger dieser Bakterien und damit potenzielle Überträger. Damit können sie für die oben genannten Risikogruppen ein Gesundheitsrisiko darstellen. Und zwar – wie die aktuelle Studie zeigt - nicht nur wenn die Bakterienträger akut erkältet sind und dann andere durch Husten oder Niesen anstecken, sondern auch direkt durch Händekontakt mit Infizierten, die zuvor ihre Nase z. B. durch Reiben, Bohren o.ä. berührt haben. „Dabei ist nicht nur flüssiges, sondern auch angetrocknetes Nasensekret potenziell infektiös, wie die Studie in Experimenten nachgewiesen hat“, berichtet Prof. Rabe. Umso wichtiger ist es, die Hände häufig und gründlich zu waschen. Wobei gerade bei kleinen Kindern auch die Spielsachen und andere Gegenstände oder Oberflächen, die sie täglich anfassen, öfter gereinigt werden sollten - insbesondere wenn die Großeltern oder andere Menschen mit einem erhöhten Infektionsrisiko zu Besuch kommen. Dies kann die Übertragungsgefahr etwas senken, wenn auch freilich nicht gänzlich aus der Welt schaffen. Weitere, denkbare Infektionsquellen für Pneumokokken wie auch für andere Krankheitserreger sind z.B. das Trinken aus demselben Glas oder die gemeinsame Benutzung von Handys bzw. Computern.

Impfung gegen Pneumokokken bietet Risikogruppen den besten Schutz

Pneumokokken können nicht nur Lungenentzündungen verursachen, sondern auch Mittelohr- und Hirnhautentzündungen. Schwere Infektionen verlaufen bei 2-10 Prozent der Erkrankten tödlich. Den besten Schutz vor einer Ansteckung bietet eine Pneumokokken-Impfung. Patienten mit chronischen Lungenkrankheiten wie COPD oder Asthma wird von der Stiko des Robert Koch-Instituts der Pneumokokken-Polysaccharid-Impfstoff PPSV23 empfohlen, der vor 23 verschiedenen Pneumokokkentypen schützt und alle sechs Jahre aufgefrischt werden sollte. Dabei kann die Pneumokokken-Impfung gleichzeitig mit der Grippe-Impfung erfolgen.

Dies ist eine Pressemeldung der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP). Der Abdruck dieser Pressemeldung oder von Teilen des Artikels ist unter folgender Quellenangabe möglich: www.lungenaerzte-im-netz.de. Bei Veröffentlichung in Online-Medien ist diese Quellenangabe (in Form eines aktiven Links entweder auf die Startseite oder auf eine Unterseite der Webseite der Lungenärzte-im-Netz) erforderlich, bei Veröffentlichung in Printmedien ist ebenfalls ein Hinweis auf diese Webadresse notwendig.