LUNGENÄRZTE

im Netz

In Zusammenarbeit mit:

Herausgeber:

27.11.2020

Zweite Zellandockstelle verhilft SARS-CoV-2 zu größerer Infektiosität und Symptomvielfalt

Das Coronavirus (SARS-CoV-2) nutzt neben dem bereits bekannten ACE2-Rezeptor auch den so genannten Neurolipin-1-Rezeptor als Eintrittspforte. Dieser kommt in mehreren menschlichen Geweben einschließlich obere Atemwege, Blutgefäße und Nervenzellen vor. Das würde eine Erklärung dafür bieten, wieso SARS-CoV-2 infektiöser als sein Vorgänger, SARS-CoV-1, ist und ein viel breiteres Spektrum an Symptomen hervorrufen kann. Darauf weisen die Lungenärzte der Deutschen Lungenstiftung unter Berufung auf aktuell in Science veröffentlichte Studienergebnisse hin.

© peterschreiber_media_AdobeStock

Das Coronavirus SARS-CoV-2 benutzt im Gegensatz zu seinem Vorgänger, SARS-CoV-1, eine zweite Andockstelle (Rezeptor), um menschliche Zellen zu infizieren. Das könnte erklären, wieso SARS-CoV-2 sehr viel ansteckender (infektiöser) als sein Vorgänger ist, da es nicht nur einen sondern gleichzeitig zwei Rezeptortypen nutzen kann, um in die Zellen einzudringen. Wie ein internationales Forscherteam berichtet (siehe Science, Online-Veröffentlichung am 13.11.2020, Seite 856-860), dient dem SARS-CoV-2-Virus neben dem bereits bekannten ACE2-Rezeptor auch der so genannte Neurolipin-1-Rezeptor als Eintrittspforte, der in mehreren menschlichen Geweben einschließlich obere Atemwege, Blutgefäße und Nervenzellen vorkommt. „Das würde auch eine Erklärung dafür bieten, wieso SARS-CoV-2 ein so breites Spektrum an Symptomen hervorrufen kann“, kommentiert Prof. Gillissen, Stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Lungenstiftung und Direktor der Abteilung für Innere Medizin und PneumologiePneumologie
Die Atemwegs- und Lungenheilkunde (Pneumologie) ist ein Teilgebiet der Inneren Medizin, das sich mit der Vorbeugung, Erkennung und fachärztlichen Behandlung von Krankheiten der Lunge, der Bronchien, des Mediastinums (Mittelfell) und der Pleura (Rippen- und Lungenfell) befasst.
von der Ermstalklinik Reutlingen-Bad Urach.

Breites Spektrum an möglichen Symptomen besser nachvollziehbar

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) zählen Husten, Fieber, Schnupfen, sowie Geruchs- und Geschmacksverlust zu den im deutschen Meldesystem am häufigsten erfassten Symptomen einer Infektion mit SARS-CoV-2. Manchmal können aber auch Halsschmerzen, Atemnot, Lungenentzündung, Kopf- und Gliederschmerzen, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Übelkeit, Bauchschmerzen, Erbrechen, Durchfall, Bindehautentzündung, Hautausschlag, Lymphknotenschwellung, Teilnahmslosigkeit (Apathie) oder Bewusstseinsstörungen auftreten. Der Vorgänger SARS-CoV-1, der bei einer Infektion nur ACE2-Rezeptoren nutzt, verursacht hingegen vor allem Symptome der unteren Atemwege.

Mögliche Erklärung für häufige Riechstörungen

Eine besonders hohe Dichte an Neuropilin-1-Rezeptoren findet man bei Menschen in der Nase im so genannten Riechepithel. „Das würde erklären, warum es nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 häufig zu Riechstörungen kommt“, berichtet Prof. Gillissen. Vor einigen Wochen hatten andere Forscher herausgefunden, dass Coronaviren auch ins Gehirn vordringen können. „Rein theoretisch könnten Viruspartikel von der Nasenschleimhaut zum zentralen Nervensystem gelangen, da es über das Riechepithel eine direkte Verbindung zum Gehirn gibt. Ob sie wirklich diesen direkten Weg über das Riechepithel nehmen, ist jedoch unklar. Vielmehr ist anzunehmen, dass dieser Transportweg bei den meisten Patienten durch das ImmunsystemImmunsystem
Das körpereigene Abwehrsystem besteht aus drei Funktionskreisen:
(1) Knochenmark als Bildungsort für Immunzellen.
(2) Verschiedene zentrale Immunorgane wie Thymus (Prägung von T-Lymphozyten) und darmnahe Lymphorgane (für die Prägung von B-Lymphozyten).
(3) Sekundäre Lymphorgane wie Milz, Lymphknoten und Mandeln (Tonsillen).
Man unterscheidet die so genannte humorale Abwehr (über die Körperflüssigkeiten mit darin enthaltenen Antikörpern und Faktoren aus dem so genannten Komplementsystem) und die zellvermittelte Abwehr (mit B- und T-Zellen, Makrophagen, Antigen-präsentierenden Zellen, Granulozyten u.a.).
unterdrückt wird“, erläutert Prof. Gillissen.

Autor: äin-red

Dies ist eine Pressemeldung der Deutschen Lungenstiftung e.V.. Der Abdruck dieser Pressemeldung oder von Teilen des Artikels ist unter folgender Quellenangabe möglich: www.lungenaerzte-im-netz.de. Bei Veröffentlichung in Online-Medien ist diese Quellenangabe (in Form eines aktiven Links entweder auf die Startseite oder auf eine Unterseite der Webseite der Lungenärzte-im-Netz) erforderlich, bei Veröffentlichung in Printmedien ist ebenfalls ein Hinweis auf diese Webadresse notwendig.