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25.09.2015

Wie Bauernhof-Staub vor Allergien schützt

Auf Bauernhöfen lebende Kinder neigen seltener zu Allergien. Für ihr besser trainiertes ImmunsystemImmunsystem
Das körpereigene Abwehrsystem besteht aus drei Funktionskreisen:
(1) Knochenmark als Bildungsort für Immunzellen.
(2) Verschiedene zentrale Immunorgane wie Thymus (Prägung von T-Lymphozyten) und darmnahe Lymphorgane (für die Prägung von B-Lymphozyten).
(3) Sekundäre Lymphorgane wie Milz, Lymphknoten und Mandeln (Tonsillen).
Man unterscheidet die so genannte humorale Abwehr (über die Körperflüssigkeiten mit darin enthaltenen Antikörpern und Faktoren aus dem so genannten Komplementsystem) und die zellvermittelte Abwehr (mit B- und T-Zellen, Makrophagen, Antigen-präsentierenden Zellen, Granulozyten u.a.).
scheinen ein Enzym im Körper und bestimmte Teile von Bakterien verantwortlich zu sein…

Auf Bauernhöfen aufwachsende Kinder bekommen seltener Allergien - dem Mechanismus dahinter sind Forscher nun ein Stück näher gekommen. Demnach sind Endotoxine ein bedeutsamer Faktor. Das sind  von Bakterien freigesetzte Verbindungen, die z.B. vom Menschen über die Schleimhäute aufgenommen werden. „Man wusste immer, dass der Schutz vor Allergien mit dem Stallaufenthalt zu tun hat, aber man wusste nicht, warum“, erläutert Erika von Mutius, Leiterin der Asthma- und Allergieambulanz am Dr. von Haunerschen Kinderspital in München. „A20 ist ein ganz neu entdecktes Enzym, das offenbar eine unterdrückende Funktion hat.“

Versuche mit Mäusen hätten gezeigt, dass diese bei täglicher Aufnahme solcher Substanzen weniger stark auf allergieauslösende Faktoren reagieren (siehe Science, Online-Veröffentlichung am 5.9.2015). Vermittelt werde der schützende Effekt über das Enzym A20, das Entzündungsreaktionen im Körper beeinflusst. „Das Enzym selber muss aktiviert werden - und das tut auf irgendeine noch unbekannte Weise der Stallstaub“, berichtet von Mutius. „Die Untersuchungen haben gezeigt, dass diese ganze Entzündungskaskade, die zu allergischem Asthma führt, nicht mehr abrollen kann, wenn A20 aktiviert ist.“ Bei Asthmatikern komme das Enzym in geringerem Maße in der Schleimhaut vor. „Das Enzym wird von einem Gen produziert und wenn dieses Gen nicht ganz in Ordnung ist, dann gibt es ein Risiko für Asthma.“

Kinder auf Bauernhöfen oder mit Haustieren in der Wohnung atmen über den Staub aus Stall oder Käfig mehr Pilz- und Bakterienpartikel ein. Vor allem bestimmte, bei Kühen vorkommende Mikroben gelten als allergiemindernd. Neben vielen anderen Partikeln enthält der Staub in der Luft auch verschiedene Endotoxine, stabile Bestandteile der äußeren Zellmembran von Bakterien. Über die Schleimhäute oder andere Wege in den Körper aufgenommen, aktivieren sie bestimmte Signalwege und führen so zu Entzündungen.

Die Forscher um Martijn Schuijs von der Universität Gent in Belgien und Erika von Mutius von der Ludwig-Maximilians-Universität in München hatten nun Mäuse zwei Wochen lang täglich Endotoxine in niedrigen Dosen verabreicht, zudem gab es eine unbehandelte Kontrollgruppe. Anschließend wurden die Tiere beider Gruppen Staubmilben ausgesetzt, die auch beim Menschen allergische Reaktionen auslösen können. Die mit Endotoxinen behandelten Tiere hätten keine allergischen Symptome entwickelt, wohl aber die Kontrollgruppe, berichten die Forscher. Ähnliche Ergebnisse gab es, wenn den Tieren auf deutschen Bauernhöfen gesammelter Staub verabreicht wurde.

In weiteren Versuchen prüften die Wissenschaftler die Abläufe in menschlichem Gewebe. Sie analysierten mit Zellkulturen von Lungengewebe gesunder Probanden und Asthma-Patienten, wie die Zellen auf Endotoxine reagieren. Bei den Gesunden hätten sich weniger der für Allergien typischen Entzündungsmoleküle gebildet, heißt es in der Studie. Für A20 zeigte sich bei diesen Probanden, dass es in größeren Mengen in den Zellen vorhanden war als bei Asthmatikern. Für die schützende Rolle einer Bauernhof- oder Tierhaltungsumgebung sei dieses Enzym demnach ein wichtiger Faktor, schließen die Forscher.

Ein ausgeglichenes Immunsystem ignoriert AllergeneAllergene
Das sind Stoffe, die vom Immunsystem des Körpers als „fremd" eingestuft und deshalb angegriffen werden, was zu einer übersteigerten Abwehrreaktion (= Allergie mit Überempfindlichkeit des Körpers gegen das jeweilige Allergen) führt.
Man unterscheidet tierische, pflanzliche und chemische Allergene, wobei fast jede Umweltsubstanz eine Allergie auslösen kann. Ein potenzielles Allergen ist eine Substanz, die aufgrund ihrer biochemischen Beschaffenheit häufiger als andere Substanzen eine allergische Reaktion hervorrufen kann.
 
 
 
wie Hausstaub oder Pollen. Bei Allergikern aber wird der vermeintliche Feind mit aller Macht bekämpft: Die Atemmuskulatur verkrampft, die Schleimhaut der Bronchien schwillt. Studien haben gezeigt, dass Kinder, die auf dem Bauernhof groß werden, viele ältere Geschwister haben oder früh in einer Krippe sind, seltener an Asthma und Allergien erkranken. Studien zufolge steigt die Zahl der Asthmatiker weltweit.

Quelle: dpa