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17.02.2016

Was tun nach dem Einatmen von Pfefferspray?

Ein direkter Kontakt mit Pfefferspray kann schwere Schleimhautreizungen in den Atemwegen und Augen verursachen und insbesondere für Asthmatiker lebensbedrohlich sein. Davor warnen die Lungenärzte des Bundesverbands der Pneumologen (BdP).

Seit den Vorfällen in der Silvesternacht in Köln ist die Nachfrage an Pfefferspray stark gestiegen (siehe z.B. DIE WELT vom 8.1.16). Ein direkter Kontakt mit Pfefferspray kann allerdings schwere Schleimhautreizungen in den Atemwegen und Augen verursachen und insbesondere für Asthmatiker lebensbedrohlich sein. Davor warnen die Lungenärzte des Bundesverbands der Pneumologen (BdP) und geben Tipps, wie eine Kontaktirritation am besten zu behandeln ist.

Pfefferspray ist freiverkäuflich und wurde eigentlich zur Tierabwehr (z.B. von Bären) entwickelt. Rechtlich gesehen ist eine Anwendung gegenüber Menschen nur bei Vorliegen einer Notlage und einem rechtswidrigen Angriff als Notwehr erlaubt. Der Wirkstoff im Pfefferspray heißt Oleoresin Capsicum (OC) und wird aus Capsaicin, einem Extrakt aus Chilipflanzen, gewonnen. Capsaicin reizt sensorische Nerven und verursacht ein schmerzhaftes Brennen auf der Haut und in den Augen, Bindehautschwellung sowie Tränenfluss. Auch eine vorübergehende Erblindung ist möglich. Diese Wirkungen klingen zwar in der Regel nach einer oder mehreren Stunden ab, manchmal aber bleiben Hornhautentzündungen über Wochen oder Monate bestehen. In den Atemwegen reizt das Spray die Nervenendigungen in der Bronchialmuskulatur, so dass sich die Muskeln dort zusammenziehen. Das führt zu Hustenreiz, Hustenanfällen oder auch Atemnot – je nachdem, wie viel Pfefferspray in die Atemwege gelangt.

„Kritischer als diese meist nach einer Stunde abklingenden Symptome sind die selteneren Komplikationen“, erläutert Dr. Andreas Hellmann, Vorsitzender des BdP und praktizierender Pneumologe in einer Gemeinschaftspraxis für Lungen- und Bronchialheilkunde in Augsburg. Besonders gefährdet beim Einatmen von Pfefferspray sind Asthmatiker, weil ihre Atemwege ohnehin dazu neigen, sich zu verengen, und ihre Bronchialmuskulatur leicht verkrampft, so dass es zu einem lebensbedrohlichen Asthmaanfall und zu einem Stimmritzenkrampf kommen kann. Das Einatmen von Pfefferspray kann außerdem bei Blutdruckpatienten (mit labilem oder zu hohem Blutdruck) zu einer so genannten akuten Hypertension führen, also einer Blutdruckkrise, die mit erhöhtem Risiko für Herzinfarkt und SchlaganfallSchlaganfall
Schlaganfälle ereignen sich gehäuft während des Blutdrucktiefs gegen 3 Uhr nachts (midnight stroke) oder während des zweiten Blutdrucktiefs am Nachmittag. Die Krankheitsanzeichen setzen meist plötzlich ein und hängen vom Ort des Infarktes ab. Erste Anzeichen können heftige Kopfschmerzen, ausgeprägte Bewusstseinstrübung bis hin zu Bewusstlosigkeit sein. Es entwickelt sich eine meist im Arm- und Gesichtsbereich betonte einseitige Lähmung. Zunächst ist die gelähmte Seite erschlafft (im Gesicht z.B. als hängender Mundwinkel und Aufblähung der Wange auf der gelähmten Seite beim Ausatmen = "Tabakblasen"), später können auch unkontrollierte Zuckungen hinzu kommen. Eine Hirndurchblutungsstörung ist entweder Folge eines thrombotischen oder embolischen Gefäßverschlusses (ischämischer Hirninfarkt) oder eines spontanen Gefäßrisses mit nachfolgender Einblutung (hämorraghischer Hirninfarkt).
Ischämischer Schlaganfall: Hirninfarkt, der durch eine Blutstauung aufgrund verstopfter Gefäße verursacht wird und deshalb zu einer Unterversorgung der Hirnzellen mit Sauerstoff führt. Ein ischämischer Hirninfarkt auf Grund von Minderdurchblutung eines Endarterienareals bei plötzlichem Gefäßverschluss der Arterie ist mit 80-85% die häufigste Ursache eines Schlaganfalls. 
Hämorraghischer Schlaganfall: Verkalkte Blutgefäße im Gehirn brechen auf, was zu Gehirnblutungen führt. Dabei wird die Blutzufuhr und damit Sauerstoffversorgung der betroffenen Gehirnzellen unterbrochen bzw. abgebrochen und sie sterben ab.
 
 
einhergeht.“ Todesfälle im Zusammenhang mit dem Einsatz von Pfefferspray sind in der Fachliteratur belegt.

„Um die Reizstoffe zu neutralisieren, ist es wichtig die vom Pfefferspray benetzten Körperstellen gründlich zu reinigen“, rät Dr. Hellmann. „Reizungen der Augen oder der Haut, die sehr schmerzhaft sein können, sollten am besten sofort mit fließendem kalten Wasser aus- bzw. abgewaschen werden. Kaltes Wasser verschließt die Poren und verhindert so ein weiteres Eindringen des Reizstoffes. Trotz möglichem Juckreiz sollten Betroffene die mit dem Reizgas in Kontakt gekommenen Stellen keinesfalls durch Reiben weiter reizen. Falls Reizgas in den Rachen eingedrungen sein sollte, ist die Atmung des Betroffenen zu beobachten und gegebenenfalls der Rettungsdienst zu rufen, da es zu einem Zuschwellen der Atemwege kommen kann. Wer Atemnot hat, sollte am besten so schnell wie möglich einen Arzt aufsuchen. Der wird den Patienten Sauerstoff inhalieren lassen und ihm Bronchien erweiternde Medikamente verabreichen.“

Quelle: äin-red

Dies ist eine Pressemeldung des Bundesverbands der Pneumologen (BdP). Der Abdruck dieser Pressemeldung oder von Teilen des Artikels ist unter folgender Quellenangabe möglich: www.lungenaerzte-im-netz.de. Bei Veröffentlichung in Online-Medien muss die Quellenangabe auf diese Startseite oder auf eine Unterseite des Patienteninformationsportals der Lungenärzte-im-Netz verlinken.