LUNGENÄRZTE

im Netz

In Zusammenarbeit mit:

Herausgeber:

News

19.02.2016

Milder Winter erhöht Asthmarisiko für Allergiker

Der milde Winter lässt die Pollen von Hasel und Erle in diesem Jahr sehr früh fliegen. Das belastet die Gesundheit von Menschen mit einer Pollenallergie.

„Die milden Temperaturen haben dazu geführt, dass die Allergien gegen Frühblüher schon im Dezember einsetzten“, berichtet Experte Joachim Saloga von der Universitätsmedizin Mainz. „Pollen von Hasel und Erle waren schon unterwegs“, bestätigt Gerhard Lux vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach. „Auch die Birke könnte durch das aktuell sehr warme Wetter früher dran sein.“ Der Pollenflug sei nicht nur begünstigt worden durch die warmen Temperaturen im Winter, sondern auch durch den wenigen Regen in vielen Teilen Deutschlands.

Bei einem weniger frühen Pollenflug ist der Winter für Allergiker eine eher beschwerdefreie Zeit, in der sich das zu sensibel reagierende ImmunsystemImmunsystem
Das körpereigene Abwehrsystem besteht aus drei Funktionskreisen:
(1) Knochenmark als Bildungsort für Immunzellen.
(2) Verschiedene zentrale Immunorgane wie Thymus (Prägung von T-Lymphozyten) und darmnahe Lymphorgane (für die Prägung von B-Lymphozyten).
(3) Sekundäre Lymphorgane wie Milz, Lymphknoten und Mandeln (Tonsillen).
Man unterscheidet die so genannte humorale Abwehr (über die Körperflüssigkeiten mit darin enthaltenen Antikörpern und Faktoren aus dem so genannten Komplementsystem) und die zellvermittelte Abwehr (mit B- und T-Zellen, Makrophagen, Antigen-präsentierenden Zellen, Granulozyten u.a.).
regenerieren kann. „Ohne diese Pause erhöht sich das Risiko, ein Asthma zu entwickeln“, erklärt Saloga. „Die angegriffenen Schleimhäute und Atemwege können nicht so gut abheilen, das kann zu dauerhafter Schädigung führen.“

„Die Allergiesaison ist gestartet“, erklärt Prof. Torsten Zuberbier, Vorsitzender der Europäischen Stiftung für Allergieforschung (ECARF). Eine Allergie kann und sollte behandelt werden. „Wenn man nichts macht, schadet man sich selbst.“ Denn der Körper setzt als Abwehrreaktion auf die Pollen Histamin frei - das verursacht die Allergiesymptome.

Dagegen helfen Anti-Histaminika, die das Histamin blockieren, und eine so genannte Hyposensibilisierung, bei der das Immunsystem langsam an die Allergene gewöhnt wird. Am besten beginnen Allergiker bereits ein bis zwei Wochen vor dem erwarteten Pollenflug mit der Einnahme von Histaminika. Denn auch dann sei schon Allergen in der Luft, selbst wenn der Pollenflug noch nicht messbar ist.

Für eine Hyposensibilisierung gegen Baumpollen ist es mittlerweile schon zu spät - für die später startende Gräsersaison aber können Allergiker jetzt noch eine HyposensibilisierungHyposensibilisierung
Behandlungsform von Allergien, bei der dem Körper das Allergen in steigender Dosis injiziert wird, um die Allergieempfindlichkeit herabzusetzen bzw. ganz auszuschalten; erstreckt sich über mehrere Jahre.
Man spricht auch von spezifischer Immuntherapie mit Allergenen (SIT), Allergen-Immuntherapie, Allergie-Impfung oder Desensibilisierung.
beginnen. „Man sollte eine SensibilisierungSensibilisierung
Darunter versteht man eine erhöhte Abwehrbereitschaft gegenüber bestimmten Antigenen (Allergenen), die beim ersten Kontakt mit einer Fremdsubstanz ausgelöst wird und zur Bildung von Antikörpern gegen deren Antigene führt (primäre Immunantwort). Beim nächsten Kontakt mit dem Allergen kann dann eine verstärkte Abwehrreaktion erfolgen unter Bildung großer Mengen von passenden Antikörpern gegen die Substanz-Antigene (sekundäre Immunantwort). Hierzu reicht bereits eine geringe Menge des Allergens aus. Eine Sensibilisierung kann vom Arzt mittels Allergietest (Nachweis von Antikörpern) festgestellt werden. Es kommt aber auch vor, dass sich Menschen sensibilisiert haben, ohne allergische Symptome aufzuweisen.
in einer Zeit beginnen, in der man möglichst wenig in Kontakt mit den AllergenenAllergenen
Das sind Stoffe, die vom Immunsystem des Körpers als „fremd" eingestuft und deshalb angegriffen werden, was zu einer übersteigerten Abwehrreaktion (= Allergie mit Überempfindlichkeit des Körpers gegen das jeweilige Allergen) führt.
Man unterscheidet tierische, pflanzliche und chemische Allergene, wobei fast jede Umweltsubstanz eine Allergie auslösen kann. Ein potenzielles Allergen ist eine Substanz, die aufgrund ihrer biochemischen Beschaffenheit häufiger als andere Substanzen eine allergische Reaktion hervorrufen kann.
 
 
 
kommt“, erläutert der Mainzer Prof. Saloga. „Wenn aber das ganze Jahr über die Pollen fliegen, erschwert das die Therapie.“ Üblicherweise werde die Hyposensibilisierung daher im Herbst begonnen, damit im Frühling - wenn die meisten Pollen fliegen - schon eine Verbesserung eintrete. Zum Spitzenpollenflug sollte eine Sensibilisierung zurückgefahren oder sogar ausgesetzt werden. Dann sollten Allergiker draußen auch keinen Sport treiben, weil die Allergene bei körperlicher Anstrengung besonders tief in die Bronchien gelangten.

Fliegen die Pollen erst einmal, entkommt man ihnen nur schwer. In Innenräumen helfe ein Pollengitter, das 90 Prozent der Pollen abhalte, rät Prof. Saloga. Außerdem sollte man Kleidung, die draußen getragen wurde, direkt an der Garderobe lassen sowie mit Wasser durch die Haare streichen. „Am besten wäre es natürlich, die Haare jedes Mal zu waschen, wenn man draußen war“, meint Prof. Saloga. „So kann man wenigstens die Pollenbelastung in Innenräumen reduzieren.“

Quelle: dpa