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22.10.2015

Bestimmte Bakterien der Darmflora schützen Säuglinge vor Asthma

Wenn gewisse Bakterien in der Darmflora eines Säuglings fehlen, steigt sein Asthmarisiko im Kindesalter an. Die Zufuhr fehlender Bakterien sollte Babys entsprechend vor Asthma schützen.

Asthma ist eine der häufigsten chronischen Erkrankungen bei Kindern der westlichen Industrieländer. Warum das so ist, weiß man noch nicht genau. Jedenfalls scheinen bei der Entwicklung von Asthma bei Kindern neben der genetischen Veranlagung auch Umweltfaktoren eine Rolle zu spielen – wie z.B. übertriebene Hygiene, die Ernährung und vorgeburtliche Einflüsse. Viele dieser Faktoren beeinflussen das Mikrobiom des Kindes – also die Gesamtheit der Bakterien, die in und auf seinem Körper leben.

Wenn einem Säugling in den ersten drei Lebensmonaten bestimmte Darmkeime (nämlich die folgenden vier Bakteriengattungen: Faecalibacterium, Lachnospira, Veillonella und Rothia = FLVR) fehlen, steigt sein Asthmarisiko in der Kindheit deutlich an. Das haben Forscher aus Kanada entdeckt (siehe Translational Science Medicine, Online-Ausgabe am 30.9.2015). Entsprechend sollte die Gabe dieser vier Bakteriengattungen Kinder theoretisch gegen Asthma schützen können. Im Tierversuch habe eine solche Impfung mit Bakterien gegen Asthma bereits funktioniert.

Marie-Claire Arrieta von der University of British Columbia in Vancouver und ihre Kollegen analysierten die Bakterien im Kot von drei Monate alten Säuglingen und registrierten in den folgenden drei Jahren, ob diese Kinder ein pfeifendes Atemgeräusch oder Ekzeme entwickelten – beide gelten als Hinweis für ein erhöhtes Asthmarisiko. Dabei stellten die Forscher folgenden Zusammenhang fest: Kinder, die später seltener Anzeichen für Asthma entwickelten, wiesen als dreimonatige Säuglinge häufiger die vier genannten Bakteriengattungen in ihrem Darm (Kot) auf.

Außerdem enthielt der Kot dieser Kinder mehr Acetat - kurzkettige Fettsäuren, die ein Stoffwechselprodukt bestimmter Darmbakterien darstellen. Eine Darmflora, die viel Acetat produziert, soll sich einer anderen Studie zufolge günstig auf das Asthmarisiko auswirken. Auch dies konnten die Forscher in ihrer Studie bestätigen: Im Tierversuch konnte die Zugabe von Acetat ins Trinkwasser Mäuse vor einer Erkrankung an Asthma bewahren.

Damit haben die Forscher einen Beleg dafür erbracht, dass die Zusammensetzung der Darmflora in der frühesten Kindheit das Risiko mitbestimmt, ob die Kinder später an Asthma erkranken. „Unserer Ergebnisse sprechen dafür, dass die ersten 100 Tage des Lebens ein kritisches Fenster darstellen, in denen die Darmflora mit dem Risiko von Asthma und Allergien verknüpft ist“, schreiben die Forscher. Ein weiterer Tierversuch weist tatsächlich auf einen ursächlichen Zusammenhang hin: Neugeborene, keimfreie Mäuse, die einen Bakteriencocktail aus dem Kot asthmagefährdeter Säuglinge erhielten, reagierten auf eine Reizung ihrer Atemwege mit einer starken entzündlichen Reaktion. Bekamen sie allerdings zuvor eine Impfung mit den vier FLVR-Bakteriengattungen, unterblieb die asthmaähnliche Reaktion.

Diese Entdeckung zeige, dass es ein kurzes Fenster gibt, in dem Babys vorbeugend gegen Asthma behandelt werden können, indem man ihnen die fehlenden Mikroben zuführt. Allerdings müsse dies noch in größeren Studien überprüft werden. Es bestehe trotzdem gute Hoffnung, durch solche und ähnliche probiotische Behandlungen die Entstehung von Asthma und anderen allergischen Erkrankungen verhindern zu können. Zudem könnte eine Analyse der Darmflora bei Säuglingen dabei helfen, besonders gefährdete Kinder zu einem frühen Zeitpunkt zu erkennen.

Quelle: Scinexx