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15.10.2015

Beruflich bedingtes Einatmen von Talkstaub kann schwere Lungenerkrankung hervorrufen

Regelmäßige Einatmen von Talkstaub kann Entzündungen in der Lunge mit Knötchenbildung und damit eine Lungenerkrankung namens Talkose verursachen...

Talk (chemisch: Magnesiumsilikathydrat) wird in verschiedenen Industriezweigen zur Herstellung von Produkten wie z.B. Papier, Farben, Plastik, Gummi und Keramik verwendet. Es wird auch in der Lebensmittelindustrie eingesetzt, da es den menschlichen Körper unverdaut passieren kann - zum Beispiel als Träger von Lebensmittelfarbstoffen oder als Trennungsmittel - und wurde insofern bisher als unschädlicher Lebensmittelzusatzstoff angesehen. Jetzt warnen Forscher vom Netherlands Expertise Centre for Occupational Respiratory Diseases in Utrecht davor, dass das regelmäßige Einatmen von Talkstaub Entzündungen in der Lunge mit Knötchenbildung und damit eine Lungenerkrankung namens Talkose verursachen kann. Da diese fortschreitend ist, kann sich bei fortdauernder (wie z.B. beruflich bedingter) Exposition eine Lungenfibrose entwickeln, bei der die Lunge ihre Dehnbarkeit verliert und zunehmend versteift, was letztendlich zu akutem Atemversagen führen kann. Darauf machen die Lungenärzte des Bundesverbands der Pneumologen (BdP) aufmerksam unter Berufung auf die Studienergebnisse niederländischer Forscher, die kürzlich auf dem Kongress der European Respiratory Society (ERS) in Amsterdam vorgestellt wurden (siehe Abstract Nr. 2917: Surveillance in talc exposed workers in a chocolate products plant).

Gesundheitsrisiken durch Talkstaub bisher nur aus dem Bergbau bekannt

„Gesundheitliche Risiken durch das Einatmen von Talkstaub waren bisher ausschließlich aus dem Bergbau bekannt, nicht aber aus der Lebensmittelindustrie“, betont Dr. Andreas Hellmann, Vorsitzender des Bundesverbands der Pneumologen (BdP) und praktizierender Pneumologe in einer Gemeinschaftspraxis für Lungen- und Bronchialheilkunde in Augsburg. Nachdem im Jahr 2012 in einer Schokoladenfabrik ein Fall von Talkose aufgetreten war, wurden die niederländischen Forscher dazu beauftragt, alle Fabrikarbeiter, die regelmäßig mit Talkstaub in Kontakt kamen, zu untersuchen. Bei 18 Arbeitern, für die sich hinsichtlich ihrer individuellen Arbeitszeiten und -Tätigkeiten die größte kumulative Exposition durch Talkstaub in der Schokoladenfabrik ergab, wurden hochauflösende, computergrafische Aufnahmen des Brustkorbs gemacht. Dabei diagnostizierten die Forscher einen weiteren Fall mit Talkose, der zusätzlich durch eine Lungenbiopsie bestätigt wurde, sowie einen Verdachtsfall, bei dem bereits eine Bildung von Knötchen (Granulomen) in der Lunge auf den CT-Bildern nachweisbar war.

Erkennung und Behandlung essenziell, um Fortschreiten der Lungenerkrankung zu verhindern

„Besonders stark exponiert waren diejenigen Arbeiter, die z.B. für das Auffüllen der Talkgefäße zuständig waren“, berichtet Dr. Hellmann. „Dass das Einatmen von Talkstaub ein ernst zu nehmendes Gesundheitsrisiko darstellt, darüber sollte man sich künftig sowohl in der Lebensmittelindustrie als auch möglicherweise in noch weiteren Industriezeigen bewusst sein. Betroffenen Arbeitern ist bei auftretenden Atembeschwerden anzuraten, sich von einem Lungenfacharzt untersuchen zu lassen. Im Erkrankungsfall kann in manchen Fällen eine Therapie mit anti-entzündlichen Medikamenten helfen. Gegebenenfalls muss zur effektiven Vermeidung von Talkstaub eine Verlegung des Arbeitsplatzes in Erwägung gezogen zu werden, um ein Fortschreiten der Talkose zu verhindern“, erläutert Dr. Hellmann.

Quelle: äin-red

Dies ist eine Pressemeldung des Bundesverbands der Pneumologen (BdP). Der Abdruck dieser Pressemeldung oder von Teilen des Artikels ist unter folgender Quellenangabe möglich: www.lungenaerzte-im-netz.de. Bei Veröffentlichung in Online-Medien muss die Quellenangabe auf diese Startseite oder auf eine Unterseite des Patienteninformationsportals der Lungenärzte-im-Netz verlinken.