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03.08.2007

Bauernhofkinder weniger anfällig für Asthma und Allergien

Das Risiko, an Asthma oder Heuschnupfen zu erkranken, ist für ein Kind um die Hälfte bzw. das Dreifache erhöht, wenn es nicht auf einem Bauernhof aufwächst. Das belegen erste Ergebnisse der europaweiten GABRIEL-Studie an über 27.000 Kindern in Tirol.

Allergische Erkrankungen haben in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zugenommen. So gehören Asthma bronchiale Heuschnupfen und Neurodermitis mittlerweile zu den häufigsten chronischen Krankheiten im Kindesalter - etwa jedes zehnte Kind ist bereits vorübergehend oder dauerhaft betroffen. Derzeitiger Stand der Forschung ist, dass allergische Erkrankungen durch ein Zusammenspiel von Vererbung und Umwelteinflüssen entstehen. Dabei besagt die so genannte Hygiene-Hypothese folgendes: Übertriebene Hygiene führe dazu, dass das ImmunsystemImmunsystem
Das körpereigene Abwehrsystem besteht aus drei Funktionskreisen:
(1) Knochenmark als Bildungsort für Immunzellen.
(2) Verschiedene zentrale Immunorgane wie Thymus (Prägung von T-Lymphozyten) und darmnahe Lymphorgane (für die Prägung von B-Lymphozyten).
(3) Sekundäre Lymphorgane wie Milz, Lymphknoten und Mandeln (Tonsillen).
Man unterscheidet die so genannte humorale Abwehr (über die Körperflüssigkeiten mit darin enthaltenen Antikörpern und Faktoren aus dem so genannten Komplementsystem) und die zellvermittelte Abwehr (mit B- und T-Zellen, Makrophagen, Antigen-präsentierenden Zellen, Granulozyten u.a.).
auf Grund fehlender Krankheitserreger nicht mehr genügend ausgelastet sei. Mit dem fehlenden Anstoß zur Erregerabwehr gerate das komplizierte Zusammenspiel der Immunabwehr dann aus dem Gleichgewicht, was Allergien und andere Autoimmunerkrankungen begünstige. Erste Ergebnisse der europaweiten GABRIEL-Studie belegen nun, dass Kinder, die auf dem Bauernhof – und damit ohne übertriebene Hygiene - aufwachsen, offenbar weniger anfällig sind für Asthma und Allergien.

Für die Untersuchung wurden unter anderem über 27.000 Kinder in Tirol befragt, ob sie allergische Beschwerden haben. 13 Prozent der Eltern der Studienteilnehmer hatten dabei angegeben, dass ihr Kind auf einem Bauernhof lebt. Nach Auswertung der Daten zeichnete sich ab, dass unter den Bauernkindern nur sechs Prozent an Asthmabeschwerden leiden, während dies unter den Nicht-Bauernkindern ganze elf Prozent tun. Noch deutlicher zeigte sich der Unterschied in der Erkrankungshäufigkeit von Heuschnupfen: Während nur 2% der Bauernkinder jemals unter Heuschnupfen zu leiden hatten, waren unter den Nicht-Bauernkindern 8% betroffen. Damit ist das Risiko, an Asthma bronchiale zu erkranken, für ein Kind um 50% erhöht, wenn es nicht auf einem Bauernhof aufwächst. Die Wahrscheinlichkeit, Heuschnupfen zu bekommen, ist für Nicht-Bauernkinder im Vergleich zu Bauernkindern sogar mehr als dreimal so groß. Diese Ergebnisse bekräftigen den so genannten „Bauerneffekt“, der bereits in früheren Studien beobachtet worden ist: Kinder, die in ihren ersten Lebensjahren vermehrt in Kontakt mit Bestandteilen oder Stoffwechselprodukten von Bakterien oder Pilzen kommen, sind eher vor der Entwicklung von Asthma und Allergien geschützt, da dadurch das frühkindliche Immunsystem gewissermaßen in die richtige Richtung dirigiert werde. Nach Ansicht Arbeitsgruppe um Prof. Dr. med E. von Mutius an der Hauner’schen Kinderklinik, die das Forschungszentrum der GABRIEL-Studie darstellt, habe diese erste Phase der Untersuchung somit eine hervorragende Grundlage geschaffen, um die offenbar schützenden Faktoren auf dem Bauernhof aufzufinden und genauer zu identifizieren.

Quelle: GABRIEL-Studie