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Tuberkulose
 
Tuberkulose

Allgemeines & Häufigkeit

Tuberkulose bedingte Kavernen (DZK/Lungenklinik Heckeshorn)
Die Tuberkulose (TB) ist eine meldepflichtige Infektionskrankheit, die durch Tuberkulosebakterien (Mycobakterien, die zum so genannten Mycobacterium tuberculosis-Komplex gehören) hervorgerufen wird. Die Bakterien werden dabei in aller Regel durch das Einatmen von infektiösen Tröpfchenkernen (Aerosolen) von Mensch zu Mensch übertragen. Die Tuberkulose betrifft bevorzugt die Lunge, kann aber auch in jedem anderen Organ auftreten.

Gelingt es der Immunabwehr unseres Körpers den Erreger nach dem ersten Kontakt erfolgreich einzudämmen, liegt eine latente tuberkulöse Infektion vor (LTBI, Nachweis über positiven Tuberkulinhauttest etwa 6-8 Wochen nach Kontakt). Diese Reaktion auf eine Infektion, die nicht zu einem klinisch fassbaren Krankheitszustand führt, tritt in 90-95% der Infektionsfälle auf. Durch die Bildung von  Granulomen  können infizierte Personen mit intaktem Immunsystem die Infektion eingrenzen, ohne dass eine behandlungsbedürftige Erkrankung entsteht. Durch die Ausbildung von Granulomen werden die Bakterien allerdings nur eingedämmt, meist aber nicht völlig abgetötet. Durch verschiedene Botenstoffe (Zytokine) der beteiligten Zellen kommt es zu einer weiteren Immunaktivierung. Da diese granulomatöse Gewebsreaktion typisch für eine Tuberkulose ist, wird auch von einer spezifischen Entzündung gesprochen.

Kommt es dagegen, insbesondere bei Immunschwäche, direkt im Anschluss an eine Infektion zur Ausbildung eines tuberkulösen Entzündungsherdes, meist mit einer Vergrößerung des begleitenden Lymphknotens (Primärkomplex), so liegt eine Primärtuberkulose vor. Über den Blutweg können die Erreger dann auch in andere Organe gestreut werden. Der Begriff Tuberkulose stammt aus dem Lateinischen (tuberculum = kleiner Knoten).

Doch auch viele Jahre nach einer Infektion kann es noch zur Entwicklung einer behandlungsbedürftigen, aktiven Tuberkulose kommen (Postprimärtuberkulose), wenn die komplizierten Regulationsmechanismen der  Granulome  zusammenbrechen und die Erreger sich ungehemmt vermehren können. Diese „Reaktivierung" spielt in den industrialisierten Ländern Europas und Nordamerikas vor allem bei älteren Menschen ein große Rolle. Das Risiko, eine behandlungsbedürftige Tuberkulose zu entwickeln, ist in den ersten zwei Jahren nach einer Infektion am höchsten.

Die Tuberkulose existiert vermutlich seit Menschengedenken als weit verbreitete Erkrankung und begleitet die menschliche Kulturgeschichte wie kaum eine andere Krankheit. Erste Beschreibungen der klinischen Erscheinungsformen der Lungentuberkulose gehen auf Hippokrates (ca. 460-370 v. Chr.) zurück. Die industrielle Revolution und die dadurch ausgelösten sozialen Veränderungen - vor allem die wachsende Bevölkerungsdichte in den Städten - führten zu einem sprunghaften Anstieg der Tuberkulose im 18. und 19. Jahrhundert. In der Mitte des 19. Jahrhunderts starb in Deutschland jeder vierte erwachsene Mann an Tuberkulose. Diese wurde damals auch als die „weiße Pest" bezeichnet. Im berühmten, nobelpreisgekrönten Roman „Der Zauberberg" beschreibt der Autor Thomas Mann sehr anschaulich und eindringlich den Einfluss, den diese Erkrankung auf alle Bereiche des menschlichen Lebens hatte.

In den industrialisierten Ländern hat die Tuberkulose aufgrund des steigenden Wohlstands, der besseren hygienischen und ernährungstechnischen Verhältnisse und nicht zuletzt wegen der seit Mitte des 20. Jahrhunderts zur Verfügung stehenden medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten sehr an Schrecken verloren. Die Sterblichkeit infolge der Erkrankung hat dort stark abgenommen.

Dennoch gehört die Tuberkulose neben Aids/HIV und Malaria weltweit immer noch zu den häufigsten Infektionskrankheiten. Ein Drittel der Menschheit - das sind etwa zwei Milliarden Betroffene - sind nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit dem Erreger infiziert, wovon 5-10% an aktiver Tuberkulose erkranken, dabei Männer doppelt so häufig wie Frauen. 95% der Erkrankungen betreffen die armen Länder - dort ist die Tuberkulose mit mehr als 2 Millionen Toten jährlich die häufigste tödliche Infektionskrankheit. Problematisch wird auch die zunehmende  Resistenzentwicklung  der Erreger gegen die normalerweise erfolgreiche Antibiotikatherapie. Der Anteil von Erregern, die eine Resistenz gegen mindestens eines von fünf Medikamenten der ersten Wahl entwickelt haben, betrug im Jahr 2003 für Deutschland 13% (RKI-Bericht 2005). Tendenz: steigend. Denn die Globalisierung und zunehmende Migrationsbewegungen aus Ländern mit hohem Tuberkulosevorkommen und hohen Resistenzraten wirken sich auch auf die Tuberkulosesituation in Deutschland aus. So ist der relative Anteil an Tuberkulosen bei im Ausland geborenen Mitbürgern im Ansteigen begriffen (2003: 44%). Die vorgefundenen Resistenzen spiegeln die Situation im Herkunftsland wider - dies wird besonders deutlich bei Patienten aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion.



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