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Was ist eine Staublunge?

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Staublungen werden auch als Pneumokoniosen (griechisch: pneuma = Luft, konis = Staub) bezeichnet. Es handelt sich um Lungenkrankheiten, die nach Einatmung und Ablagerung von anorganischen Stäuben in den tieferen Atemwegen zu verschiedenartigen Veränderungen des Lungengewebes (reaktiv, mit und ohne Funktionsstörung) gekennzeichnet sind. Staublungenerkrankungen gehören zu den häufigsten gesetzlich anerkannten und  entschädigungspflichtigen Berufskrankheiten.

Wie Staub der Lunge zusetzt

Die Lunge ist aufgrund ihres hohen Luftdurchsatzes von etwa 20.000 Litern pro Tag in erheblichem Maße Schadstoffen ausgesetzt, die in der Umwelt, am Arbeitsplatz oder im  Wohnbereich vorkommen und als  AerosolAerosol
Unter Aerosolen versteht man allgemein ein Gemisch (bzw. ein mehrphasiges System) von Gasen (insbesondere Luft) mit unregelmäßig verteilten Feststoff-Teilchen (zum Beispiel Staub, Faserstaub, Rauch) oder mit Flüssigkeits-Anteilen. Stäube sind Gemische aus unregelmäßig verteilten festen Teilchen in Gasen, die durch mechanische Arbeiten oder Aufwirbelung entstehen. Faserstäube sind Gemische aus unregelmäßig verteilten Fasern (organischen oder anorganischen Ursprungs – zum Beispiel Asbest) in Gasen. Rauche sind feinste Gemische aus festen Teilchen in Gasen, die durch thermische Prozesse entstehen (zum Beispiel Schweißrauch oder Metalloxidrauch) oder bei Verbrennungsvorgängen (zum Beispiel Ruß oder Flugasche).
  in die Atemluft gelangen. Solche Schadstoffe können organischen Ursprungs sein (z.B. AllergeneAllergene
Das sind Stoffe, die vom Immunsystem des Körpers als „fremd" eingestuft und deshalb angegriffen werden, was zu einer übersteigerten Abwehrreaktion (= Allergie mit Überempfindlichkeit des Körpers gegen das jeweilige Allergen) führt.
Man unterscheidet tierische, pflanzliche und chemische Allergene, wobei fast jede Umweltsubstanz eine Allergie auslösen kann. Ein potenzielles Allergen ist eine Substanz, die aufgrund ihrer biochemischen Beschaffenheit häufiger als andere Substanzen eine allergische Reaktion hervorrufen kann.
 
 
 
, Mukoziliäre Clearance, Mikroorganismen) oder anorganischer Natur (z.B. Stäube, Gase, Dämpfe, Rauche). Bei körperlicher Arbeit steigt die geatmete Luftmenge erheblich an, etwa bis zu 200.000 Liter pro Tag.

Eine gesunde Lunge verfügt über mehrere Mechanismen, um eingeatmete Fremdpartikel (zum Beispiel Staubteilchen) wieder los zu werden: Größere Partikel werden bereits in der Nase abgefangen und mit dem Nasensekret entfernt. Kleinere Partikel gelangen in die tieferen Atemwege und werden dann auf Grund eines speziellen Reinigungssystems mit Flimmerhärchen ( Mukoziliäre Clearance) in die größeren Bronchien und die Luftröhre zurücktransportiert und abgehustet.

Partikel mit einem Durchmesser größer als 10 µm (1 Mikrometer entspricht einem tausendstel Millimeter) - der sogenannte Grobstaub - bleibt größtenteils an den Nasenhärchen oder den Schleimhäuten des Nasen-Rachenraums hängen. Kleinere und kleinste Staubpartikel (FeinstaubFeinstaub
Feinstaub gilt als giftig und kostet nach Schätzungen der EU-Kommission jährlich zahlreichen  Europäern das Leben. Mit einer Größe von weniger als 10 µm können Feinstäube in der Luft schweben (sog. Schwebstäube) und vom Menschen eingeatmet werden, so dass die Feinstaubteilchen in die Lunge gelangen und über die Lungenbläschen (Alveolen) in den Körper übergehen können. So stoßen sie u.a. bis in die Leber vor.
 
 
, ultrafeine Partikel) können aber über die Luftröhre und die Bronchien bis tief in die Lunge (Lungenbläschen) vordringen. Daher wird der Feinstaub auch als inhalierbarer Feinstaub (Partikel kleiner als 10 µm) bzw. als lungengängiger (alveolengängiger) Feinstaub (Partikel kleiner als 2,5 µm) bezeichnet. Neben dem Durchmesser bestimmt auch die Form der Partikel über ihren Ablagerungsort. Diese physikalischen Eigenschaften der Partikel werden am besten durch den aerodynamischer Durchmesseraerodynamischer Durchmesser
Bei der Ablagerung (Deposition) von Teilchen im menschlichen Atemtrakt ist die Größe der Teilchen Ausschlag gebend. Diese hängt bei kugelförmigen Partikeln vor allem vom Teilchen-Durchmesser ab. Dagegen ist bei faserförmigen Partikeln (wie zum Beispiel Asbestfasern) die Länge der Teilchen entscheidender. Bei der Berechnung des „aerodynamischen Durchmessers“ werden diese beiden Eigenschaften (Durchmesser und Länge) berücksichtigt.
beschrieben.

Für die biologischen Auswirkungen der Staubpartikel auf das Lungengewebe sind noch weitere Faktoren, insbesondere die chemische Zusammensetzung der eingeatmeten Staubteilchen von Bedeutung. Einige Stäube sind relativ reaktionsträge (inert) und rufen selbst bei massiver Einlagerung nur minimale Gewebeveränderungen hervor. Subjektive Beschwerden und funktionelle Beeinträchtigungen können dann in solchen Fällen fehlen und die Prognose ist gut – zum Beispiel bei der AnthrakoseAnthrakose
Anthrakose ist die Ablagerung von Kohlenstaub in den Lungenbläschen, den Zellzwischenräumen der Bronchien und in der Umgebung von Blut- oder Lymphgefäßen sowie in Lymphbahnen und -knoten.
nach dem Einatmen von Ruß und bei der Siderose nach dem Einatmen von Eisenstäuben.

Auswirkungen von Quarz- und Asbest-Staub

Andere Stäube haben allerdings erhebliche biologische Auswirkungen: So werden Quarz und bestimmte Asbestfasern (insbesondere Blauasbest) - entsprechend ihrer Hauptwirkung – zu den Narben bildenden (fibrogenen) Stäuben gezählt, da sie nach häufiger Einwirkung über lange Zeit (auf Grund chronischer Inhalation) zu einem fortschreitenden Umbau des Lungengewebes (Lungenfibrose) führen mit funktioneller Beeinträchtigung der Atmung und des Gasaustausches (Ventilations- und Diffusionsstörung). Vorrangig kennzeichnend ist dabei eine zunehmende Kurzatmigkeit bei körperlicher Anstrengung, wobei sich die Krankheitssymptome allgemein meistens erst nach einer jahrelangen - bzw. gelegentlich auch jahrzehntelangen  - beschwerdefreien  LatenzzeitLatenzzeit
Sie bezeichnet den Zeitraum, der zwischen dem Beginn der Belastung mit einem Schadstoff und dem ersten Auftreten krank¬heitsbe¬dingter Beschwerden liegt. Die Latenzzeit kann bei Asbestose zwischen 10 und 40 Jahren liegen, im Mittel beträgt sie 17 Jahre. Für Tumor-Erkrankungen, die durch Asbest verursacht werden, fällt sie in der Regel noch wesentlich länger aus.
entwickeln. Selbst wenn die chronische Belastung beendet ist – wie zum Beispiel bei einem Arbeiter, der nach jahrzehntelanger beruflicher Tätigkeit mit Asbeststoffen in Rente geht  - kann der Krankheitsprozess weiter voranschreiten. Sowohl Asbest- als auch Quarz-haltige Stäube können außerdem zu Krebs und anderen Folgeerkrankungen führen.

Staublunge - eine der häufigsten Berufskrankheiten in Deutschland

Die durch Quarz und Asbest verursachten Lungenkrankheiten gehören zu den häufigsten anerkannten und entschädigungspflichtigen Berufskrankheiten in Deutschland (siehe Tabelle unten) und rangieren damit unmittelbar nach dem Spitzenreiter Lärmschwerhörigkeit. Eine ähnlich große Bedeutung haben nur die berufsbedingten Hauterkrankungen (Berufsdermatosen). Während allerdings die Berufserkrankungen durch Lärm und die Berufsdermatosen derzeit rückläufig sind, steigt die Zahl der gemeldeten Verdachtsfälle und der als Berufserkrankung anerkannten Asbestosen und Asbest-bedingten Erkrankungen (z.B. Lungen-/Kehlkopfkrebs und malignes MesotheliomMesotheliom
Gutartiger oder bösartiger Tumor, der von der einzelligen Zellschicht an der Oberfläche bestimmter Organe (Plattenepithel der serösen Häute) ausgeht, zum Beispiel vom Rippenfell, vom Bauchfell oder vom Herzbeutel (Pericard).
) trotz verbesserter Arbeitsschutzmaßnahmen und dem 1993 erlassenen Asbest-Herstellungs- und Verwendungsverbot weiter an (siehe Tabelle). Dies hängt einerseits zusammen mit der großen Verbreitung von Asbest bis in die 70er Jahre des letzten Jahrhunderts hinein und andererseits mit der langen Latenzzeit dieser Erkrankungen.

 

Häufigkeit anerkannter Berufserkrankungen in Deutschland (eine Auswahl)

Berufskrankheit

Listen-Nr.

Anzahl 2002

Anzahl 2003

Anzahl 2004

Asbestose4103192919782056
Lungen- / Kehlkopfkrebs in Folge von Asbest4104755785842
MesotheliomMesotheliom
Gutartiger oder bösartiger Tumor, der von der einzelligen Zellschicht an der Oberfläche bestimmter Organe (Plattenepithel der serösen Häute) ausgeht, zum Beispiel vom Rippenfell, vom Bauchfell oder vom Herzbeutel (Pericard).
in Folge von Asbest
4105735788880
Silikose4101134611681189
Lungenkrebs in Folge von Quarz4112206078
Silkotuberkulose4102312935